Kein-Trekking-Tour

Um nach Laos zu kommen, fuhren wir mit einem Boot über den Mekong nach Houay Xai und beäugten die lange Schlange am Immigrations-Büro an. Anscheinend sind alle Touristen gleichzeitig dort angekommen und es ging leider gar nicht voran. Nachdem wir die Visa-Unterlagen ausgefüllt hatten warteten wir geduldig darauf, dass wir sie zusammen mit unserem Pass abgeben können. Dann stellte Uli sich in eine neue Schlange, um 20 Euro pro Person zu zahlen und unseren Pass mit Visum zurückzubekommen. Währenddessen hat Christina sich in der Gelwechsel-Stube-Schlange angestellt, um thailändische Baht zu einem äußerst erfreulichen Kurs in laotische Kip zu tauschen. Hier wurden wir auch Millionär, da man für einen Euro 10.000 Kip bekommt. In Houay Xai buchten wir einen Platz in einem Minivan, um durch die schöne hügelige Landschaft mit Urwald über Kötzchen-erregende kurvige Straßen nach Luang Nam Tha zu fahren.  Wir durchfuhren viele kleine Dörfchen und bewunderten die leuchtend grünen Reisfelder, großen WeihnachtsSTERN-Bäume, Hibiskusse und Bougainvilles. Die Straße auf der wir fuhren war überraschend gut, perfekt geteert und sogar manchmal dreispurig. Eigentlich waren sie so gut wie in Deutschland und wir haben uns gefragt, wie sich ein so armes Land so gute Straßen leisten kann – zumal die Straßen völlig leer sind, da sich hier sowieso niemand ein Auto leisten kann. Auf den Straßen befinden sich nur ein paar wenige Busse und Roller, thailändische LKWs – eigentlich gehört sie den Enten, Hühnern und Schweinen. Häufig sieht man minutenlang keine anderen Fahrzeuge. Wir vermuteten, dass die guten Straßen ein kommunistisches Prestige-Objekt sind, haben aber dann erfahren, dass China Straßen in Laos finanziert, um die Versorgung Chinas mit Lebensmitteln, Kautschuk usw. zu sichern.  Über unseren Fahrer haben wir auch viel gelacht, da wir mit einem relativ neuen Minivan über leere, gut geteerte, wenn auch kurvige Straßen gefahren sind und für 190 km 4 Stunden gebraucht haben. Wir sind quasi geschlichen und bergauf sind wir häufig nur 20 gefahren, obwohl man mit dem neuen Van wirklich mit 80 hätte hochfahren können. Ein interessantes Erlebnis. Wir haben uns schon gefragt, wie er sich wohl auf einer vergleichbaren deutschen Bundesstraße fühlen würde, wenn ihn alle überholen. Am Busterminal nahmen wir ein Tuk-Tuk ins 10 km entfernte Luang Nam Tha. Hier wurden wir gleich – wir befanden uns noch keine 7 Stunden in Laos – übers Ohr gehauen. Wir dachten wir wären nach Lateinamerika mit allen Wassern gewaschen, aber da hatten wir falsch gedacht. Der laotische Tuk-Tuk-Fahrer sprach natürlich kein Englisch, konnte uns aber immerhin sagen, dass die Fahrt pro Person 10.000 Kip kostet. Uli hat ihm 50.000 Kip gegeben, woraufhin der Fahrer sich weggedreht hat. Auf die Nachfrage nach den 30.000 Kip Wechselgeld hat der Fahrer behauptet, dass wir ihm einen 20.000 Kip-Schein gegeben haben bzw. gar nicht versteht was wir von ihm wollen. Das Wechselgeld haben wir natürlich nicht mehr bekommen. Natürlich ist es nicht schlimm, 3 Euro zu viel bezahlt zu haben, aber man fühlt sich einfach so hilflos, verarscht und wie eine Weihnachtsgans zum Ausnehmen, wenn jemand einem kackendreist ins Gesicht lügt und dann einfach so tut, als würde er gar nix verstehen. In Luang Nam Tha war es gar nicht so einfach eine Unterkunft zu finden, da sie entweder schon voll waren oder nur noch die verschimmelten Erdgeschoss-Zimmer frei waren. Das ist hier in Laos ein Phänomen: die Hotels können noch so schön und sauber sein, die EG-Zimmer riechen meist richtig muffig, so dass wir mittlerweile immer gleich nach einem Zimmer oben fragen, die dann richtig toll sind. Nachdem wir ewig lange mit unseren schweren Rucksäcken die Dorfstraße auf und ab gelaufen sind haben wir völlig entnervt ein ganz nettes Hotel am Dorfende gefunden, wo wir als einzige Gäste freundlich empfangen wurden. Trotzdem haben wir uns dazu entschieden am nächsten Tag in das schöne Zuela Guesthouse (7 Euro pro Zimmer) umzuziehen, da es dort viele andere Gäste gab und es immer ein bisschen komisch ist, in einem „toten“ Hotel zu wohnen. Im zugehörigen Restaurant haben wir für 2,50 Euro richtig gutes, typisch laotisches Essen (z.B. vegetarisches Erdnuss-Jeow mit Klebereis) bekommen und uns schon immer auf das Essen am nächsten Tag gefreut. Am ersten Tag nach unserer Ankunft haben wir uns wieder einen Roller gemietet und sind durch die Dörfer gefahren, was wieder wirklich sehr interessant war. Die Leute hier Leben in einfachsten Stelzen-Holzhäusern, die von staubigen Wegen umgeben sind. Zwischen und unter den Häusern laufen die Hühner, Enten und Schweine herum und waschen tut man sich am Dorfbrunnen. Und vor allem die Kinder und jungen Leute begrüßen einen immer mit einem freundlichen Sabai-Dee (in Thailand wurden wir interessantereweise noch in „unserer“ Sprache, also „hello“ begrüßt). Dafür, dass Luang Nam Tha ein beliebtes Trekking-Ziel ist, war die Landschaft recht unspektakulär und hat uns nicht so recht zum Aufbruch in den Wald motiviert. Daher haben wir den nächsten Tag in Luang Nam Tha entspannt und noch vor dem Frühstück im Bett einen Tatort geschaut (ja, auch sogar hier hat man Internet im Zimmer). An diesem Tag haben wir auch die deutschen Schwestern Kamala und Maja wiedergetroffen, mit denen wir schon über die Tempelanlagen von Sukothai in Thailand geradelt sind und mit denen wir uns gut verstanden haben.  Als wir hörten, dass wir für den Folgetag die gleiche Reiseroute haben, war die Freude groß. Am nächsten Morgen ging es also gegen 8 Uhr mit dem Tuk-Tuk zum Busterminal. Wir waren froh, als die etwa 15-minütige Fahr vorüber war, da es nachts und morgens hier in Nordlaos doch ganz schön kalt wird. Man kann sogar seinen Atem sehen und Uli hat sich schon geärgert, dass er Maik und Irina einen Teil der warmen Klamotten mit nach Deutschland gegeben hat. Es wird Zeit, dass wir bald wieder Richtung Süden reisen. Aber zunächst ging es erstmal nach nach Muang Khua am Fluss Nam Ou, um von dort nach Süden Richtung Luang Prabang zu fahren.

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6 Gedanken zu „Kein-Trekking-Tour

  1. Sabai-Dee, Ihr Zwei. Dank für Euren wieder mal so schönen Artikel mit Fotos. Amüsant, mit welcher Selbstverständlichkeit der Busfahrer das Wechselgeld behalten hat ( der Rest ist für Sie, ganz einfach 😉) Wir sind froh, daß Ihr heile aus dem Hotel rausgekommen seid, erinnert doch sehr an das Motel von Mrs. Bates in „Psycho“🔪! Und was ja noch klasse ist, daß unser Sohn seine warmen Klamotten schon mit heimgeschickt hat, Du bist sooo clever!! Wir wünschen Euch beiden eine gute Reise auf die Philippinen! Hoffentlich gibt’s dort auch den „Tatort“ zu gucken und vor allen Dingen ’ne tolle Landschaft und schöne neue Erlebnisse. Paßt gut auf Euch auf, übertreibt es nicht so mit dem Trinkgeld! Alles Liebe, bis bald mal wieder Holger & Christel🌺

    • Hey!
      Das glaub ich ;0) Habt ihr auch so ewig an der Grenze nach Laos gebraucht? 100 Touris und 2 komunistisch gelassene Grenzbeamte… Wo seid ihr überall gewesen (in Laos)?
      Viele Grüße, schon wieder aus Thailand
      de Uli

  2. ihr zwei lieben, zwischen bügeln und babyschwimmen ein kurzes hallo nach thailand und gute weiterreise – guten flug! bin gespannt wie euch die philippinen gefallen. unser plan-patenkind kam dort her.
    ich drücke euch fest und sage danke für die schönen berichte!
    bald kommt ihr aber wieder heim, oder?
    ich finde ihr seid jetzt lange genug weg!!! ;(
    lg dini

  3. Hello,ihr 2 lieben Thai’s, auch aus FKB die herzlichsten Grüße und ein „Dankeschön“ für die neuen Nachrichten.Ihr seht toll aus !
    Könnt ihr uns vielleicht ein bißchen von der Sonne schicken? Hier ist echtes Aprlwetter, aber wenigstens nicht kalt.
    Seid froh, dass euch die Chinesen nicht so schnell einreisen lassen wollten, sie kämpfen erneut mit gräßlichem Smog.
    Noch etwas: So einen fiesen Taxifahrer lernten wir auch in Ungarn kennen, das kann also jedem passieren, aber man ist erschreckt über die Dreistigkeit!! Wir wünschen euch weiterhin alles Gute und viel Freude und Glück auf eurer Weiterreise und grüßen ganz herzlich, Ma/ Gi + Pa/ Ku.

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