Ölsardinen in der Achterbahn

Als wir im Bus von Luang Nam Tha nach Oudomxai fuhren, wurden wir bezüglich der Qualität laotischer Straßen eines besseren (oder eher schlechteren) belehrt. Wir zuckelten bergauf und bergab über schmale, löcherige und kurvige Straßen und genossen wieder den Ausblick auf die bewaldeten Hügel, die schönen großen Weihnachtssterne und die kleinen, ursprünglichen Dörfer. Wir sahen Kinder, die am Straßenrand spielten oder mit dem Fahrrad in Gruppen von der Schule heimfuhren. Und immer wieder liegen an den Straßenrändern Bündel länglicher Gräser, die von einem herumfahrenden Wagen eingesammelt und aus denen anscheinend Besen gemacht werden. In Oudomxai erwischen wir gerade noch unseren Anschlussbus nach Muang Khua am Nam Ou. Als wir losfuhren war er eigentlich schon rappelvoll. Der Gang wurde noch mit Plastik-Hockern für die „überschüssigen“ Fahrgäste vollgestellt, und hinter dem Fahrer auf dem Boden lagen Kissen und Säcke um auch den ganzen Platz auszunutzen. Uli hatte leider das Pech unsere vierstündige, holprige und kurvige Fahrt auf einem Plastik-Hocker verbringen zu müssen und er litt aufgrund des fehlenden Sitzfleisches besonders. Hierbei sei zu erwähnen, dass wir in den 4 Stunden 94 Kilometer gefahren sind. Obwohl der Bus bei der Abfahrt schon überfüllt war, stiegen immer wieder Leute zu und wundersamerweise tat sich auch immer noch ein Platz für sie auf. Und gerade als wir dachten, jetzt ist der Bus aber wirklich voll, stiegen noch 3 weitere Fahrgäste ein (die dann aber stehen mussten). Hier in Laos scheint ein Bus nie voll zu sein. Am späten Nachmittag erreichten wir Muang Khua und landeten in der wohl ungemütlichsten Absteige (Nam Ou Guesthouse, 4,50 Euro fürs DZ) unserer Reise. Da es nur für eine Nacht war und wir keine Lust hatten wieder hoch in den Ort zu laufen, fanden wir uns mit dem Zimmer ab. Das Essen im angeschlossenen „Restaurant“ mit schönem Flussblick war vielleicht auch das schlechteste, was wir in Asien hatten. Gekrönt wurde das Ganze vom Tee zum Frühstück, bei dem anscheinend ein schon einmal verwendeter Teebeutel genommen wurde – er war ungenießbar (wahrscheinlich haben sie einfach Kamalas Teetasse vom Vorabend wieder aufgeschüttet). Während des Frühstücks beobachteten wir das Treiben am Ufer, die Frauen, die im Fluss ihre Wäsche wuschen und die Kinder, die sich mit  Hahnenkämpfen die Zeit vertrieben. Nach dem Frühstück gingen wir herunter zum Bootsanleger. Die Bootsfahrt auf dem Nam Ou wird in unserem Reiseführer als eines der Highlights Laos beschrieben  und demenentsprechend gespannt und vorfreudig bestiegen wir ein kleines Boot in Richtung Muang Ngoi, wo wir übernachten wollten. Die ersten Stunden der Bootsfahrt haben wir ziemlich gefroren,  obwohl wir warm eingepackt waren. Wir fuhren und fuhren und fielen nach einiger Zeit in eine von Langeweile und Poschmerzen (wieder nur Holzplanken) hervorgerufene Trance, bei der wir beide unabhängig voneinander dachten, dass eine Bootsfahrt auf der Eder ja auch schön ist. Spielende, eifrig winkende Kinder, Wäsche-waschende und Flussalgen-sammelnde Frauen (Flussalgen werden hier zum Kochen verwendet) und Fischer waren die Highlights während der Fahrt und wir waren gedanklich schon auf der Internetseite, auf der wir Flugpreise nachschauen, um möglichst schnell aus Laos wegzukommen. Tiere scheint es hier nicht zu geben, nicht einmal Vögel, da hier stark gewildert wird. Und die Hügel entlang des Flusses waren meist gerodet und mit monotonen Kautschukplantagen und unschönem Sekundärwald bewachsen. Das soll ein Highlight Laos sein? Während der letzten Stunde unserer vierstündigen Fahrt änderte sich die Landschaft jedoch dramatisch und endlich kamen die steilen Karstberge, die noch mit Urwald bewachsen sind, in Sicht. Erleichtert genossen wir die schöne Aussicht vom Boot aus und freuten uns, dass der Wald hier noch in Takt ist und der Reiseführer doch nicht zu viel versprochen hatte. Am frühen Nachmittag gingen wir im 900 Seelen-Dörfchen Muang Ngoi an Land und waren sofort begeistert von seiner idyllischen Lage und der guten Mischung aus Ursprünglichkeit und touristischer Infrastruktur.

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4 Gedanken zu „Ölsardinen in der Achterbahn

  1. Ach, Ihr Lieben, das war ja wieder ein lustiger Artikel. Da kam Mutter’s Schadenfreude voll zum Einsatz ( übler Charakterzug😅😆) Ich stelle mir den armen Ulrich mit seinen langen Beinen und dem dünnen Popöchen auf dem Plasikstuhl vor, wie er ratternd durch die Gegend kutschiert wird… Und dann der leckre Tee und die Reise auf der „Eder“, einfach nur lustig! Gut, daß die Landschaft dann ja doch noch schön wurde, wie die Fotos zeigen! Ganz liebe Grüße senden Euch Holger und Christel ( Küßchen, Küßchen 😘)

  2. Hallo ihr lieben Ölsardinen
    Das war ja wohl recht eng in dem Bus, hat aber den Vorteil, dass man nicht friert. Uli, und dein Pobbes
    wird sich wieder erholen, kannst ja nächstes Mal Christina auf den Schemel setzen. Später werdet ihr sagen: Muss man alles mal mitgemacht haben. Interessant war auch eure Super-Toilette. Da ist es an der frischen Luft sicher hygienischer.
    Gut, dass ihr am Ende der Busfahrt noch mit schöner Natur belohnt wurdet! Sind schon gespannt auf eure nächste Erlebnisse.
    Ganz liebe Grüße und drücken euch ganz fest PaMa/KuGi

  3. Der vollbeladene Bus erinnert uns an eine Busfahrt von 36 Stunden von Accra nach Ouagadougou…. nur waren noch ein paar lebende Hühner (TIERE) dabei!!!!. Das Problem mit dem Popöchen habe ich nicht! 😉 gaaaanz liebe Grüße aus dem verregnetten Meeenz. Genießt die Zeit und schreibt noch viele tolle Berichte!!!!

  4. Hallo ihr Zwei,
    wie schön, dass eure Bootsfahrt doch noch ein entschädigendes Ende gefunden hat !
    Lieber Uli, vielen Dank fürs Aktualisieren der Karte, weiterhin alles Liebe, Birgit

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