Endlich mal wieder „spektakulär“

Muang Ngoi ist ein kleiner, beschaulicher Ort, der sich schon gut auf den Tourismus eingestellt hat. Die Hauptstraße“ (also ein Feldweg) ist sehr gepflegt, doch sobald man von dieser abbiegt wird alles wieder sehr ursprünglich. Und der Ort ist nur mit dem Boot zu erreichen, so dass die großen Touristenschwärme noch ausbleiben. Im Dorf werden auch Bomben aus dem Vietnam-Krieg präsentiert (diese Region wurde heftig bombardiert) und die Einheimischen verwenden sie teilweise auch als Bauteile für ihre Hütten. Wir fanden einen tollen Bungalow im Ning-Ning Guesthouse für nur 7 Euro pro Tag. Nachdem wir uns frisch gemacht (Warmwasser gibt’s nur zwischen 16 und 18 Uhr) hatten, gingen wir hungrig zum schönen Schweden (einer der schönsten Männer, den Christina jemals in Echt gesehen hat) und trafen uns dort mit Kamala und Maja, um einen Happy Hour-Cocktail und ein Hähnchen-Suzy (eine Art Kokosnuss-Suppe mit Gemüse und Hähnchen) mit Reis auf der Terrasse am Fluss zu schlemmen. Da es abends doch recht kalt wurde und Christina trotz langer Unterhose, 2 T-Shirts,  2 Pullovern und einer Decke gefroren hat, beendete die Kälte irgendwann den Abend. Wir kehrten in unseren Bungalow zurück und mussten erstmal nach der Taschenlampe suchen, da es im Dorf nur zwischen 18 und 21.30 Uhr Strom durch Dieselmotoren gibt. Einige Gasthäuser nutzen auch kleine Dynamos, die am Fluss durch die Strömung betrieben werden. Der nächste Morgen wurde schon früh durch das durchdringende, unermüdliche Krähen der vielen Hähne eingeläutet. Auch die Nacht hindurch haben sie immer wieder das ganze Dorf terrorisiert und unter den Touristen sind sie ein beliebtes Gesprächsthema und Inspiration für hinterlistige Mordpläne. Einer davon wohnt auch zwischen unseren Bungalows, besonders gut gefällt es ihm auch genau darunter (Stelzenbungalow), und Christina hat durchaus mehr als einmal eine Morddrohung ausgesprochen. Am nächsten Morgen trafen wir uns mit Kamala und Maja am Frühstücksbüffet, dass an der Straße vor einem Restaurant aufgebaut wird. Es gab Porridge, verschiedenes Obst, Baguette (das allerdings nach verschimmeltem Mehl geschmeckt hat und daher für uns ungenießbar war), frittierte Nudeln, Pfannkuchen mit Schokosoße, Waffeln, Obstsalat mit Joghurt und Müsli, gebackene Bananen, Marmelade und Margarine, Omelette, Spiegeleier, Muffins, Saft, Kaffee und Tee, French Toast, laotische Kokos-Süßigkeiten, frittierten Reis, und noch vieles mehr – und das für nur 2 Euro pro Person, natürlich „all you can eat“.  Leicht überfressen zogen wir los, um ein kleine Wanderung ins Landesinnere zu machen. Während der Wanderung stellten wir entsetzt fest, dass auch hier viele Flächen abgeholzt sind und es auch hier gar keine Tiere gibt. Hier wird anscheinend Alles was kreucht und fleucht erschossen und gegessen. Auch während unserer Wanderung hörten wir einige Gewehrschüsse durch das Tal hallen. Auf hubbeligen Pfaden, die gerade breit genug für einen Roller sind, gelangten wir zu 2 Dörfern, wo es sogar kleine Touristen-Imbisse gab, wo man schön sitzen und etwas trinken oder essen kann.  Da es in Laos (auch Thailand) nicht üblich ist, mit kurzen Hosen (unter knielang) und schulterfreien Oberteilen vor die Tür zu gehen,  musste sich Christina trotz Hitze wieder mal noch ein T-Shirt überwerfen.  Neugierig  schlenderten wir durchs Dorf, wo wieder die schon bekannten auf Stelzen stehenden Holzhäuser, viele Kinder, Hühner, die auch ins Haus rennen, eine kleine Schule (@ Lena und Mika: 1x pro Woche Unterricht) und der Dorfbrunnen zum Duschen zu finden waren. Ein wenig Elektrizität wird auch hier vielleicht für ein, zwei privilegierte Hütten mithilfe eines kleinen „Wasserkraftwerks“ gewonnen, aber generell wird auf kleinen Feuerstellen vor dem Haus gekocht, so dass wir einen geräucherten Minztee hatten.  In der Nachmittagshitze spazierten wir wieder zurück nach Muang Ngoi und überfraßen uns nochmal beim 2-Euro-Abendbüffet. Daraufhin haben wir beschlossen am nächsten Tag zumindest abends wieder a la carte zu bestellen.  In den frühen Morgenstunden – es war noch dunkel draußen – wurden wir durch ein lautes, durchdringendes Getrommel wach, das sich nun mit den Hahnenkonzert vermischte. Wir dachten es wären betrunkene Falangs (das südostasische Wort für Gringo) und uns sehr für unsere Gattung geschämt. Später haben wir erfahren, dass die zwei letzten Mönche im Wat eine buddhistische Zeremonie abhielten und dieses Trommeln regelmäßig vorkommt – Tag wie Nacht. Den Tag verbrachten wir entspannt auf der Terrasse unseres Gasthauses, genossen die Aussicht auf den Fluss und die tollen Berge, beobachteten das Treiben am Fluss und die Dorfbewohner, die sich dort in Tücher gehüllt waschen, lasen und lösten Sudokus. Internet gab es hier natürlich nicht. Außerdem stellten wir fest, dass in Laos extrem viele Franzosen unterwegs sind. Schön hierbei war, dass auch die älteren Franzosen (so in ihren 50ern und 60ern) so wie wir auf eigene Faust durch das Land reisen. Viele Europäer, jung und alt, sind auch zum Radwandern hier. Am darauffolgenden Tag brachen wir nochmal zu einer schönen Wanderung zu einem der abgelegenen Dörfer auf. Leider wurde Uli abends etwas krank und von Durchfall, Übelkeit und leichtem Fieber geplagt, so dass wir nicht wie geplant am nächsten Morgen in Richtung Luang Prabang abreisen konnten. Zum Glück hatte er das Schlimmste innerhalb eines Tages überstanden und unserer Abreise stand nichts mehr im Wege.

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4 Gedanken zu „Endlich mal wieder „spektakulär“

  1. Danke für Euren sehr schönen Reisebericht. Es hat wieder total Spaß gemacht, zu lesen, was Ihr alles erlebt habt, vom tollen Buffet, den schrecklichen Hähnen, den zwei trommelnden Mönchen usw. Schade, daß Uli sich an irgendwas vergiftet hat ( Nudelsuppe??) Die Fotos sind wie immer auch wieder toll! So können wir uns ein bißchen vorstellen, was Ihr so gesehen habt. Aber das ist doch alles sehr fremd! Euch Zweien ganz herzliche Grüße, wo immer Ihr jetzt auch seid! Holger und Christel 💙

  2. Hallo Ihr zwei Weltenbummler. Habe Heute endlich mal wieder Zeit gefunden Eure faszinierenden und immer wieder spannenden Reiseberichte zu lesen. Ihr schreibt so lebendig das ich manch mal auch in Rosenthal eine Vorstellung bekomme was ihr beiden erlebt, dank natürlich auch der wunderbaren Fotos.
    Gerade eben habe ich mir auch die ersten Bilder von Hannah angeschaut(Tochter von Heike) sie ist gestern für ein halbes Jahr nach Gambia ausgeflogen.
    Nun seid ganz herzlichst gegrüßt Eure Liesel

    • Holla, auch wir sind wieder in eurer Fan-Gemeinde. Super, dass ihr zum Schluss eurer Laos – Tour noch einmal Schönes und Interessantes sehen konntet. Strom gab es zwar nur selten, deshalb kein Internet -, aber ein Radio habt ihr bestimmt nicht vermisst , ihr hattet ja Hähnekrähen, trommeln usw. zur Unterhaltung.(wie gemein von mir!) Uli, wie gut, dass dein Magen wieder freundlich zu dir ist, und du , liebes Tinchen, hast dich sicher mal ausgeschlafen.
      Danke für den Bericht und die wie immer tollen Fotos, so lernen wir ein wenig über Land und Leute und freuen uns, wie gut ihr wieder ausseht.
      Wünschen euch noch einen tollen Tag in Bangkok und senden viele liebe Grüsse von hier MaGi/PaKu

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