Eine Ökolodge für uns alleine

Auf Empfehlung eines Amerikaners hin haben wir in der Copalinga Ecolodge nahe Zamora per email angefragt, wie viel die Übernachtung kostet bzw. ob sie möglicherweise bei der Versorgung der Gäste oder bei einem Projekt auf ihrem Gelände unsere Hilfe brauchen und wir so günstiger bei ihnen übernachten können. Die freundliche belgische Besitzerin Catherine hat uns eine „Hütte“ für 32$ pro Nacht angeboten und die Küche der Lodge zur Verfügung gestellt, so dass wir keine teuren Mahlzeiten in der Lodge einnehmen müssen (vielleicht waren sie auch ganz einverstanden damit, für 2 Personen nicht kochen zu müssen). Sie hat uns informiert, dass zurzeit Nebensaison ist und sie keine anderen Gäste haben. Sollten doch noch welche kommen, dann können wir helfen und bekommen die Hütte für 16$ pro Nacht. Für uns klang das gut und wir haben uns erst einmal für 2 Nächte angemeldet. Die Lodge liegt einige Kilometer von Zamora entfernt an einem Feldweg (also nur mit Taxi zu erreichen), so dass wir bepackt mit Essen für 3 Tage und unseren Riesen-Rucksäcken dort ankamen. Wir waren sofort begeistert von der kleinen Anlage. Unsere Hütte ist rustikal und einfach, aber gemütlich und fast schon steril sauber. Sie ist nur aus Holz gebaut und die Fenster besitzen (wie so oft in diesen warmen Gebieten) keine Scheiben, sondern nur Fliegengitter. Auf der kleinen Terrasse gibt es eine Hängematte. Das kleine Gebäude mit Küche uns Esstisch ist  umgeben von Futterstellen für Kolibris und viele andere bunte Vögel, die wir sonst nie zu Gesicht bekommen hätten und die sich hier toll beobachten lassen (Grüße an Vogelfreundin Christel). Hier konnten wir auch mal die Flugkünste der Kolibris bewundern, die pfeilschnell durch die Lücken zwischen den Bäumen hindurchschießen. Als wir abends in unseren Schlafsäcken im Stockbett lagen, war das Wissen mitten im Wald zu sein und den „Lärm“ der ganzen nachtaktiven Tiere und den rauschenden Fluss zu hören schon sehr spannend. Am Tag nach der Ankunft sind wir früh aufgestanden, um im nahe gelegenen Nationalpark Podocarpus wandern zu gehen. Wir haben die Wanderung durch den dichten und üppigen Regenwald wieder sehr genossen und auf halber Strecke auf einer Brücke über einen Fluss gepicknickt. Kennzeichnend für den Park sind wohl die vielen bunten Schmetterlinge, die hier in ganzen Schwärmen unterwegs sind. Geschlaucht von der langen Wanderung und dem steilen Anstieg zu einem Aussichtspunkt haben wir abends noch einen Film auf dem Computer geschaut. Nachdem wir ausgeschlafen hatten, haben wir beschlossen nach Zamora zu fahren, um mit unseren Familien zu skypen. Wir haben nämlich etwas Heimweh. Glücklicherweise konnte Catherine uns mitnehmen, so dass wir uns die Taxifahrt sparen konnten. Leider fiel irgendwann während wir im Internet-Cafe waren der Strom aus, so dass Uli seine Eltern und Schwester gar nicht mehr sprechen konnte. Na toll. Den Nachmittag haben wir mit einer kleinen Wanderung durch den Dschungel der Copalinga-Lodge und in der Hängematte verbracht, abends gings ans Blog-Berichte schreiben. Wir haben uns dafür entschieden den Nachtbus um 23 Uhr nach Peru zu nehmen. Catherine hat uns angeboten, dass Zimmer nicht wie üblich mittags verlassen zu müssen, sondern uns die Hütte noch für den ganzen Tag überlassen. Wir hatten somit noch einen Tag mehr in dieser schönen Umgebung, haben Vögel beobachtet, gelesen, Bilder bearbeitet, konnten noch kochen (wir hatten wie immer zu viel Lebensmittel gekauft), duschen und Brote schmieren vor unserer Nachtfahrt.

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Fahrt nach Cuenca!

Nach etwa 6-stündiger Busfahrt, bei der das Dachfenster trotz Kälte offen war und wieder keiner den Busbegleiter (also den zweiten Mann an Bord, der das Geld von den zugestiegenen Fahrgästen einsammelt und aufpasst, dass keiner aus den während der Fahrt offenen Türen fällt) gebeten hat, es zu schließen, erreichten wir Cuenca. Von der Fahrt und auch von den Wurm-Tabletten waren wir ziemlich müde und wollten schnell ein gescheites Hostel finden. Wie es der Zufall so wollte, war es gar nicht so einfach und wir haben einige Zeit gesucht, bis wir etwas Gemütliches und preislich akzeptables gefunden haben. Vor lauter Unlust zur Unterkunftssuche haben wir sogar in einem ziemlich schick aussehenden Hotel gefragt, dass dann aber das 5-fache von dem Kosten sollte, was wir ausgeben wollten. War aber lustig, wie wir uns vergammelt und mit den großen Rucksäcken durch die Tür gequetscht haben. Abends haben wir noch an den Fliegende-Händler-Straßengrills leckere Hähnchen-Spieße gemampftund Uli einen Shawarma, den es hier in jedem zweiten Lokal gab. In diesem Zusammenhang möchten wir mal ein für uns (die ja in der Marktwirtschaft groß geworden sind) überraschendes Phänomen schildern: hier gibt es das Massen-Ballungs-Phänomen. Man kommt in einen Ort oder Stadtteil und plötzlich gibt es unzählige Läden in einer Straße, die dasselbe verkaufen. Man sieht tagelang keinen Jeans-Laden, und dann alle auf einmal in einem Ort. Dann gab es in Riobamba Drachen. Die haben wir dort das erste und letzte Mal gesehen, dafür gab es 10 Läden direkt aneinander. InBanos waren es Stände mit Zuckerrohrprodukten, bestimmt 15 Stück in einer Reihe. In Guayaquil gab es ein Frisör-Viertel und ein Eisenwarenladen-Viertel. Und in Cuenca gab es eben Shawarma – in einer Straße bestimmt 7 Läden. Woanders haben wir noch nie Shawarma gesehen. Sehr komisches Phänomen. Anschließend waren wir noch kurz im Supermarkt, damit wir was Gescheites fürs Frühstück haben (d.h. meistens die günstige und gesunde Kombination aus Bananen mit Milch und Haferflocken (Gruß an Maik und Irina)). Am nächsten Tag haben wir Cuenca erkundet, was die mit Abstand schönste Stadt Ecuadors ist. Das Zentrum ist UNESCO-Weltkulturerbe und es gibt noch viel schönere Gebäude und Straßenzüge als in Quito. Wir waren total begeistert von dem Städtchen. Gleichzeitig ist es ruhiger und die Luft besser(an Papa/Kurt: hier gibt es übrigens ein Continental-Werk). Vormittags schlenderten wir zu Fuß durch die Stadt, anschließend kauften wir Lebensmittel auf dem Markt für die kommenden Mahlzeiten ein.  Am Nachmittag haben wir eine Bustour (mit diesen Touristen-Doppeldecker-Bussen) durch die Stadt gemacht, was sich hier auf jeden Fall gelohnt hat. Am folgenden Tag sind wir mit Carmen, Lea und ihrem 4-jährigen Sohn Aurel, die alle aus der Schweiz stammen und ebenfalls mit dem Bus von Ecuador nach Chile unterwegs sind, auf einen Markt in einem kleinen Ort in der Nähe Cuencas gefahren. Generell waren wir überrascht davon, hier in Ecuador relativ viele Familien mit Kindern aus Europa anzutreffen. Der Markt war eher enttäuschend, aber die Landschaft während der Busfahrt und die Gesellschaft der drei war dafür umso schöner. Den Rest des Tages haben wir im Hostel verbracht, mit anderen Reisenden gequatscht und den Peru-Reiseführer gewälzt.

Lach net – Amöben lachen auch net

Nachdem wir in Banos immer noch keinen aktiven Vulkan gesehen hatten, haben wir beschlossen nach Riobamba zu fahren, um von dort aus den Sangay Nationalpark zu besuchen. Wir wollten dort ein bisschen wandern und einen Blick auf den Sangay erhaschen, einen der aktivsten Vulkane der Welt. Wir sind im Hotel Shyris abgestiegen (8 $ p.P.), das zwar unheimlich veraltete Zimmer hat, die aber ruhig und sauber sind. Außerdem waren die Besitzer auch sehr freundlich.  Nachmittags haben wir uns durch Riobamba gefuttert: Zuerst gab es hornado, Schweinefleisch vom ganzen Schwein, am Markt. Immer noch hungrig haben wir  uns dann noch ein Pizzahörnchen gegönnt, das ist eine zum Hörnchen gerollte Mini-Pizza (ist hier anscheinend in Mode). Zum Nachtisch sind wir zum ersten Mal auf dieser Reise in die Eisdiele gegangen und hatten so ein richtiges 3-Gänge-Menü. Da wir an diesem Tag keine teuren Unternehmungen hatten, konnten wir uns das mal gönnen. Am nächsten Morgen wollten wir dann den Bus zum Sangay-Nationalpark nehmen, der laut Lonely Planet 1x pro Stunde fahren sollte. An der Bushaltestelle mussten wir dann aber von den anderen Busfahrern erfahren, dass es nur noch einen Bus am Mittag gibt. Da die Busfahrt aber 1,5 Stunden dauert und somit alles zu spät geworden wäre, haben wir spontan beschlossen, uns um unsere leichten, aber seit einer Woche anhaltenden Verdauungsprobleme zu kümmern. Wir haben eine Stuhlprobe abgebeben, deren Entnahme einige Herausforderungen mit sich brachte. Während wir auf die Wirkung des Abführmittels warteten, haben wir einen Plan geschmiedet, wie wir das Problem mit dem fehlenden Flachspüler und dem Mini-Stuhldöschen lösen könnten. Ein  halber Stadtplan pro Person war die Lösung des technischen Problems, weitere Details ersparen wir euch. Der Stuhluntersucher stellte fest, dass wir Amöben (Darmparasiten) haben. Der Herr Doktor hat uns dann eine Medikamentenkombination verschrieben, die gegen Amöben und Würmer wirkt und die wir brav genommen und gut vertragen haben. Aufgrund des Wurmmedikaments und eines so häufig passierenden, übereiligen Recherchefehlers im Internet dachten wir auch erst tatsächlich, dass wir Würmer haben und fanden es ziemlich widerlich. Diese Würmchen wären dann nämlich über unsere Haut in uns gekommen und über das Blut weiter in Gehirn, Darm und Lunge. Wir hatten schon Würmer-Husten nur bei dem Gedanken daran. Christina hat die Parasiten-Sache ja noch mit Humor genommen, Uli fand das alles gar nicht zum Lachen. Daher auch der Titel dieses Beitrags. Zum Glück stellte sich unsere Annahme mit den Würmern dann als falsch heraus (1000 Dank an Steve!) und gegen ein paar Amöben ist ja nix einzuwenden. So hatten wir wenigstens ein paar genügsame Mitreisende für einige Tage gefunden. Ansonsten war Riobamba trotz seiner Bedeutung für den Tourismus (man kann von hier auch gut den Chimborazo, Ecuadors höchsten Berg besuchen), unerwartet unspektakulär und wir sind dann am Folgetag weiter nach Cuenca gefahren.

Baños – ein ecuadorianisches Feriendorf

Von Guayaquil aus sind wir wieder relativ weit nach Norden nach Baños gefahren. Baños liegt in den Anden auf etwa 1800m Höhe, aber es ist schon relativ grün dort. Wir hatten schon oft gehört, dass es dort sehr schön sein soll, ein Feriendorf mit allem drum und dran haben wir allerdings nicht erwartet. Es gibt alles, was das Touristenherz begehrt. Der Ort liegt an einem aktiven Vulkan, der auch mehrmals die Woche Rauch ausspuckt (wenn er nicht gerade in den Wolken ist), es gibt aufgrund der vulkanischen Aktivität mehrere heiße Bäder in verschiedenen Temperaturen und an den schönen steilen Berghängen gibt es einen Wasserfall. Baños ist aufgrund des Tourismus sehr aufgeräumt und ordentlich und liegt an einem Fluss, der eine senkrechte Kante in den Boden gewaschen hat, an der direkt Häuser stehen und auch wieder Wasserfälle in den Fluss stürzen (s. Foto). Man kann wandern, Rad fahren, reiten, raften, bergsteiten, Puenting machen (sowas wie Bungee springen) und Touren in den Amazonas buchen oder in einen der beiden nahe gelegenen Nationalparks machen oder buchen. Mit dem Fahrrad kann man auch die Straße Richtung Puyo entlang zahlreicher Wasserfälle hinunterfahren. Viele Ecuadorianer scheinen hier Urlaub oder einen Ausflug hin zu machen. Der Nachteil an solchen Orten ist, dass sie relativ unauthentisch wirken, da jedes zweite Gebäude (Hotel, Restaurant, Massagepraxis…) nur deshalb existiert, weil es Touristen gibt. Der Vorteil ist, dass die Leute dort an Gäste gewöhnt sind, alles sehr sicher und gepflegt ist und es jede Menge touristische Annehmlichkeiten gibt. So gibt es auch unzählige Unterkünfte in allen Preisklassen. Wir haben auch wieder ein supertolles Hostel gefunden (Hostal Chiminea, 9,50 p.P) und uns so wohl gefühlt, dass wir gleich 4 Nächte geblieben sind. Unser Zimmer war gemütlich (sogar mit Grünpflanzen!) und groß, wir hatten einen eigenen Balkon, eine Küche und Essraum auf dem Dach mit supertoller Aussicht und einen Pool. Im Hostel selbst gab es gegen entsprechende Bezahlung auch Massage, Dampfbad und einen Whirlpool. Der Waschservice hat auch nur 1$ pro kg gekostet und die Besitzer und Angestellten waren sehr freundlich und hilfsbereit und haben uns Geschichten vom letzten heftigen Ausbruch des Vulkans im Jahr 1999 erzählt, bei der sie das Dorf für 3 Monate verlassen mussten. Am Tag der Ankunft haben wir eigentlich nur noch Lebensmittel gekauft, gekocht und uns abends eine Massage gegönnt, da unsere Rückenmuskulatur das Rucksacktragen nicht so gut findet. Die Massage war zwar entspannend, aber qualitativ nicht zu vergleichen mit der guten Thai-Massage in Mainz. Am folgenden Tag sind waren wir wandern. Wir sind zum Aussichtspunkt gestiegen, von dem man einen guten Ausblick auf den Vulkan mit der schneebedeckten Spitze hat. Trotz geduldigen Wartens von über 1,5 Stunden ist er leider nicht freigezogen und wir sind etwas betrübt wieder abgestiegen. Wir hätten sooo gerne mal einen rauchenden Vulkan gesehen. Am nächsten Morgen wollten wir zusammen mit einem österreichischen Pärchen die „Straße der Wasserfälle“ mit dem Fahrrad ins Tal fahren. Leider hat es zu sehr geregnet, so dass Uli und ich beschlossen haben in eines der heißen Bäder zu gehen. Da ist man ja sowieso nass, da macht es nix wenn es regnet. Es gab 3 kleine Becken mit verschiedenen Temperaturen: eisekalt, heiß und sehr heiß. Das warme Wasser hat sehr gut getan, aber man konnte es in keinem der 3 Becken lange aushalten, da es entweder zu heiß oder zu kalt wurde. So sind wir immer von einem zum anderen Becken gewandert. Da das Bad nur 3-4 Minuten von unserem Hostel entfernt war und wir zu faul waren um uns in den kleinen, siffigen Umkleidekabinen umzuziehen, sind wir nur mit Schuhen und umgewickeltem Handtuch bekleidet durch den Regen zum Hostel gegangen. Da wir aber so durchgewärmt waren vom heißen Wasser, war uns gar nicht kalt. Ausnahmsweise haben wir mal verstanden, warum wir dumm angeschaut werden. Als das Wetter nachmittags besser wurde, sind wir noch auf einen Aussichtspunkt gestiegen in der Hoffnung, nun doch noch den Vulkan zu sehen. Leider blieb es uns auch diesmal verwehrt. Den Rest des Tages haben wir im Hostel vergammelt, mit anderen Reisenden verquatscht und gekocht.  Am nächsten Tag wollten wir im nahegelegenen Nationalpark wandern. Das Wetter sah allerdings nicht so vielversprechend aus und als wir schon im Bus Richtung Park waren fing es auch noch an zu regnen, so dass wir den Ausflug abgebrochen haben und ein bisschen  durch den Ort geschlendert sind. Hier haben wir wieder die für uns recht lustigen Vulkan-Warn-Schilder bewundert (s. Fotos). Mittags wurde das Wetter dann etwas besser und wir haben uns auf der Dachterrasse beim Rauschen des Wasserfalls (s. Foto) entspannt und schon mal in den Reiseführer für Peru geschaut. Am späten Nachmittag haben wir noch kurz überlegt, ob wir nochmal irgendwo hochsteigen sollen, um auf den Vulkan blicken zu können, dachten aber dass er bestimmt doch in den Wolken ist. Nachher haben wir erzählt bekommen, dass er tatsächlich freigezogen war und auch noch geraucht hat. Toll, wieder verpasst. Nach einigen Überlegungen, ob wir noch einen Tag bleiben und versuchen sollen den Vulkan zu sehen, haben wir uns dazu entschieden doch zu fahren, zumal das Wetter sich nicht bessern sollte. Wir hoffen, auf unserer Reise irgendwo anders nochmal einen rauchenden Vulkan zu sehen.

Guayaquil – ein kontrastreiches Erlebnis

Auf dem Weg von der Pazifikküste zurück ins Hochland der Anden legten wir einen Zwischenstopp in Guayaquil, der größten Stadt Ecuadors , ein. Der Busbahnhof von Guayaquil hat in etwa die Größe eines kleinen Flughafens und wir mussten uns erst einmal zurechtfinden und wie immer nach den langen Fahrten mussten wir den Toiletten einen dringenden Besuch abstatten. Ausnahmsweise sind wir mit dem Taxi in die Innenstadt gefahren und haben den Fahrer aus Sicherheitsgründen belogen. Wir haben dem Taxifahrer erzählt, dass wir einen ecuadorianischen Freund besuchen, der in Deutschland studiert hat. Wäre uns auf der Taxifahrt etwas komisch vorgekommen, hätten wir einfach so tun können als würden wir unseren fiktiven Freund anrufen um den Taxifahrer zu verunsichern. Ob die Strategie funktioniert hätte bleibt dahin gestellt – ist aber ein Travellertip! Wir waren mit unserer Auswahl des Hotels sehr zufrieden, sodass wir zwei Nächte im Hotel Suites Madrid geblieben sind. Da das Hotel nicht ganz billig ist, haben wir Frühstück und Abendessen an dem winzigen Tisch im Hotelzimmer zu uns genommen (s. Foto – Bananen, Toast und Thunfisch). Am Nachmittag haben wir unter anderem noch einen Stadtspaziergang gemacht. Wir liefen durch stinkige laute und uneinladende Bereiche der Stadt aber auch über die topsanierte (schon fast hochsterile) und ruhige Uferpromenade Malecon 2000 bis auf den Aussichtspunkt am Hügel Santa Ana. Die beiden letztgenannten Stadtbereiche sind sicher die saubersten Orte in ganz Ecuador. Dennoch hat sich Uli in Guayaquil sehr unwohl und unsicher gefühlt. Warum auch immer?? Am nächsten Tag sind wir in ein Privatreservat Cerro Blanco mit einem der letzten tropischen Trockenwälder Ecuadors gefahren. Trotzdem uns der Hotelrezeptionist keine Auskunft zum Abfahrtsort unseres Busses geben konnte/wollte und uns gesagt hat, dass der Bus, den wir nehmen wollen gar nicht da lang fährt wo wir hin wollen (wir nehmen an, er wollte die Taxiprovision kassieren), haben wir uns nicht beirren lassen und es geschafft die „Bushaltestelle“ zu finden (hierbei ist ja zu sagen, dass es innerhalb der Stadt keine offiziellen Haltestellen oder Schilder gibt), indem wir den Lonely Planet-Reiseführer und die Einheimischen „befragt“ haben. Im Privatreservat angekommen hat man uns gesagt, dass die Buchung eines Guides obligatorisch ist. So mussten wir 15 $ bezahlen und sind als einzige Gäste zusammen mit einem Biologie-Studenten durch den Wald gelaufen. Als besonders hilfreich beim Tiere sichten hat er sich nicht erwiesen, aber er war sehr freundlich, sympathisch und geduldig – da er nämlich kein Englisch spricht, haben wir ausschließlich Spanisch gesprochen. Für uns war das eine gute Übung. Der Wald an sich war wesentlich unspektakulärer als der Regenwald in Costa Rica und Tiere haben wir kaum gesehen. Der Kontrast zum costaricanischen Regenwald war aber sehr interessant,  und das Highlight war eine Affenfamilie, die oben in den Baumkronen hauste. Ansonsten scheint es in diesem Wald nur Spinnen (man musste aufpassen nicht dauernd in die riesigen Netze zu laufen), Schmetterlinge und Eidechsen zu geben. Abends hatten wir das schon unten beschriebene Erlebnis mit der Pizza und haben daraus gelernt: kaufe nichts, was du nicht vorher genau mit deinen eigenen Augen begutachtet hast. Von El Nino lassen wir uns erstmal nicht mehr beeindrucken. Die Einheimischen hier sind schließlich auch wenig beeindruckt…

Oh nein….El Nino?

Wir haben heute durch Zufall mitbekommen, dass dieses Jahr ein El Nino Jahr werden soll! Das ist ja eine Katastrophe!  Könnt ihr uns da auf dem laufenden halten, falls ihr was hört? Außerdem haben wir gerade eine Familienpizza für 17 Dollar bestellt, weil wir so Lust auf Pizza hatten. 17 $ sind schon ganz schön teuer, aber wir dachten es ist ja für uns beide und vielleicht reicht sie noch für morgen für die Busfahrt…. A…lecken. Die Pizza war so groß wie bei uns eine große Pizza und hat nicht mal für heut abend gereicht. Dabei sind ecuadorianische Familien doch so groß. Kein schöner Tag heute.

Galapagos für Arme – Wale, Vögel und Fische an einem Tag

Nach vielen Stunden auf holprigen ecuadorianischen Pisten (sogar eine Einheimische übergab sich, aber wir haben es ohne Brechtütchen geschafft) sind wir endlich in Puerto Lopez am Pazifik angekommen. Hier haben wir eine Tour zum Wale beobachten, auf die Isla de la Plata und zum Schnorcheln gebucht. Nach dem Buchen waren wir sehr stolz auf uns, da wir uns nicht beirren lassen haben von Aussagen wie „wir müssen jetzt schnell buchen, die Plätze sind alle voll“ oder „ für 35 $ bietet dass hier keine Agentur an“ und uns beim Handeln zum ersten Mal richtig durchgesetzt haben. So haben wir statt 40 $ p.P. nur 35 bezahlt. Das nächste Ziel ist nun, sich auf dem Markt nicht immer übers Ohr hauen zu lassen und nahezu Einheimischen-Preise zu bezahlen. Am nächsten Morgen haben wir zusammen mit 16 anderen Personen haben wir unser Boot bestiegen und sind in Richtung der Insel gefahren. Auf dem Weg haben wir aus der Ferne unzählige Wale gesehen, und natürlich sind wir auch an eine Gruppe herangefahren und haben angehalten um sie zu beobachten. Diese großen Tiere beim Schwimmen und springen zu beobachten war ein tolles Erlebnis, und manchmal sind sie richtig aus dem Wasser herausgesprungen. Dann konnte man ihre komplette Größe für einige Sekunden bestaunen, bevor sie mit einem lauten Klatschen wieder ins Wasser eintauchten.  Christina, die noch nie Wale gesehen hat, war noch beeindruckter als erwartet und hatte Pipi in den Augen. Am Strand der Isla de la Plata haben wir noch kurz bei Fischerbooten angehalten, die Fisch-Reste ins Wasser warfen und so viele Pelikane und Schildkröten um sich scharten. Mit unserer Gruppe und dem Guide wanderten wir anschließend über die Isla de la Plata, ein Paradies für Vogelliebhaber (Gruß an Christel: Tölpel heißt auf Englisch Boobie). Hier haben wir Fregatt –Vögel, Nazca-Tölpel und Blaufuss-Tölpel gesehen. Letztere sind total niedlich und haben wirklich ganz blaue Füsse. Das tollste an den Tieren hier ist, dass sie Menschen nicht als Feinde ansehen und man sich direkt neben sie stellen und unterhalten kann, ohne dass sie weglaufen. Im Gegenteil, ein Blaufuss-Tölpel-Paar war so interessiert an uns, dass sie uns hinterherliefen. Auch die Fregatt-Vögel beim Brüten und Fliegen zu beobachten war toll, da es schöne, große Vögel sind. Bedenklich ist vielleicht, dass sich doch ziemlich viele Touristen auf diese Tour begeben. Aber zum Glück lag unserem Guide sehr viel daran, dass wir den Tieren nicht zu nahe kommen und sie sich nicht gestört von uns fühlen. Anschließend ging es zum Schnorcheln an der Küste der Insel, wo wir blaue Seesterne, Moränen, große Fische und Fischschwärme beobachten konnten. Hier gab es viel größere Fische als in Panama, dafür konnten wir kaum Korallen sehen. Da Luft- und Wassertemperatur hier viel niedriger sind und wir hier auch keinen Neoprenanzug hatten, waren wir auch nur etwa 15 min im Wasser. Auf dem Rückweg zum Festland haben wir nochmal zur Walbeobachtung angehalten. Der Tag war wieder wunderbar, weil wir die Natur in vollen Zügen genießen konnten und der Ausflug war jeden Cent wert (liebe Reisekumpanen, fahrt hierher!). Der Abend wurde durch ein Erlebnis der besonderen Art unterhalten. Unsere Hostalbesitzerin ist eine sehr gläubige Frau, wie wir schon an ihren Bibelkreisen gemerkt haben. Sie veranstaltet aber auch Privatgottesdienste mit Lautsprechern von der Dachterrasse und unterhält damit das ganze Viertel. So wurden wir mit ihren „Predigten“ und schiefen Gesang beschallt. Hin und wieder hörten wir matten Applaus. Getoppt wurde diese Angelegenheit von dem zweiten „Prediger“, der sich wie ein Extremist einer anderen Religion klang. Er schrie die ganze Straße zusammen und seine Stimme überschlug sich. Nach ungefähr 1,5 Stunden hatte der Spuk ein Ende. Den darauffolgenden Tag haben wir zum Gammelltag erkoren, d.h. wir haben nichts groß gemacht als einkaufen zu gehen, zu kochen, Wäsche von der Wäscherei zu holen, emails und Blogberichte zu schreiben. Man kann ja nicht jeden Tag ein Highlight haben und außerdem braucht man auch mal Zeit, um das Erlebte auf sich wirken zu lassen. Ein tolles Erlebnis hatten wir doch: Wir sind morgens gegen 8 Uhr zum Strand gegangen, um Fisch fürs Abendessen direkt von den Fischern zu kaufen. Zu unserer Überraschung fanden wir nicht nur Fischer und ihre Boote vor, sondern auch noch überdachte Garküchen direkt am Strand, wo der Fisch frisch zubereitet wird und viele Leute verschiedenste Fischgerichte frühstückten. Spontan beschlossen wir uns dazu zusetzten und auch mal Fisch mit Reis zu frühstücken.  Es war toll zwischen den ganzen Einheimischen (natürlich wieder als einzige Ausländer) zu essen, und der Fisch war wirklich weltklasse (Gruß an Maik). Mittags gingen wir kurz zum Strand und da wir kein Trinkwasser mehr hatten, haben wir die von Unterwegs.biz gesponsortenNalgene Flaschen und den Steripen benutzt, um aus Leitungswasser Trinkwasser zu machen (s. Foto). Auch der Fisch mit Kochbanane und Kartoffeln zum Abendessen waren ein Genuss.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Nach einem katastrophalen Reisetag, der schon mit einem nicht-anspringenden Wecker begann und an dem nix so richtig klappen wollte, erreichten wir entnervt das Hostal Cabanas in Quilotoa auf 3800 m Höhe. Immerhin war die Busfahrt wunderschön und wir haben aus der Ferne den ersten qualmenden Vulkan gesehen. Das Hotel­ war ja eigentlich ganz nett und auf jeden Fall eines der Besten hier, aber für 15 $ pro Person einfach zu teuer. Es war sowohl im Zimmer als auch im Aufenthalts-/Essraum so kalt, dass man den Atem sehen konnte. Und das versprochene warme Wasser in der Dusche war auch nicht warm, so dass das Duschen ausfiel. Der Tag endete also so wie er angefangen hatte. Zwei schöne Momente brachte der Tag doch: Da wir Geld sparen und nicht die teuren Mahlzeiten mitbezahlen wollten, haben wir gefragt, ob wir die Küche des kleinen Hotels mitbenutzen dürfen. Wir durften, und konnten so zusammen mit der Familie, die das Hotel betreibt, kochen und ihnen beim Quichua sprechen zu hören. Da sie auch (wie alle Andenbewohner in dieser Höhe/Region) ihre traditionelle Kleidung trugen, wurde dies für uns zu einem sehr authentischen Erlebnis. Abends, als wir aufgrund der Temperaturen schon unter der warmen Decke lagen (woanders hätte man sich wirklich nicht aufhalten können), wurde noch der Holzofen in unserem Zimmer angefeuert. Der Geruch von frisch verbranntem Holz und das Knistern waren ganz gemütlich, nur leider  war das Feuer nach etwa 2 Stunden schon wieder abgebrannt. Dieser bek(n)ackte Tag wurde dafür von einem absoluten Highlight-Tag abgelöst, an dem wir wieder viele wunderbare Dinge erlebt haben und der ohne Planung wie am Schnürchen lief.
Nach der kalten Nacht im Hotel und einem heißen Haferschleim mit Banane zum Frühstück haben wir unsere Tagesrucksäcke gepackt um an der Lagune Quilotoa wandern zu gehen. Der erste Blick über den Kraterrand (die Lagune wird von einem Bilderbuch Vulkankrater gebildet, s. Foto) war atemberaubend! Das einige hundert Meter unter uns liegende Wasser in der Lagune hat eine grünliche Färbung und die Berge der Kraters sind unterschiedlich gefärbt (grün mit Moos und Pflanzen bewachsen bis schroff und steinig). Den Wanderweg, der größtenteils auf dem Kraterrand verlief, war weitestgehend  zu überblicken und hatte auch einige ganz ordentliche Anstiege. Zunächst führte er zwischen einigen duftenden Pinien hindurch (oder irgendwas was danach roch), was an Urlaub am Mittelmeer erinnerte. Rechts von uns hatten wir tolle Blicke ins Tal mit den kleinen Hütten und Feldern. Die dominierenden Farben sind hier grün-braune Töne und die Landschaft ist karg. Hin und wieder schauten auch einige höhere Berge aus den Wolken, aber leider konnten wir beispielsweise den Cotopaxi aufgrund des nicht so tollen Wetters nicht sehen. Der Pfad führte ständig auf und ab und manchmal wichen wir etwas davon ab, um bei dem heftigen Wind nicht über die Kante gepustet zu werden. Teilweise konnte man gar nicht mehr atmen, weil der Wind einem so ins Gesicht geblasen hat. Der höchste Punkt des Weges muss mindestens auf 4200 m gewesen sein. Unterwegs trafen wir immer wieder Einheimische in ihrer schicken Tracht, die unter anderem ihre Tiere und Felder an der Bergflanke versorgt haben. Unter anderem trafen wir die beiden Kinder auf dem Foto, die schon viel von den „Großen“ gelernt haben. Uli hat sie gefragt, ob er ein Foto von ihnen machen darauf, woraufhin sie gefragt haben, ob wir bezahlen. Wir haben uns dann auf 25 Cent geeinigt, aber Uli hat ihnen 50 gegeben. Da war das Strahlen groß. Da wir uns sehr beeilt haben, weil wir mittags noch weiterfahren wollten, haben wir die Runde in 5 Stunden geschafft, worüber wir selbst überrascht waren. Mittlerweile sind wir wohl auch an die Höhe gewöhnt. Wir hatten beschlossen bis zum nächsten Ort zu trampen, da laut der Hotelbesitzer kein Bus mehr fährt und der Privatbus 6 $ p.P kostet (für ca 25 min Fahrt!). Gerade als wir auf die Straße traten, kam dann doch ein Bus angefahren. Wir konnten unser Glück gar nicht fassen, weil wir eigentlich keine Lust hatten am kalten Po der Welt auf irgendeiner Pickup-Ladefläche mitzufahren oder auf Touristen zu warten, die noch Platz für uns zwei und unsere Rucksäcke haben. Auf den Anschlussbus mussten wir auch nur kurz warten und nun folgte die bisher spektakulärste Busfahrt unserer Reise. Wir sind innerhalb von 2 Stunden von 4000 m auf etwa 150 m gefahren. Es ging tatsächlich über kurvige Straßen nur bergab. Man konnte hierbei toll beobachten, wie sich Vegetation, Behausungen und Kleidung der Menschen änderte. Die Vegetation wechselte von braun zu grün und die Pflanzen wurden immer höher, bis wir schließlich wieder durch richtigen Urwald fuhren. Je tiefer man kam, desto zivilisierter, aber auch schäbiger wurden die Häuser und Orte und die Menschen trugen keine Tracht mehr. Wir sind auch durch 2 Wolkenschichten gefahren, obwohl wir am Startpunkt in Zumbahua noch eine über uns hatten. Faszinierend. Gegen Ende der Fahrt, kurz vor Quevedo, waren wir wieder in der Bananenrepuplik „Dole“ angekommen und die Landschaft war weniger reizvoll. Quevedo selbst hat auf uns sehr abschreckend gewirkt, aber wahrscheinlich ist es einfach eine ecuadorianische Durchschnittsstadt, wo Touristen niemals länger bleiben. Wir haben uns ein einfaches, Straßenlärm-durchflutetes Zimmer am Busterminal genommen, um am nächsten Morgen früh weiterfahren zu können.