Mondfahrt nach Chile

Nach einer sehr fiesen Nachtfahrt über einige der 95% nicht-geteerten Straßen Boliviens in einem Bus mit unbequemen Sitzen und einer Temperatur von bestimmt unter 10 °C (aber uns wurde versichert, dass der Bus Heizung hat) kamen wir morgens gerädert in Uyuni an. Uyuni hat nicht viel zu bieten außer Staub und rationiertes Wasser und wir haben den Tag entspannt. Am nächsten Morgen ging es los nach San Pedro de Atacama in Chile. Aber nicht einfach so, sondern während einer 3-tägigen Jeeptour über den Salar de Uyuni und den südlichen Altiplano. Auch hier hatten wir vor der Tour sehr hohe Erwartungen, da diese Tour für viele Leute das Highlight ihrer Südamerika-Reise war. Zusammen mit 2 Iren und 2 Französinnen, mit denen wir uns supergut verstanden haben, und unserem wortkargen Fahrer Alfredo besuchten wir zunächst den Eisenbahnfriedhof nahe Uyuni, dessen Züge und Loks leider mit Schriftzügen beschmiert waren. Bald erreichten wir den unendlich großen Salar de Uyuni – er ist der größte Salzsee der Welt und etwa 5x so groß wie das Saarland. Wir waren völlig verzaubert von der Fremdheit und der Unwirklichkeit dieser Landschaft, die so einzigartig ist. Mitten im schneeweißen Salzsee, dessen Salzablagerung bis zu 30 m dick ist, befindet sich eine „Insel“ aus Fels mit riesengroßen Kakteen, von der man eine tolle Aussicht auf die weiße Fläche und die weit in der Ferne liegenden Berge hat. Toll waren auch die vielen gleichmäßigen, festen hexagonalen Strukturen des Salzes, die vom Jeepdach am besten zu sehen waren. Am späten Nachmittag erreichten wir unsere erste Unterkunft in San Juan: ein Hotel aus Salz. Die Wände bestanden zum allergrößten Teil aus Salzblöcken, die wie Backsteine aufeinander geschichtet wurden und „Salzmörtel“ zusammengehalten werden. Und der komplette Boden ist mit Salz ausgestreut. Ein würziges Hotel… Leider gab es kein Gas mehr und die von der Agentur versprochene (einzige) Dusche musste ausfallen. Am nächsten Morgen aßen wir unser trauriges Frühstück und fuhren über Sand-, Schotter- und Steinpisten auf völlig unwegsamem Gelände durch die unwirkliche Landschaft des Altiplanos. In der Regel fuhren wir durch weitläufige Ebenen auf einer Höhe zwischen 4000m und 5000m ü.M., die von teilweise schneebedeckten Bergen und perfekt geformten Stratovulkanen flankiert werden. Faszinierend war hierbei, wie Grobheit und Farben des Sandes und der Berge ständig abrupt wechselten. Wir konnten uns vorher gar nicht vorstellen, wie vielfältig Stein sein kann. Unterwegs sahen wir viele Vicuñas (so was wie Alpakas) hielten wir an Lagunen mit Flamingos an, die aufgrund von gelösten Mineralien und Algen unterschiedlichste Farben hatten. Diese Lagunen sind von solcher unwirklichen Schönheit, dass das für Uli bis dahin unmögliche geschehen ist – die geliebte und gelobte Schönheit Islands wurde übertroffen. Am Mittag bekamen wir übrigens tolles Mittagessen mit dem besten Hähnchenfleisch seit Reisebeginn, was wir auch noch mit Ausblick auf die Lagune genießen konnten. Am Nachmittag hielten wir an Felsen an, die perfekt zum Bouldern waren. Die Griffe waren superissimo, es gab Routen in allen Schwierigkeiten und der Boden sandig-weich. Wir hätten dort den ganzen Tag verbringen können – leider hatten wir nur etwa 30 Minuten. Der versteinerte Baum, den es dort noch zu sehen gab, war völlig uninterssant. Abends erreichten wir unsere sehr einfache Unterkunft im Naturschutzgebiet „Eduardo Avaroa“ auf 4500m, wo es nachts bitterkalt wurde. Zum Glück hatten wir viele Decken und einen Schlafsack und die Nacht wurde trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, der Höhe und 6er-Schlafraum überraschend gut. Am dritten Tag unserer Tour hieß es früh aufstehen. Wir frühstückten um 5 Uhr, wobei uns fast die Hände abfielen vor Kälte. Als erstes erreichten wir ein geothermal aktives Gebiet, wo wir die Fumarolen, Geysire und schwefelhaltigen Dampfwolken in der Morgensonne bewundern konnten. Kurz darauf erreichten wir ein „Thermalbad“, also ein einfach gemauertes Becken mit warmem Wasser. Das kam uns gerade Recht, so dreckig und durchgefroren wie wir waren. Unsere Fahrt führte uns anschließend wieder durch unwirkliche Stein- und Sandlandschaften vorbei an Bergen in verschiedensten Farben und schönen Vulkanen, bis wir mittags den Endpunkt der Tour, einen Grenzposten mitten in der Wüste, erreichten. Hier stiegen wir in den Bus nach San Pedro de Atacama in Chile um.

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Bo-bo-bo-li-li-li-via-via-via!!!!

In La Paz hat es uns wieder in das gemütliche „Arthys Guesthouse“ verschlagen, wo wir auf 3 deutsche Pärchen getroffen sind. Mit ihnen haben wir uns natürlich total verquatscht und dann von ihnen erfahren, dass sie am nächsten Tag zum Qualifikationsspiel für die WM 2014 in Brasilien Bolivien-Uruguay ins Stadion gehen. Endlich mal Kultur nach unserem Geschmack! Wir haben uns dann spontan dazu entschlossen noch einen Tag länger zu bleiben und uns das Spiel anzuschauen. Das Stadion war trotz Wochentag relativ voll und die Stimmung war von Anfang an super. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass die Handvoll Urugay-Fans nicht ins Gewicht fielen und alle sozusagen in ein Horn geblasen haben. Leider hatten die Spieler der beiden Mannschaften keine Namen auf den T-Shirts, so dass wir nicht wussten ob wir irgendjemanden davon wenigstens vom Namen her kennen. Nur Diego Forlan hat Christina erkannt….;-) Bier gibt es hier übrigens nicht im Stadion, dafür Hunderte (gefühlte Tausende) von Verkäufern mit Bauchläden, die Salchipapas (frittierte Würstchenscheiben mit Pommes, des Latinos Bratwurst im Brötchen), Getränke, belegte Brote, Eis und Schirmmützen verkaufen. Wider Erwarten ging Bolivien bereits nach 7 Minuten in Führung und spätestens beim 3:0 tobte das Stadion. La Ola-Wellen gingen durch die Reihen und immer wieder hallten die Bo-Bo-Bo-Li-Li-Li-Via-Via-Via- Viva Bolivia-Rufe durch das Stadion. Bolivien war generell die bessere Mannschaft, sie hatten noch einige gute Torchancen und der Spieler mit der Nummer 13 war echt super (müssen mal herausfinden, wie der heißt). Das Urugayer Gegentor war dann nur noch Schadensbegrenzung. Negativ fiel uns ein Herr ein paar Reihen hinter uns auf, der einen schwarzen Spieler Uruguays nach einem Foul als schwarzen Sklaven beschimpft hat. Christina war kurz davor ihm zu sagen er soll den Mund halten. Besonders befremdlich war die Tatsache, dass der Herr eindeutig indigen war und die Indigenen Lateinamerikas jahrhundertelang unter Diskriminierung gelitten haben und dies sicherlich heute auch noch tun. Traurig stellten wir fest, dass Menschen anscheinend unverbesserlich sind.  Alles in allem hatten wir einen supertollen, spannenden Fußball-Nachmittag und würden gerne noch mehr Spiele besuchen. Wir haben schon im Spielplan geschaut, ob wir in Santiago vielleicht auf ein Spiel gehen können, aber leider gibt es anscheinend dieses Jahr keine Qualifikationsspiele mehr. Am Folgetag haben wir dann nur noch ein paar Sachen erledigt und den Nachtbus von La Paz nach Uyuni genommen.

Pampas: Im Reich der Tiere

Nachdem wir uns 2 Tage lang in Rurre entspannt hatten, sind wir zu einer 3-Tages-Tour in die Pampas gefahren. Zunächst fuhren wir mit einem ahlen Toyota Landcruiser 3 Stunden lang in brütender Hitze über Staub-Schlagloch-Pisten zum Ausgangspunkt der Tour. Der Jeep an sich ist schon erwähnenswert: Er war uralt. Die Kilometeranzeige ist bei knapp 500.000 stehen geblieben und keine der Anzeigen funktionierte noch. Und wenn man das Fenster hochkurbeln wollte, um den Staubwolken anderer Autos zu entgehen, dann musste man erst einmal die Kurbel im Auto suchen und wieder aufstecken. War schon lustig, aber er fährt ja noch…. Anschließend begann die Tour, bei der wir zunächst 3 Stunden lang auf dem Rio Yacumi zu unserer Unterkunft gefahren sind. Wir hatten einen superguten Guide und haben gaaanz viele Tiere gesehen, unter anderem Kaimane, Wasserschweine (Capybaras, die größten Nager des Amazonas), Reiher und Pagageien, einen Tucan, ein Faultier, Schildkröten, Brüllaffen, Kapuzineraffen, Schmetterlinge….. Wir haben uns gefühlt wie im Zoo ohne Käfig. Wir hatten wieder in bisschen mehr Geld in die Hand genommen und eine Ökolodge (Indigena Tours) gebucht, die bei ihren Touren mehr auf die Umwelt achtet und mehr Abstand zu den Tieren hält. Die Lodge war leider schon etwas älter und keinesfalls vergleichbar (aber auch deutlich billiger) mit der Dschungel-Lodge, aber die Unterkunft ist ja im Grunde nicht so wichtig. Christina war nur sehr enttäuscht, dass das Abwasser der Duschen einfach in den Boden sickert. So gelangt die Seife auf kurzem Wege in den Fluss. Bei einer Ökolodge hatten wir schon erwartet, dass sie das Problem irgendwie gelöst haben. Am zweiten Tag der Tour ging es auf Schlangensuche, wobei Christina sich dazu entschieden hat nicht mitzugehen. Sie konnte keine Motivation dazu aufbringen, 3 Stunden lang bei 40 °C in der prallen Sonne nach Schlangen zu suchen, die sie eh nicht mag. Sie hat sich am Ufer vor der Lodge entspannt und das Tierleben am Fluss beobachtet, während der Rest der Gruppe versuchte, Schlangen zu finden. Leider waren sie nicht erfolgreich und sie konnten weder Anakondas noch Korallenschlangen oder Kobras finden. Da haben sich alle umsonst abgequält. Nachmittags sind wir dann Fischen gegangen, genauer gesagt zum Piranha-Fischen. Das war gar nicht so einfach, da die kleinen Biester ganz schön geschickt sind und sie es in der Regel geschafft haben, das auf den Angelhaken gespießte Fleisch vom Haken abzufressen. Ein Paar Piranhas haben wir doch gefangen (zugegebenermaßen waren nur die Männer der Gruppe erfolgreich) und wir konnten uns mal die Zähnchen genauer angucken. Das war schon spannend. Zum Glück hat uns keiner gebissen….Unser Guide hat uns nämlich seine Bissnarbe gezeigt. Am dritten Tag sind wir zunächst früh aufgestanden um den Sonnenaufgang in der Pampas zu bewundern. Wunderschön, wie ihr auf dem Foto sehen könnt. Nach dem Frühstück sind wir nochmals mit dem Boot losgefahren, um rosa Flussdelfine zu beobachten. Wir hatten auch bald welche gefunden, nur leider wurden diese Delfine von allen Tourgruppen gefunden und im Fluss auf- und abgescheucht. Wir waren unserem Guide sehr dankbar, dass er einfach an einer Stelle geblieben ist und den Motor abgestellt hat und wir gewartet haben bis sie wieder in unsere Richtung kamen. Am Mittag fuhren wir dann wieder in gleißender Sonne und fast unerträglicher Hitze zurück zu dem Punkt, wo uns der Jeep abgeholt hat. Die Bootsfahrt war eher eine Qual und fürs Tiere beobachten hatten wir nicht so viel Muße. Dann gings wieder in besagtem Jeep über besagte Straße, deren Schlaglöcher noch schlimmer waren als 3 Tage zuvor, zurück nach Rurre. Unterwegs mussten wir sogar mal anhalten um von der holperigen Fahrt in der Hitze eine Pause zu machen. Abends versuchten wir noch einen Flug zurück nach La Paz zu kriegen und waren enttäuscht, dass alles ausgebucht war und wir erst 3 Tage später fliegen konnten. Wir waren aber so klug Namen und Hotel zu hinterlassen, so dass uns Bescheid gesagt werden konnte, falls jemand abspringt. Haahaaa, und wie das hier so ist in Lateinamerika: wir konnten dann doch noch 2 Tage vor unserem eigentlichen Flugtermin fliegen! Innerhalb von einer Stunde haben wir unsere Sachen gepackt und sind mit dem Motorrad (Mototaxi, Taxis als Autos gibt es hier nicht und die Busse fuhren nicht, da es kein Benzin gab) zum Flughafen gefahren worden. Sehr aufregend, so ohne Helm und in kurzer Hose. Mal davon abgesehen, dass unsere riesengroßen Rucksäcke auf dem Lenker lagen und wir uns nicht sicher waren, ob der Fahrer überhaupt etwas sehen uns richtig lenken kann… Die Propeller unserer Maschine sind auch problemlos angesprungen – welch Glück – und eine knappe Stunde später sind wir wieder in La Paz gelandet.

Amazonas: grüner Himmel, grüne Hölle

Kurz nach der Ankunft am La Pazer Flughafen stellten wir fest, dass es Probleme mit unserem Flug gibt. Prima. Willkommen in Bolivien. Auf Nachfrage am Schalter wurde uns mitgeteilt, dass einige Flüge vorher (es fliegen mehrere Maschinen pro Tag) wegen Wetterproblemen in Rurrenabaque nicht fliegen konnten, wir wahrscheinlich am nächsten Morgen um 6.15 Uhr fliegen würden und jetzt ersteinmal die Leute fliegen dürfen, deren Flüge nicht starten konnten. Wir wurden gebeten im Wartebereich Platz zu nehmen oder morgen wiederzukommen. Während Uli schon am Kollern war, hielt Christina an ihrem in der Wissenschaft erworbenen unerschütterlichen Optimismus fest. Zusammen mit einem Engländer warteten wir also brav und beobachteten, wie unsere Chancen zu Fliegen immer niedriger wurden, da der freundliche Schalterbeamte gerne 100 Bolivianos-Scheine entgegen nahm, um den Herrschaften, die es besonders eilig hatten, doch noch einen Platz in „unserem“ Flugzeug zu geben. Die Bestechung vom Engländer hat er komischerweise nicht annehmen wollen.  Irgendwann wurde sich auch um uns gekümmert und mitgeteilt, dass noch zwei Plätze im Flieger frei seien. Der junge Engländer hat uns netterweise bereitwillig die beiden Plätze überlassen, so dass wir mit etwas Verspätung doch noch am selben Tag fliegen konnten. Jippiee, wieder mal hat alles wider Erwarten doch noch geklappt. Dann kamen noch die nachlässigen „Sicherheitskontrollen“, die bei jeder Busfahrt in Peru gründlicher ausfallen. Als wir auf das Rollfeld traten waren wir nicht wenig überrascht, als ein Mini-Flugzeug mit Propellern vor uns stand. Wir hatten doch eine kleine Düsenmaschine erwartet. Oh je, dann waren wir doch etwas aufgeregt bei der Vorstellung, in der kleinen Möhre mit 19 Sitzplätzen durch die Anden in den Amazonas zu fliegen. Wir legten tatsächlich eine recht lange Strecke auf der Startbahn zurück bevor wir endlich abhoben und unser „Bergab-Flug“ von 4200 m auf 150 m über dem Meeresspiegel losging. Ruckelnd flogen wir zunächst über die Vororte von La Paz, bis unser Blick aus dem Fenster (das leider total beschlagen war) die atemberaubende Aussicht auf den Huayna Potosi freigab, ein schneebedeckter 6000er der Anden, mit dessen Gipfel wir ziemlich auf Augenhöhe waren. Bald hatten wir wohl die Anden überquert und unter uns befanden sich nur noch Wolken. Nach wackeligen 40 Minuten hatten wir irgendwann leider nur noch Wolken unter uns. Nach nur etwa 40 min Flug tauchte die Landebahn Rurrenabaque unter uns auf und uns fiel es wie Schuppen von den Augen: „Scheiße, wir landen auf einem Feldweg!“. Aufgrund des Windes lag das Flugzeugchen unruhig in der Luft und als es auf der Piste aufschlug hielten wir (zumindest die Touristen im Flugzeug) wohl alle die Luft an. Schön, Abenteuer Fliegen. Unser Gepäck bekamen wir nicht sofort, da das gesamte Personal damit beschäftigt war den einen Propeller des Flugzeugs, mit dem wir gerade angekommen waren und das direkt wieder nach La Paz fliegen sollte, wieder anzuschmeissen. Irgendwann sprang er dann auch an – wie beruhigend – und wir beobachteten dann mit noch gemischteren Gefühlen den Abflug. Aber wie immer hat auch das funktioniert (wir gehen jetzt mal davon aus, dass es heile in La Paz angekommen ist). Von Rurre waren wir eher enttäuscht, zumal es im Lonely Planet als entspanntes Fleckchen beschrieben wird. Der Ort wird geplagt von lauten Motorradschwärmen. Hier fährt man natürlich- für deutsche Umstände unverantwortlich- ohne Helmj….und das natürlich mit Frau und den beiden kleinen Kindern. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was hier alles auf ein Motorrad passt. Hier in Rurre ist Alles für Touristen ausgelegt, d.h. jedes zweite Gebäude ist eine Tour-Agentur oder ein für hiesige Verhältnisse sauteures Restaurant. Mit Schnäppchen wird das hier wohl nix. Am ersten Tag in Rurre haben wir versucht unseren Klimaschock zu überwinden und haben eine 3 Tagestour in eine Ökolodge im Madidi-Nationalpark gebucht. Wir haben uns die Lodge „Berraco del Madidi“ ausgesucht, wo der Tag pro Person 80 US$ kostet, aber egal. Nach dem Chaos im stickigen, lauten Rurre haben wir uns noch mehr auf den Ausflug gefreut. Morgens um 8 Uhr begann unsere Reise in den Nationalpark. Wir und noch ein Vietnamese (der jetzt in Australien wohnt) fuhren zunächst 6 Stunden lang (laut Guide etwa 270 km) im Motorboot die Flüsse Beni und Tuichi hoch, bis wir die Lodge erreichten. Unterwegs konnten wir die sagenhafte Landschaft genießen und haben mehrmals schöne, bunte Aras im Vorbeifliegen gesehen. Die Lodge selbst hat uns supergut gefallen und alle Erwartungen erfüllt. Es war gemütlich, sauber, die Leute waren alle sehr freundlich, das essen reichlich und gut und Uli konnte endlich mal wieder so viel essen wie er wollte. Und das Allerbeste war natürlich die Umgebung: um uns herum nur Regenwald!!! Keine fiesen Motorräder,  keine laute Musik, kein stinkiges Pipi, einfach nur wunderschöne Natur! Nach unserer Ankunft hatten wir kurz Zeit uns mit Keksen und Kaffee vollzustopfen und sind dann mit unserem Guide und dem Vietnamesen zu einer 3-stündigen Wanderung aufgebrochen. Wir haben zahlreiche Vögel (unter anderem auch das Tropenhühnchen), Affen, viele viele Spinnen (Birgit, dass wäre hier doch mal ein attraktives Ausflugsziel um etwas gegen die Phobie zu tun) und Insekten gesehen. Nachdem wir gleich auf den ersten 5 Metern einen hochgiftigen Tausendfüßler gesehen hatten, ist Christina geduckt und auf Zehenspitzen durch den Dschungel getappt, um möglichst wenig zu berühren. Aber es war einfach spitze. Abends sind wir früh ins Bett gegangen, weil wir uns auf der 6-stündigen Bootsfahrt beide die Mandeln verkühlt und daher Halsschmerzen hatten. Beim Einschlafen lauschten wir gespannt den Dschungel-Geräuschen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie laut es hier ist. Teilweise ist es so laut (vor allem wegen der Zikaden), dass man sich schon fast die Ohren zuhalten möchte, aber interessanterweise stört uns diese Art von Lärm nicht im Geringsten. Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 6 Uhr und wir standen bei Brüllaffengeschrei auf. Leider schmerzte unser Hals sehr und Uli hatte sogar erhöhte Temperatur,  aber wir haben uns von der Dschungelwanderung nicht abbringen lassen und konnten wieder einige Tiere sehen, u.a. so was wie Wildschweine. Nach dem Mittagessen zusammen mit unserem vietnamesisch-australischen Mitgast, der zu unsrer Belustigung immer ganz viel gerülpst, gepupst und geschmatzt hat, haben wir Siesta gemacht und den Nachmittag in der Hängematte verschlafen. Wir waren ziemlich kaputt aber auch total entspannt, so dass uns der Dschungellärm in den Schlaf gewiegt hat. Nach dem Abendessen haben wir noch eine ziemlich spannende Nachtwanderung gemacht und konnten eine Schlange und viele Spinnen sehen. Wir waren ziemlich froh, als wir ohne Biss wieder aus dem Wald raus waren. Am nächsten Morgen sind wir um 4 Uhr aufgestanden, da wir zu einer Plattform laufen wollten, von der aus man Tiere beim morgendlichen Fressen beobachten kann. Da der Vietnamese-Australier meinte sich keinen Wecker stellen zu brauchen, sondern sich von uns wecken zu lassen, nachdem wir schon 15 Minuten auf ihn gewartet hatten, war er ziemlich in Ungnade gefallen und hatte mit uns für den Rest des Tages nix mehr zu lachen. Leider haben wir gar nicht viele Tiere gesehen, da sie wohl woanders fressen wollten. Vielleicht haben wir sie auch verscheucht, da Trockenzeit und somit leises Gehen auf dem Laub damit fast unmöglich ist. Und für unseren schläfrigen Mitbegleiter, der anscheinend in der Stadt groß geworden ist, war es ein Ding der Unmöglichkeit sich leise Fortzubewegen. Unser Aufenthalt endete mit einem Mittagessen, bei dem wir Tränen gelacht haben. Uli hat das Fleisch nicht so geschmeckt und es auf dem Teller gelassen. Irgendwann fiel Christina auf, dass das Stück Fleisch verschwunden ist und gefragt, wo es abgeblieben sei. Nach einigem Rumdrucksen seitens Uli sagte er, dass er es wieder zurück zum Buffet gelegt habe. Häää? Man kann doch nicht einfach ein angefressenes Stück Fleisch wieder zurück zum Buffet legen?! Uli erklärte, dass die hygienischen Bedingungen hier in Lateinamerika doch eh ein Witz sind und dass die Angestellten doch bestimmt noch das zu essen bekommen, was wir übrig lassen und das Stück Fleisch daher doch zu schade sei zum Wegwerfen. Ist es nicht schön, wie er immer an alle denkt?
Uli konnte auch eine lebende, fette und weiße Made probieren, die ihr Dasein bis dahin in einer Dschungel-Kokosnuss gefristet hatte. Beim draufbeißen war die Made ganz weich und matschig und das Innere war ölig und nussig. Guten Apettit! Am frühen Nachmittag kam dann schon der Moment des Abschieds. Wir wären gerne länger geblieben, aber leider war die Unterkunft für die Folgetage ausgebucht. Nach 4-stündiger Bootsfahrt kamen wir wieder in Rurre an. Am Ende der Fahrt hatte unser vietnamesischer Mitreisende Halsschmerzen. Und wir werden jetzt einen Tag Pause machen und unsere fiesen Ameisenbisse und Stiche versorgen. Aber keine Sorge- Malaria und andere durch Mücken übertragbare Krankheiten gibt es hier nicht.

Unser höchster echter Burger der Welt in La Paz

In unserem Klapperbus – wir hatten einen ordentlichen Touribus bezahlt und Klapperbus bekommen – fuhren wir nach La Paz. Auf dem Weg mussten wir und unser Bus auch den Titicacasee auf einem Boot überqueren. Zwischendurch haben wir uns ausgemalt, was nun passiert wenn die Floß-ähnliche Bus-Fähre samt Bus und unseren Rucksäcken absäuft…-ist aber alles gut gegangen, so wie das hier in Lateinamerika üblich ist. Man denkt hier als Gringo so oft „Das kann doch nicht gutgehen“, aber irgendwie funktioniert dann doch (fast) immer alles. Manchmal sogar schneller als bei uns – weil unbürokratisch und pragmatisch. Den ersten Eindruck von La Paz vom Bus aus bekommt man von oben, sobald man im Vorort El Alto über die Kuppe und in das Tal von La Paz fährt. Direkt hinter der Stadt ragen wieder die schneebedeckten 6000er auf und überall schaute uns Che Guevara entgegen – als Statue, Graffiti oder als Aufdruck. Wir hatten den Guten schon vermisst… in Peru war er nicht so allgegenwärtig wie in den anderen Ländern. Der Vorort selbst war eher ein Armenviertel: dreckig, chaotisch und schäbig. Während wir so im Verkehrschaos zwischen den Bussen durchfuhren bewunderten wir die „Kühlerfiguren“ der alten Dodge-Busse. Wir sahen Hunde, Pferde, Schwäne und… ein Hakenkreuz?! Warum sich hier jemand ein Hakenkreuz aufs Auto schraubt blieb uns ein Rätsel. Vielleicht liegt da eine kleine Verwechslung mit einem Mercedes-Stern vor? Sieht ja fast genauso aus und die Assoziation mit Deutschland ist ja bei beidem gegeben. A propos Hakenkreuz und so (wir haben das Wort Hakenkreuz jetzt ganz schön oft verwendet; ob sich der Geheimdienst jetzt unsere Seite mal  anschaut? Vielleicht sollten wir noch das Wort „Terrorist“ beifügen. Hallo an die Polizisten!): Es ist schön hier in Lateinamerika nicht das „Buuh“-Land zu sein wie in Europa. Die Leute hier finden Deutschland prima und wahrscheinlich ist hier eher Spanien das „Buuh“-Land. Nun weiter zu La Paz: Wir hatten uns glücklicherweise ein Hostel in der Nähe des Busterminals, so dass wir zum Hostel laufen konnten. Mit Arthy’s Guesthouse hatten wir uns ein nettes Hostel ausgesucht. Für Bolivien zwar recht teuer, aber man hatte alles was das Herz begehrt. Saubere Zimmer und Gemeinschaftsduschen, nettes Personal, eine hygienische und toll ausgestattete Küche und relativ schnelles Internet. Außerdem gab es einen Föhn und eine Mikrowelle, das hatten wir bisher noch nie. Es war ganz schön komisch sie zu benutzen – so vertraut und doch so ungewohnt. La Paz haben wir am folgenden Tag erkundet. Die Stadt war überraschend angenehm. Es war natürlich chaotisch wie immer und es gab auffällig viele bettelnde Menschen, die wir zu unserem Erstaunen bisher in den anderen Ländern kaum gesehen hatten, aber sonst unterscheidet sich La Paz vom „Wohlfühlfaktor“ nicht von den anderen Städten, in denen wir bisher waren. Wir waren recht überrascht zu hören, dass wir uns auch nach Einbruch der Dunkelheit im Zentrum frei bewegen können und die Hauptgefahr Taschendiebe sind. Damit können wir gut leben. Wir haben den ganzen Tag damit verbracht uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen, die uns interessieren. Zwischendurch haben wir uns daran erfreut, mal wieder von Menschen umgeben zu sein, die nach Parfum riechen. Das ist auch schon eine Weile her und in den engen Bussen ist man auch häufig von Leuten umgeben, bei denen, wie Uli sagen würde, man riecht, dass sie in der Landwirtschaft arbeiten (@ Haina: Grenzreiter). Das kulinarische Highlight des Tages (oder eher des Monats) war der Besuch bei Burger King. Endlich mal wieder was „Normales“ essen. Uli war ganz aufgeregt. Wenn man bestellt, weiß man was man bekommen wird (böse Überraschung fast ausgeschlossen) und es war frisches Gemüse drauf! Rohes Gemüse hatten wir seit unserem Besuch bei dem Amerikaner Mac in Nordperu nicht mehr (wegen der Infektionsgefahr). Und die Pommes waren knusprig. Spitze! Wir haben geschlemmt wie die Großen und zum Nachtisch gab es noch ein Softeis! Mmmhhh. Am Nachmittag sind wir auch noch beim Frisör reingesprungen und Uli hat sich mit skeptisch – angsterfülltem Gesicht die Haare schneiden lassen, während Christina gehässig lachend daneben stand. Ist aber gut geworden, und auch gar nicht viel kürzer. Am folgenden Tag haben wir unsere Sachen gepackt und sind mittags zum La Pazer Flughafen gefahren, um nach Rurrenabaque im Amazonas zu fliegen.  Der Flughafen von La Paz befindet sich auf 4100 m und ist der höchste internationale Flughafen der Welt. Da die Luft hier so dünn ist brauchen die Flugzeuge eine doppelt so lange Startbahn wie auf Meereshöhe. Wir sind gespannt…

Und der Titicaca-See ist doch schön

Puno am Titicacasee ist keine schöne Stadt. Schon als wir über die Bergkuppe kamen und Blick auf Puno und den See hatten waren wir enttäuscht. Das sollte das berühmte Puno am Titicacasee sein? Auch die Hostelsuche gestaltete sich schwierig. Entweder waren die Hostels überteuert/zu teuer für uns oder einfach nur schrecklich ungemütlich und schäbig. Auf der Straße hat uns dann zum Glück ein älterer Herr aufgegabelt und uns an ein Gasthaus seines Freundes verwiesen. Damit hatten wir dann endlich Glück: Hostal Margarita sieht auf den ersten Blick zwar nicht sehr einladend aus, aber für 50 Soles (19US$) bekommt man ein sauberes, ruhiges Zimmer mit Fenster und Internet, mit einfachem Frühstück, heißem Wasser und Fernseher. Da Puno unsere Entdeckungslust nicht wirklich weckte (wir konnten uns nicht mal dazu aufraffen die berühmten Schilfinseln im Titicacasee zu besuchen), wir aber trotzdem 4 Nächte dort geblieben sind, haben wir viel Zeit mit Skypen und den Simpsons und Futurama verbracht. Wir sprechen wahrscheinlich bald Spanisch mit Homer Simpson-Akzent. Anschließend sind wir weiter nach Copacabana in Bolivien gefahren. Die Fahrt entlang des Titicacasees war wunderschön und es ist unglaublich, wie groß der See ist. Manchmal sieht man bis zum Horizont nur Wasser, und manchmal schneebedeckte Berge. Der Grenzübertritt selbst war erschreckend einfach. Die bolivianischen Polizisten schienen sich gar nicht dafür zu interessieren, wer da in ihr Land will. Keine Fragen, nix. Einfach nur Stempel in den Pass und Adios. Direkt nach der Grenze war sofort zu spüren, dass wir in einem anderen Land sind, da die Straße nach Copacabana zunächst nicht geteert war. Auch in Copacabana gestaltete sich die Suche nach einer Unterkunft als schwierig. Wir hatten erwartet, dass es hier billigere Unterkünfte gibt als in Peru, da uns alle Leute schon erzählt hatten, dass es in Bolivien so viel billiger ist als in Peru. Tatsächlich gibt es auch billigere Unterkünfte, aber der Wohlfühlfaktor geht hier gegen null – schäbig, stinkig, ungemütlich. Am Ende haben wir uns für ein sauberes gemütliches Gasthaus mit Seeblick entschieden, was dann auch dementsprechend teurer war, also so viel wie in Peru gekostet hat. Leider hielt die heiße Dusche nicht was sie versprach und auf 3800 m abends mit kaltem Wasser zu duschen ist echt fies. Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich zum Wandern auf die Isla del Sol im Titicacasee fahren. Unser Boot auf die Insel hatten wir aber leider verpasst, da wir es verpeilt hatten nach dem Grenzübertritt die Uhr eine Stunde vorzustellen. Somit sind wir zu einem auf einem Hügel nahe Copacabana gelegenen Prä-Inka-Sterne-Observatorium gestiegen, von wo aus wir auch eine tolle Aussicht auf den Titicaca-See hatten. Unterwegs haben wir einige der netten Steinblöcke beklettert, um mal wieder die Armmuskeln zu betätigen. Oben auf dem Berg angekommen haben wir uns ein bequemes Plätzchen gesucht und stundenlang den See angeschaut und Hörbuch gehört (danke an Anja und Nils für die guten Stieg Larsson-Hörbücher). Am nächsten Morgen haben wir dann endlich das Boot auf die Isla del Sol genommen. An der Nordseite haben wir Rahel und Jonathan wiedergetroffen, die wir zwei Tage zuvor in Copacabana kennengelernt hatten. Wir sind zusammen zu den Ruinen im Norden der Insel gelaufen und anschließend über den Bergkamm auf die Südseite. Die Sonne hat gnadenlos auf unsere schicken Hüte gebrannt und wir hatten eine spektakuläre Aussicht auf den See und die weißen Berge der Cordillera Real am Horizont. Überraschend war, wie „klein“ die 6000er der Cordillera Real aussehen, da wir selbst ja schon auf 4000 m waren. Wo wir in Puno noch an der Schönheit des Titicacasees gezweifelt haben, war uns spätestens jetzt klar, warum er so ein beliebtes Reiseziel ist. Am späten Nachmittag hatten wir das Dorf auf der Südseite der Insel erreicht und uns ein Zimmer in wohl einem der teuersten Hotels genommen. Wir hatten eine supergute Aussicht auf den See, nur leider war die versprochene heiße Dusche hier auch nicht heiß. Brrrr. Daran müssen wir uns hier in Bolivien vielleicht gewöhnen. Generell gibt es hier einige Dinge, die anders sind als in den bisher bereisten Ländern. Man muss in Hostels um Klopapier, Handtücher und Seife verhandeln. Die Menschen haben häufig kaum noch Zähnchen im Mund und sind teilweise recht brummelig. Auch die Häuser und Ortschaften wirken viel Ärmer als in den anderen Ländern. Einem werden noch offensichtlicher Sachen verkauft oder versprochen, die dann nicht eingehalten werden. So haben wir beispielsweise beim Mittagessen den Nachtisch und Salat gegen eine Fanta „getauscht“ und nach dem Essen sollten wir die Fanta dann doch bezahlen, obwohl wir weder Salat, noch Nachtisch und wenn man es genau nimmt nicht mal den bestellten Burger bekommen haben (es war eine fiese Frikadelle). Wir sind dann einfach mal gegangen ohne die Fanta zu bezahlen. Man wird halt irgendwann „Verarschungs-resistent“. Genauso werden mehr Bustickets verkauft als es Plätze gibt und wer als letztes am Bus vor der Abfahrt ankommt, der muss halt im billigen Klapperbus mitfahren, der eigentlich viel weniger kostet. Beschwerden interessieren hier keinen. In den Restaurants kann man zwar billiger essen, aber das was man dann für das wenige Geld vorgesetzt bekommt ist kaum essbar. So schmeckt das Grillhähnchen hier so wie es auf dem Markt riecht, und dass ist wirklich nicht lecker (Kötzchen-erregend). Wir sind dann wohl in einem 3. Welt-Land angekommen. Da wir schon seit Tagen mit dem Essen ins Klo gegriffen hatten und recht frustriert waren, haben wir uns auf der Isla del Sol endlich die langersehnte Riesenpizza gegönnt und wurden zum Glück nicht enttäuscht. Jippiee, endlich konnten wir uns mal wieder satt essen, und die Pizza war seeehr lecker. Nach dem Essen sind wir noch auf einen kleinen Hügel gestiegen, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Im Westen konnten wir die Sonne über den Bergen verschwinden sehen, während wir gleichzeitig im Osten einen hervorragenden Blick auf die „Nevados“ der Cordillera Blanca hatten (s. Fotos). Am nächsten Morgen haben wir uns auf ein Boot einer deutschen Reisegruppe zurück nach Copacabana „geschnorrt“, das 1,5 Stunden früher abfuhr als das öffentliche Boot. Wir haben einfach gefragt, ob sie noch 2 Plätze für uns frei haben und wir hatten Glück. So konnten wir den Bus am Mittag nach La Paz noch problemlos erreichen. Uli war vor der Abfahrt nach La Paz sehr aufgeregt,  da ihm die Vorstellung einer großen, stickigen, hässlichen, chaotischen, gefährlichen Stadt im Kopf herumgeisterte.