Alle Wege führen nach Bangkok

In den frühen Morgenstunden erreichten wir nach unserer Nachtfahrt das nördliche Busterminal Bangkoks. Es war unglaublich zu sehen welchen Treiben schon um diese Uhrzeit dort herrscht. Massenweise Busse kamen gleichzeitig an und es gab an der Einfahrt zum Terminal sogar einen Stau. Überall standen Leute herum, die die Busse eingewiesen haben. Anschließend versuchten wir ein Taxi zu bekommen. Am „Taxistand“, also einem Bereich wo ein Taxi am anderen auf 4 Spuren einfährt, herrschte großer Andrang. Jeder versuchte eines der Taxen zu erwischen und es herrscht ein ziemliches Durcheinander. Eine Schlange gab es nicht und nachdem wir schon einige Zeit versucht hatten ein Taxi zu bekommen, entschieden wir, dass wir nun härter durchgreifen müssen. Wir teilten uns auf und gingen entschlossen auf die Taxis zu. Leider hatten die Taxifahrer auch noch bestimmte Zielwünsche (am liebsten zum Flughafen) oder wollten uns nur zu weit überhöhten Preisen zu unserem Hotel fahren. Nach einigen Fehlversuchen erbarmte sich ein Taxifahrer und fuhr uns zur Shanti-Lodge, wo wir schon vor einigen Wochen mal gewohnt hatten. Den Großteil des Tages verbrachten wir auf dem riesengroßen Wochenendmarkt, wo man allerlei Krimskrams, Kleidung, Souvenirs und Haushaltsartikel kaufen kann. Wir haben versucht ein Damast-Messer, die es dort günstig geben soll, zu kaufen, haben aber irgendwann müde aufgegeben. Dieser Markt ist einfach zu unübersichtlich und groß. Da wir Internet im Zimmer hatten haben wir abends mal wieder Tatort geschaut und sind früh ins Bett gegangen, da wir ziemlich müde von der Nachtfahrt waren. Am darauffolgenden Tag sind wir mit dem Taxi-Boot den Fluss herunter gefahren, um Bangkok vom Wasser aus anzuschauen. Danach fuhren wir mit dem Skytrain, einer Art Hochbahn, mit guter Aussicht von oben auf die Stadt zwischen den Hochhäusern hindurch zum Siam Square, dem Zentrum Bangkoks. Hier sind wir durch ein Einkaufszentrum gestreift, haben ein paar Souvenirs gekauft und sind ins Kino gegangen. Die Werbung vor Filmbeginn war noch länger als in Deutschland und wurde von einem kurzen „Propagandafilm“ zu Ehren des Königs, der bei seinen volksnahen Taten gezeigt wird und mit heroischer Musik unterlegt war, unterbrochen. Während dieser Vorführung standen auch alle Thailänder auf und sahen sich andächtig den Film an. Wir sind lieber auch einfach mal mit aufgestanden – zu Ehren des Königs. Der Film namens Parker war recht unterhaltsam, aber kein Highlight. Abends aßen wir noch gut im Restaurant der Shanti-Lodge, wohlwissend, dass es unser letztes Abendessen unserer Reise ist. Den Abend verbrachten wir mit Packen, da wir am nächsten Morgen um 5 Uhr abgeholt und zum Flughafen gefahren wurden.

Werbeanzeigen

Schräger Skulpturenpark

Den gesamten Tag verbrachten wir im Schüttel-Bus, da wir für die 380 km nach Vientiane 11 Stunden brauchten. Bus fahren grenzt hier wirklich an eine sportliche Leistung, da alle Muskeln zum Stabilisieren des Körpers benötigt werden. Würde man wegen Turbulenzen im Flugzeug so in seinem Sitz herumgeworfen werden, dann müsste man sich anschnallen.  Abends kamen wir also in Vientinane an und nahmen uns ein Zimmer für 17 Euro im echt gemütlichen Souphanaphone Guesthouse. Wir hatten sogar einen Duschvorhang! Unser Aufenthalt in Vientiane war kurz und wir haben nur einen kurzen Spaziergang zum Mekong und durch unser Viertel gemacht.  Das Flussbett des Mekong war halb leer und ansonsten scheint Vientiane eine ruhige, kleine Hauptstadt mit ein paar Kolonial-Holzhäusern zu sein. Mittags fuhren wir dann über die Freundschaftsbrücke über den Mekong nach Nong Khai, wo wir im  Mut Mee Guesthouse landeten.  Hier bekamen wir ein nettes Zimmer mit Gemeinschaftsbad für knapp 10 Euro. Besonders toll war das schöne Gartenrestaurant am Mekong mit leckerem Essen und freundlichem Personal, wo wir dann den Rest des Tages verbracht haben und unter anderem Christinas neuen Lieblingsnachtisch, nämlich Mango mit Klebreis, gegessen haben. Hierbei wird Klebreis mit Palmzucker und Kokosmilch verrührt und über die hier stets reifen, äußerst leckeren Mangos wird noch eine süße Kokossoße, die auch leicht salzig ist, gegossen. Ein Traum! Wir haben euch auch noch nicht berichtet, dass es hier in Thailand (auch in Laos) so lustige Geisterhäuser gibt. Vor jedem Haus steht ein mehr oder weniger kleines, kitschiges, exzessiv verziertes Häuschen (s. Foto) für die bösen Geister. So soll verhindert werden, dass sie in das Wohnhaus mit einziehen. Und um ganz sicher zu gehen, dass ihnen das Geisterhaus auch gefällt, liegen dort häufig auch kleine Gaben vor, wie z.B. Obst, Schnaps, Blumen oder Fanta.  Am nächsten Tag schlenderten wir zunächst über den Markt und fanden wieder allerlei Interessantes und Kuriositäten. Anschließend fuhren wir zum Salakaewkoo Skulpturenpark, wo ein laotischer Künstler, der vor vielen Jahren aus seinem Heimatland geflüchtet ist, teilweise exzentrisch anmutende, bis zu 30 m hohe Figuren aus Beton geformt hat. Alle Figuren sind buddhistisch oder hinduistischen Ursprungs und sehen dementsprechend „fantastisch“ aus. Am Abend nahmen wir dann einen Nachtbus nach Bangkok, um von dort aus unseren Flug nach Frankfurt zu nehmen.

Mekong oder Eder?

Mit einem Stinke-Klimaanlagen-Bus kamen wir am späten Nachmittag in Chiang Khong an der Grenze zwischen Thailand und Laos an. Wir fanden ein günstiges und schönes Zimmer in einem großen, aus Holz gebauten und verwinkelten Gasthaus direkt am Mekong. Später erfuhren wir, dass es sich um das erste Gasthaus in Chiang Khong handelt. Das Schöne an Chiang Khong ist, dass es die meisten Touristen  nur durchqueren und im laotischen Dorf auf der anderen Flussseite übernachten. Dadurch gibt es zwar einige Gasthäuser und Restaurants, die aber nie überlaufen sind und nicht das Stadtbild prägen. Am Abend haben wir nur noch etwas gegessen, einen Roller für den nächsten Tag gemietet und die Aussicht auf den Mekong genossen, der, zumindest hier in Chiang Khong, wesentlich kleiner ist als wir erwartet hatten. Von der laotischen Uferseite schallten laute Musik und Nachrichten (?) bis zu uns herüber – hier wird anscheinend mit einem riesengroßen Lautsprecher gleich der ganze Ort beschallt.
Am nächsten Morgen starteten wir unseren Ausflug mit dem Roller entlang des Mekongs. Dafür, dass wir das Gefühl hatten wir fuhren zu den „letzten“ Dörfern war die Straße relativ gut, auch wenn Uli häufig etwas Slalom fahren musste. Die Landschaft war hügelig und immer wieder hatten wir einen schönen Blick auf den Fluss, der hier in der Trockenzeit gerade mal so groß ist wie die Lahn oder die Eder. Für uns war das sehr komisch, da wir beim berühmten Mekong einen großen Fluss erwartet hatten.  Bei unserem Ausflug bewegten wir uns auf sehr untouristischen Pfaden und vor allem für die Kinder in den Dörfern, die häufig aus einer Ansammlung von auf Pfählen stehenden Holzhäusern bestanden,  waren wir ein kleines Highlight und wurden immer mit freundlichem Winken und Hello-Rufen begrüßt. Interessant waren auch die Goldsucher am Mekong, die Bananen- und Papaya-Plantagen und die nette Kobra, die wir fast überfahren haben.  Gerne wären wir noch einen weiteren Tag in Chiang Khong geblieben, um den Mekong stromabwärts zu erkunden, doch leider war unser Visum, das wir zwei Wochen zuvor durch Überquerung der birmanischen Grenze erworben hatten, abgelaufen und wir mussten am nächsten Tag nach Laos ausreisen.

Bei den Efelanten

In Chiang Mai haben wir auch versucht ein Visum für China zu bekommen, was daran scheiterte, dass wir hätten 4 Tage darauf warten müssen und auch noch einen Flug und ein Hotel buchen müssen, was wir natürlich nicht hatten als wir an der Botschaft aufkreuzten. Dumm gelaufen, das hatten wir uns einfacher vorgestellt. Abends hatte Christina dann noch eine medizinische Massage gebucht, damit sich mal jemand um die verspannten Muskeln an ihrem Rücken kümmert, die vom Rucksack tragen noch besonders strapaziert sind. Die Masseurin hat sich sehr viel Mühe gegeben und gute Arbeit geleistet, doch leider hatte niemand Christina vorgewarnt, dass die komische chinesische Saugnapf-Vakuum-Technik furchtbare, extreme blaue Flecken und schmerzende Muskeln hinterlässt. Während der Behandlung wurden ihr kleine Schüsseln auf die verspannten Muskeln aufgelegt und dann ein Vakuum angelegt, woraufhin es Mega-„Knutschflecke“ auf der Haut gab. Die Masseurin versicherte ihr, dass das ganz toll hilft. Christina ist da ja nicht so zimperlich und hat sie mal machen lassen, doch als wir danach im Hotelzimmer das Ergebnis betrachteten, waren wir doch sehr bestürzt (Fotos werden zum Schutz der stets besorgten Eltern nicht publiziert). Zum Glück hatten wir keine Pläne Richtung Strand zu fahren und die Masseurin Christina schon genug Paracetamol mitgegeben, um die Elefanten-Tour am nächsten Tag unbehindert mitmachen zu können. Außerdem wurde ihr  versichert, dass die blauen Flecken innerhalb von 2 Wochen verschwunden sein werden – ich war zu diesem Zeitpunkt eher skeptisch, ob sie überhaupt jemals wieder weggehen (nur zu eurer Beruhigung: ja, sie verblassen und jetzt, 1 Woche später, tun die gesaugten Muskeln auch fast nicht mehr weh; ob es besser ist als vorher ist noch nicht sicher). Diese Massage legen wir mal  unter „kulturelle Erfahrung der besonderen Art“ ab.
Am nächsten Morgen sind wir voller Vorfreude aufgestanden, da wir einen Ausflug in den „Elephant Nature Park“ (62 Euro pro Person) gebucht haben. Wir haben uns für diesen Park entschieden, da die Elefanten hier weder beritten werden noch nervige Kunststückchen vorführen müssen. Wir wurden am Hotel abgeholt und im Minivan ins 1,5 h entfernte Camp gefahren. Im Park befinden sich zurzeit 34 Elefanten, die verletzt sind oder waren oder in der Vergangenheit misshandelt wurden (s. dazu die neue Seite „Herzensangelegenheit“).  Im Camp werden sie mit Nahrung, Liebe und natürlich auch medizinisch versorgt und  können so ein friedliches Leben führen. Sie haben sich wie in der freien Natur zu „Familienverbänden“ zusammengeschlossen. In einer Gruppe von etwa 10 Personen wurden wir von unserem Guide über das große Gelände geführt und konnten die Tiere füttern, waschen, streicheln und natürlich viele Fotos von ihnen machen. Anfangs waren wir noch sehr zögerlich und etwas unsicher, als sich die riesengroßen Tiere auf uns zubewegten. Wir merkten aber schnell, dass sie an Menschen gewöhnt sind und uns nicht einfach über den Haufen rennen. Die Hemmungen fielen angesichts der tollen Erfahrung einem Elefanten so nah sein zu können schnell und wir streichelten, fütterten und fotografierten wie wild. Elefanten-Haut ist übrigens warm und fühlt sich durch die Falten und „Borsten“ rau und robust an. Da Christina keine Allergie gegen Elefanten hat, haben wir schon überlegt einen mit nach Hause zu nehmen 😉 (Ulis Eltern haben noch Platz im großen Garten). Ein besonderes Highlight war der kleine Babyelefant (erst 2,5 Monate alt), der momentan noch mit seiner Mutter in einem speziellen Gehege lebt. Er wirkte noch sehr tollpatschig, zufrieden und ist wirklich sehr niedlich. Überwältigt und müde von den vielen neuen Eindrücken fuhren wir abends wieder zurück nach Chiang Mai und waren uns einig darüber, wie wichtig die Aufklärungsarbeit und Pflege der Elefantenschützer Thailands ist.

Sweet, salty and spicy

Von Sukhothai fuhren wir nach Chiang Mai, wo wir am späten Nachmittag ankamen. Wir haben im Chiang Mai Inn Guesthouse ein gar nicht so übles Zimmer für 5 Euro bekommen. Nach der äußerst unruhigen Nacht wussten wir allerdings, dass wir im Party-Backpacker-Hostel gelandet waren und haben uns am nächsten Tag etwas Ruhigeres gesucht. Chiang Mai ist ein sehr touristischer Ort. Im Zentrum ist jedes zweite Gebäude ein Gasthaus, Café, Restaurant, Tourbüro oder Tatoo-Studio. Für Touristen gibt es also unzählige Angebote, aber mit Authentizität hat das Ganze wenig zu tun. Nachdem wir uns einen Tag Zeit genommen haben Chiang Mai zu Fuß zu erkunden, haben wir für den Folgetag einen Thai-Kochkurs gebucht. Wir wurden morgens am Hotel abgeholt und sind zunächst auf einen Markt gefahren, wo uns unsere Kochlehrerin einiges zu den typisch thailändischen Lebensmitteln erzählt hat. Anschließend fuhren wir zu einer Öko-Farm außerhalb der Stadt, wo sich Koch-Räume mit Woks befinden und das für den Kurs benötigte Obst und Gemüse angebaut wird. Hier wurden wir auch durch den Garten geführt und haben Einiges über thailändische Gewürze und Kochzutaten gelernt. Insgesamt kochten wir an diesem Tag 5 Gerichte, die wir aus einem Angebot von verschiedenen Gerichten auswählen konnten. Wir haben zum Beispiel gelbe Curry-Paste gemacht, Grundlage für das gleichnamige Gericht mit Kokosmilch, Gemüse und Hühnchen-Fleisch. Am besten hat uns Hähnchen mit Gemüse und Cashew-Nüssen geschmeckt, und zum Nachtisch gab es den so genannten „Mango sticky rice“, also Klebreis mit Palmzucker und Kokosmilch mit frischer Mango. Superlecker! Zum Glück sind uns alle Gerichte gelungen, doch die Frühlingsrollen, die wir zuletzt gekocht haben, konnten wir beim besten Willen nicht mehr essen. Wir waren dermaßen vollgefuttert, dass sich unser Abendessen auf einen Obst-Shake beschränkte. Am dritten Tag in Chian Mai fuhren wir zu einem Tempel in den Bergen in der Nähe von Chiang Mai, von wo man eine gute aber unspektakuläre Aussicht auf Chiang Mai hat. Da in Thailand ein Feiertag war, haben auch viel Thailänder den Ausflug zu diesem Tempel unternommen und es war sehr voll. Dennoch hat sich die kurvenreiche Fahrt mit einem der „roten Sammeltaxis“ gelohnt. Der Tempel war wieder – für unseren Geschmack – sehr kitschig und mit viel Gold verziert. Durch den fehlenden Smog (im Vergleich zu Bangkok) und den dadurch blauen Himmel wirkte der Tempel aber viel schöner und glänzte ganz toll  in der Sonne. Die vielen Thai-Touristen die zum Tempel gekommen waren steckten Räucherstäbchen an, beteten und legten Blumen vor den Buddha-Statuen nieder. Auch viele buddhistische Mönche waren zum Tempel gekommen. Unterhalb des „Wats“ verkauften viele Frauen aus den Bergdörfern ihren in Massenproduktion hergestellten Schmuck und Armbänder. Außerdem gab es eine ganze Menge Stände mit Essen, wo gegrillter Mais, Fleischspieße und frischer Saft verkauft wurde. In Chiang Mai haben wir den Nachmittag mit Erledigungen verbracht, so haben wir z.B. Dollar besorgt um damit unser Visum für Laos an der Grenze zu bezahlen. Am Abend schauten wir noch einen Tatort (machen wir immer wenn es die Internetgeschwindigkeit zulässt) und gingen voller Vorfreude auf den nächsten Tag schlafen.

Ruinen per Rad

Von Bangkok aus fuhren wir in Richtung Norden nach Sukhothai, welches das erste große Machtzentrum der Thais war und dessen Ruinen heute UNESCO-Weltkulturerbe sind. Auf unserer Fahrt dorthin fiel uns wieder auf, wie sauber Thailand im Vergleich zu Lateinamerika ist und dass die Straßen überraschend gut sind. In Sukothai sind wir im ruhig gelegenen Sabai-Dee Guesthouse gelandet, wo wir ein schönes und großes Zimmer für nur 10 Euro bekommen haben. Am nächsten Morgen sind wir sehr früh aufgestanden, um schon bei Sonnenaufgang bei den Ruinen zu sein.  Aufgrund der hohen Bäume hat das mit dem Sonnenaufgang vor den Ruinen nicht so hingehauen wie gedacht und Uli musste leider auf sein perfektes Foto-Motiv verzichten. Aber die morgendliche Kühle und die Menschenleere waren sehr angenehm. Um die relativ großen Distanzen auf dem Komplex zurückzulegen, haben wir uns für 80 Cent ein Fahrrad gemietet, sind über die Anlage gestrampelt und haben uns auf den ausgesprochen fiesen Satteln den Po blau gefahren. Nachdem wir genug Tempel-Ruinen und Buddha-Statuen bewundert hatten (und wir haben bei weitem nicht alle gesehen) haben wir den Nachmittag im Garten mit der weiteren Reiseplanung verbracht. Da wir am folgenden Tag noch keine Lust hatten schon wieder den Ort zu wechseln, sind wir in ein kleines Einkaufszentrum gefahren um mal herauszufinden, was es in thailändischen großen Supermärkten so gibt. Hier haben wir uns mal wieder mit vernünftigen Zahnbürsten (juhuu, hier gibt’s die ultraweichen) und Nivea-Körpermilch (für Christina ja besonders wichtig) eingedeckt. Ironisch grinste uns auch die riesengroße Palette Nivea-Creme mit „Whitening effect“ an, die hier heiß begehrt zu sein scheint. Bei uns im deutschen Regal findet man Bräunungscremes, hier halt die Weißmach-Cremes. Den Nachmittag haben wir ruhig mit Essen und lesen verbracht und sind am darauffolgenden Tag weiter nach Chiang Mai gefahren.

Favourite Fettspieße

Mit unserem Nachtbus nach Bangkok hatten wir mal wieder etwas Pech, da wir die Sitze in der letzten Reihe bekommen haben. So hatten wir zwar den  VIP- Bus-Preis bezahlt, aber unsere Sitze ließen sich – im Gegensatz zu den Sitzen unserer Mitreisenden – nur leicht nach hinten klappen, so dass Liegen nicht drin war. Morgens um 5 Uhr erreichten wir Bangkok und der Bus hielt auch in der Nähe des Hotels, das wir uns herausgesucht hatten. Nach einigem Herumirren durch die noch dunklen Gassen erreichten wir irgendwann das Hotel und erfuhren, dass leider alle Zimmer ausgebucht waren. Wie ihr euch vorstellen könnt, waren wir todmüde und hatten eigentlich keine Lust mehr noch weiterzusuchen. Leider blieb uns aber nichts anderes übrig und wir nahmen ein Taxi zur Shanti Lodge, die uns von anderen Reisenden wärmstens empfohlen wurde. So erreichten wir etwa um 6.30 Uhr die Shanti Lodge und waren sofort angetan von der Gemütlichkeit, den ganzen Pflanzen und plätschernden Brunnen im Restaurant. Und wir hatten Glück, sie hatten ein Zimmer für uns frei (19 US$ fürs DZ mit Privatbad). Unseren ersten Tag in Bangkok verbrachten wir hauptsächlich mit Erledigungen. Wir besorgten einen neuen Reiseführer (Uli wollte gerne einen deutschen, damit er auch mal lesen kann), ein Busticket für die Weiterreise nach Norden und haben endlich mal unsere Palmbeach-Bungalow-Stinke-Klamotten richtig waschen lassen. Und wir selbst hatten auch eine ordentliche Wäsche nötig. Leider hatte unser Zimmer wie schon auf Koh Phayam auch keinen Spiegel, so dass die erschreckende Erkenntnis zum Zustand unseres Gesichts (Pickel, Haarbewuchs) erst einen Tag später am gut beleuchteten Spiegel eines Einkaufszentrums kam. Wir kamen auch an einem Lebensmittel-Markt vorbei, der alle Fürchterlichkeiten lateinamerikanischer Märkte getoppt hat. Wir dachten ja wir hätten so Einiges gerochen und gesehen, aber die Gerüche an den Fischständen und die Wannen und Säcke voll mit sich windenden Fischen, Kröten, ahlen Krebsen und Schildkröten waren einfach grauenvoll. Wir haben dann den Markt fluchtartig verlassen, weil das für Christina erträgliche Maß an Ekel, Gestank und Skurrilität erreicht war.  Am zweiten Tag in Bangkok haben wir Madame Tussaud`s Wachsfigurenkabinett besucht, weil Christina noch nie dort war und es nur 10 Euro pro Person gekostet hat. Es hat überraschend viel Spaß gemacht die Berühmtheiten mal aus nächster Nähe zu sehen. Hierbei haben wir natürlich auch Ulis Oma besucht, die dort ausgestellt ist (Entschuldigung für den Insider). Danach haben wir noch an einem Straßengrill unsere Lieblings-Grill-Spieße (von uns liebevoll „Fettspieße“ genannt) gefunden und gleich 9 Stück verschlungen. Bei den Fettspießen handelt es sich um abwechselnd aufgespießte Fleisch- und Fettstücke, die anscheinend in einer Art Honig-Knoblauch-Soße mariniert sind und dann gegrillt werden. Am Nachmittag haben wir noch die Orchideen-Pracht auf einem Blumen- und Pflanzenmarkt bewundert (wo stellen Bangkoker diese ganzen Pflanzen hin?) und sind zum so genannten Wochenendmarkt gefahren, der enttäuschenderweise alles andere als authentisch war. In den Bereichen, die wir besucht haben (der Markt ist unendlich groß und hat bis zu 400.000 Besucher pro Wochenende) gab es nur Touri-Kram. Am nächsten Morgen frühstückten wir noch ein leckeres Paradise-Porridge (zu deutsch: Haferschleim), der mit Kokosmilch und frischen Bananen angemacht war. Lecker! Und dann reisten wir schon weiter mit dem Bus nach Sukhothai, doch diesmal fuhren wir tagsüber.

Bei Peter Pan zu Hause (oder: Katzen im Bus nach Burma)

Nach einem fast 12-stündigen Auto – Boot – Bus – Tuk-tuk – Bus – Taxi – Boot – Mototaxi-Trip, auf dem wir auch noch unseren teuer in Sydney erstandenen Lonely Planet-Reiseführer im Bus haben liegen lassen, erreichten wir die Palmbeach Bungalows an Koh Phayams Südküste. Über den verlorenen Reiseführer haben wir uns tierisch geärgert, da er so teuer war, nicht so leicht zu beschaffen ist und man viel mehr an seinen sieben Sachen hängt, da man ja sowieso nur ein paar Teile dabei hat. Und dann gerade der Reiseführer in einem Land, dessen Sprache man nicht spricht und er die einzige immer vorhandene Hilfe ist, um den Weg durch diese Region zu finden. An der Bungalow-Anlage wurden wir gleich freundlich von Juppie, dem thailändischen Besitzer, der 10 Jahre in Deutschland gelebt hat, auf Deutsch begrüßt. Maik und Irina haben wir in ihrem Bungalow angetroffen und die Wiedersehensfreude war groß. Die Palmbeach Bungalows sind ein echtes Unikat. Der erste Eindruck gleicht einem „Ach du scheiße, wo sind wir denn hier gelandet“. Uli erinnert die „Anlage“ irgendwie an Peter Pan, Christina hat das Gefühl in einem Setzkasten zu wohnen. Alles ist selbst mehr provisorisch aus Holz zusammengeschustert. Und irgendwie erschlägt es einen ersteinmal, denn alles ist übermäßig dekoriert und zugestellt mit Sitzkissen, Bojen, Tauen, Muscheln, Tüchern, Korallenteilen, Netzen, Schnorchelzeug, Büchern, Hängematten, Seilen, Treibholz, Fähnchen, Teppichen, Landkarten, Weihnachts- und Silvesterdeko, allem möglichen Geklüngel und Dingen, die so ein Meer ebenso anspült. Überall finden sich Säcke, Bretter und Latten, Rohre, Schuhe und aus Plastikflaschen gebaute Dinge wie Beete und Lampenschirme. Ihr könnt es euch nicht vorstellen. Es gibt eine riesengroße Schaukel, die an einem Baum aufgehängt ist und als Plattform zum Essen oder Rumhängen für mehrere Leute dient und bei Flut über dem Wasser hängt. Und jeden Tag dudelt völlig selbstverständlich eine der drei vorhandenen CDs: Bob Marley, Nirvana und eine 70er-Jahre Mix-CD. Wir sind schon völlig Ohrwurm-geplagt („It never rains in Southern California“, gelle Maik?). Strom gibt es immer nur zwischen 18 und 22 Uhr und das mit vielen Wackelkontakten. Den Lichtschalter bedient man am Besten, indem man einfach die Kabel zum Abschalten etwas herauszieht zum Einschalten wieder etwas zurückschiebt. Und das, obwohl Juppie in Deutschland Elektriker gelernt hat ;-). Außerdem gibt es einen zahmen Adler, der mal hier auf dem Baum oder mal dort im Regal sitzt und niedliche Katzen, die wie verrückt maunzen wenn sie einen sehen. Und zwischendrin springen dann der liebenswerte, verhuschte Juppie mit seinem geilen Deutsch („Mein Gott, Walter“) und der schicken Frisur, die immer von einer Baseballkappe verdeckt wird, und der freundliche aber eher wortkarge Master Pon, der aussieht wie ein asiatischer Pirat aus „Fluch der Karibik“, herum. Diese Bugalow-Anlage erscheint wie eine Parodie auf etwas, von dem wir dachten es gäbe es gar nicht (mehr). Abends haben wir uns dann zum ersten Mal von Juppies Kochkünsten, die uns Irina und Maik ja schon angepriesen hatten, überzeugt. Es schmeckt vorzüglich und wir haben uns während unserer ganzen Zeit hier fast immer von Juppie bekochen lassen. Mit unserem Bungalow selbst hatten wir viel Glück, wir haben nämlich einen ganz neu gebauten abbekommen. Wir müssen ihn zwar mit großen Dschungel-Spinnen (direkt hinter den Bungalows beginnt der Regenwald), Fröschen und Geckos teilen, aber dafür kostet er nur 8 Euro pro Tag. Und wir sind direkt vorne am Meer und können bei Meeresrauschen einschlafen! Unsere Tage haben wir mit Schwimmen, Quatschen, Lesen, Karten spielen, Sonnen, Essen und Massage gefüllt und irgendwie geht die Zeit auch selbst dann schnell herum, wenn man eigentlich nichts zu tun hat. Wir haben sogar zwei häusliche Aufgaben: Bungalow fegen und Wäsche waschen. Das Meer hier ist klar und sauber und der Strand ist ebenfalls ein Traum. Je nach Laune können wir entscheiden, ob wir nach links am Regenwald entlang schwimmen wollen, oder nach rechts am Strand entlang. Heiligabend konnten wir noch zusammen mit Maik und Irina feiern, die leider am nächsten Tag abgereist sind, um nach 15 Monaten Reisen endlich Heimzufliegen. Und Juppie hatte für Heiligabend ein leckeres Thai-Buffet kredenzt. Und das nur für gut 4 Euro! An Christinas Geburtstag hatten wir einen Roller gemietet, sind über die Insel gefahren und haben uns den frischen Fahrtwind um die Nase wehen lassen. Auf der Insel gibt es keine Autos und die „Straßen“ sind oft gerade so breit, dass zwei Roller aneinander vorbeipassen. Schlaglöcher, Hubbel, Hühner und Hunde machen das Fahren zu einem kleinen Abenteuer. Bei diesem Ausflug sind wir auch an der Buffalo Bay vorbeigekommen, die uns bei Flut sehr gut gefallen hat. Ein perfektes Postkartenmotiv, nur leider geht hier das Wasser bei Ebbe sehr weit zurück. Abends bekam Christina von Juppie sogar noch einen Pfannkuchen mit frischem Obst und Kerzen geschenkt und alle haben ihr ein Geburtstagsständchen gesungen. An Silvester gab es wieder ein leckeres Buffet und der Abend war nett und gesellig, doch leider brachen unsere „Mitbewohner“ irgendwann auf, um in eine Bar in die nächste Bucht zu fahren. Da wir keinen Roller hatten fiel das für uns aus und wir erlebten den Jahreswechsel besinnlich zu zweit am Strand, wo wir uns das Feuerwerk und die chinesischen Laternen anschauen konnten, die aufs Meer hinaus geflogen sind. Es sah traumhaft schön aus. Davon inspiriert haben wir uns selber noch diese Laternen besorgt und sie am 2. Januar zusammen mit unseren Wünschen für 2013 am Strand steigen lassen. An den letzten beiden Tagen auf Koh Phayam haben wir außerdem noch das „Body Surfen“ für uns entdeckt. Es gab tolle, große Wellen (ein echtes Paradies für Surfer) und das „Surfen“ hat daher megaviel Spaß gemacht. Wir haben Stunden im Wasser verbracht und versucht, die perfekte Welle zu erwischen. Hallo Muskelkater. Nach 18 Tagen Erholung haben wir Koh Phayam verlassen und zunächst einen so genannten Visa Run nach Birma gemacht, da unser 4-wöchiges Thailand-Visum schon abgelaufen ist. Die Zeit vergeht wie im Flug. Visarun bedeutet, dass man kurz nach Birma einreist, um dort seinen Pass stempeln zu lassen und dann fährt man sofort wieder zurück nach Thailand und reist dort wieder ein. So erhält man erneut eine Aufenthaltserlaubnis für 14 Tage. Wir sind also mit dem Boot etwa 30 Minuten von der Stinke-Stadt Ranong in Thailand (Fisch Fisch Fisch überall; das Problem ist, dass die Fischabfälle und -Abwasser in der Hitze vor sich hinrotten, Christina war wirklich kurz vorm Kötzchen) rüber nach Birma. Unsere 10 Minuten in Birma haben uns gut gefallen, weil die Menschen sich alle über ausländischen Besuch zu freuen scheinen. Viele haben uns gegrüßt und die sogar die Kinder waren mutig und/oder neugierig genug, um uns mit ihren 5 Worten Englisch anzusprechen. So gut aufgenommen haben wir uns noch nie irgendwo gefühlt. Abends haben wir dann den Nachtbus von Ranong nach Bangkok genommen, um von dort aus in den Norden Thailands zu starten.