Vorbereitungen

Hiermit kündige ich mein Leben fristgerecht zum 30.6.2012….

Der Wunsch, eine große Reise zu unternehmen, kam im Herbst des Jahres 2009 auf. Nach vielen Gesprächen, Träumereien, dem Abwägen von Pros und Contras und dem Wälzen von Ideen hatten wir im Januar 2010 beim Joggen am Rhein eigentlich per Handschlag beschlossen, mit einem Campingvan auf der Panamericana von Alaska nach Chile zu fahren. Diesen Plan haben wir Ende 2011, hauptsächlich aus zeitplanerischen und finanziellen Gründen, wieder verworfen und uns dazu entschlossen, eine klassische Backpacker-Reise mit öffentliche Verkehrsmitteln zu untermehmen. An diesem (für uns) legendären Joggingtag begann für uns auch die Vorbereitung auf unsere große Reise.

Zunächst einmal hieß es: Sparen, sparen, sparen.

Da Uli bis Herbst 2010 noch Student war,  Christina als Doktorandin auch nur ein relativ kleines Gehalt erhält, ist Sparen nur mit zahlreichen, zeitweise auch zermürbenden, Entbehrungen möglich. Essen gehen und Urlaube fallen aus, neue Klamotten kaufen wir nur im Notfall, Mahlzeiten wählen wir so aus, dass wir bloß keine Lebensmittel wegwerfen müssen, essen alle Reste brav auf (Christinas Kollegen kennen die Mittagessen á la „Das habe ich noch im Kühlschrank gefunden und muss dringend gegessen werden“), wir kaufen doch eher Noname-Produkte und -Lebensmittel und anstatt die Heizung aufzudrehen greifen wir doch eher zu einem weiteren Pullover. Um zusätzlich noch etwas Geld zu verdienen, haben wir Sachen, die wir oder Freunde, Verwandte und Bekannte nicht mehr brauchten, auf Flohmärkten und bei ebay verkauft. Danke an alle, die uns hierbei unterstützt haben! Um möglichst preiswert davon zu kommen, haben wir verschiedenste Ver- sicherungen ver- glichen und gewechselt (z.B. eine Krankenversicherung herausgesucht, die alle benötigten Impfungen zahlt), haben davon abgesehen, in eine größere und ruhigere Wohnung umzuziehen und benötigte Reise-Literatur leihen wir vorwiegend in der Bücherei aus.

Wer die Wahl hat, hat die Qual….

Die Welt liegt uns zu Füßen – im wahrsten Sinne des Wortes: Der Großteil unseres 12 qm kleinen Wohnzimmers ist mit Lexika, Atlanten, Reiseführern und Bildbänden gepflastert. Doch beim Blick auf die Weltkarte stellen wir fest, dass wir von den meisten Ländern gar keine bis nur vage Vorstellungen haben. Und: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Chilevietnamecuadornepallaosthailandsamoahawaiiomancostaricaindonesien-argentinienmadagaskarfidschiperu – einige Länder kreisen, mit großen Fragezeichen versehen, immer wieder in unseren Köpfen. Und wir hoffen, auf weitere, für uns bisher unbekannte Länder zu stoßen, die eine Reise wert sind. Aber wann ist ein Land aus unserer Sicht überhaupt eine Reise wert? Was ist uns am wichtigsten? Natur, Kultur, Sprache, Klima, Mentalität, Religion, öffentliches Transportsystem, Preisniveau des Reiselandes, Sicherheit oder für das Land übliche Unternehmungen und Aktivitäten? Und aufgrund der erheblichen nicht nur finanziellen Opfer, wollen wir die bereisten Länder natürlich sorgfältig und unter Beachtung der eben genannten Aspekte auswählen. Daher ist es unumgänglich, so einige Bildbände aufzuschlagen und Reiseführer zu durchblättern.

Verträge über Verträge

Verträge….man hat wirklich viele Verträge. Mehr als man denkt. Und alle sind anders. Und dann gibts ja auch noch Mitgliedschaften. Zunächst gilt es einmal herauszufinden, welche Verträge und Mitgliedschaften man vor einer solchen Reise kündigt, welche man lieber stilllegt und welche man sinnvollerweise weiterlaufen lässt. Man denke dabei nur an GEZ, Haftpflichtversicherung, private Krankenversicherung, Wohnung, Arbeitsvertrag, Hausratversicherung, Rentenversicherung, Telefon/Internet, Unfallversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Pflegeversicherung, gesetzliche Krankenversicherung, ADAC-, Greenpeace- und DAV-Mitgliedschaft. Und natürlich sollte man sich bei allen rechtzeitig melden und die Kündigungsfristen nicht vergessen. Und dann ist da noch die Sache mit dem Arbeitsamt… Und nicht zu vergessen sind solche Verträge, die man möglicherweise für eine solche Reise braucht. Auf jeden Fall notwendig ist eine Auslandsreise-KV; aber welche ist die beste, zuverlässigste und dabei günstigste? Und braucht man denn nun eine Reisegepäckversicherung (man denke an Ulis Kameraausrüstung) oder Reiserücktrittsversicherung? Und wie viel ist man bereit dafür auszugeben?

Was wollen wir eigentlich mitnehmen?

…..oder: die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau, die möglichst wenig wiegt und günstig ist. Glücklicherweise kennen wir uns im „Outdoor-Metier“ schon ein bisschen aus und besitzen schon einige Ausrüstungsgegenstände, die man für eine solche Reise benötigt. Dennoch kosten uns die Entscheidungen für oder gegen bestimmte Ausrüstungsgegenstände ganz schön viel Zeit. Beispielsweise haben wir uns lange mit der Frage beschäftigt, ob uns ein dünnes Schlafsackinlett ohne Wärmeleistung ausreicht, oder ob wir lieber einen warmen, aber schweren und voluminösen Kunstfaserschlafsack mitnehmen sollen (oder doch lieber einen sehr teuren, leichten, aber feuchtigkeitsempfindlichen Daunenschlafsack?). Dementsprechend wird jeder Ausrüstungsgegenstand auf seine Notwendigkeit hin diskutiert (wir wollen uns ja nicht totschleppen), und anschließend werden die Produkte verschiedener Hersteller bezüglich Leistungsfähigkeit und Preis verglichen (damit kann man Tage verbringen). Und bei wichtigen Produkten wie Schuhen, bei denen man auf jeden Fall sicherstellen will, dass sie hunderprozentig passen und bequem sind, hat Christina dann schon mal 15 Paar auf einmal bestellt (aber für uns beide zusammen!!!), um verschiedene Modelle und Größen direkt vergleichen zu können. Wir hätten fast mit der Sackkarre (deren stolzer Beisitzer wir jetzt sind) zur Post fahren müssen; Entschuldigung auch an die betroffenen Outdoor-Versandhäuser (Christina wird’s nie wieder tun – versprochen). Und damit Uli seinem großen Hobby, der Fotographie, frönen kann und wir während der Reise diesen Blog schreiben können, haben wir uns ein Netbook gekauft.

Hablo español

Famoso Ramiro!

Um auf unserer Reise durch Lateinamerika mit den Einheimischen reden zu können, möglichst viel vom Land zu verstehen und kleine Probleme selbst und unabhängig lösen zu können, haben wir angefangen Spanisch zu lernen. Die ersten spanische Worte und Sätze hat Christina von ihrem costaricanischen Kollegen Steve (Daaanke für die geduldige Einführung :-)) beigebracht bekommen. Wir gehen fleißig 1x pro Woche zum Kurs in die Volkshochschule (Gracias a Flor y Mirtha), treffen uns regelmäßig mit unseren ecuadorianischen Sprachpartnern Ramiro und Paul (Gracias por vuestro ayuda!), hören spanische Anfänger-Hörbücher, lernen Vokabeln und machen Grammatikübungen – wie in alten (Schul-) Zeiten.

Die Sache mit der Doktorarbeit

Christinas großes Ziel war es, ihre Doktorarbeit bis April 2012 komplett fertiggestellt zu haben, um in Alaska die Panamericana-Reise starten zu können. Auch wenn dieses Ziel erst mit zweimonatiger Verspätung erreicht werden kann, sei hier erwähnt, dass das Schreiben der Doktorarbeit vor Arbeitsbeginn, nach Feierabend, an Wochenenden oder Urlaubstagen neben der eigentlichen Arbeit  im Labor im Grunde genommen auch ein Teil der Reisevorbereitung war – mit dem positiven Effekt, dass immer eine motivierende Perspektive vorhanden und das Dokument selbst mit Abschluss der praktischen Arbeit im Labor so gut wie fertig geschrieben war. Und Uli ist in dieser Zeit Profi in Sachen Hausarbeit und Kochen geworden ;-).

Kleinvieh macht auch Mist

Zur Reisevorbereitung gehören auch noch viele „Kleinigkeiten“, die erledigt werden müssen. Hierzu gehören z.B. zum Impfen gehen (und das sind so einige Spritzen ;-( ), diverse Arztbesuche erledigen, Reisedokumente beantragen und abholen, Einreise- und Visabestimmungen wälzen, Dokumente kopieren, einscannen, laminieren, herausfinden, welche Steckdosen-Adapter man benötigt usw. usw. Langweilig wird’s nicht….

Umzug

Es ist schon etwas leerer in unserer Wohnung geworden – und das nicht nur wegen unseres Verkaufswahnes ;-). Die ersten Kisten sind schon gepackt und bei unseren Eltern und bei Ulis Schwester untergestellt. Vielen Dank für die Möglichkeit! Mit unserem Vermieter haben wir unsere Spülmaschine, die eh schon leicht defekt ist (aber das haben wir ihm natürlich mitgeteilt) und ein Ikea-Regal gegen Renovieren getauscht, so dass wir die Wohnung nur besenrein übergeben müssen. Puuuh, Glück gehabt. Unser Umzugstermin steht jetzt fest: Sonntag, 24.6..

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