Machu Picchu – alle Erwartungen übertroffen!

Der große Tag war gekommen: wir besteigen morgens um 6.30 Uhr den Zug nach Aguas Calientes. Nach einer ca. 1,5 Stunden langen Fahrt durch das Heilige Tal entlang des Flusses Rio Urubamba vorbei an wunderschöner Landschaft, Ruinen und leider auch viel Müll erreichten wir Aguas Calientes oder auch „Dorf Machu Picchu“ genannt. Die Landschaft änderte sich während der Fahrt massiv von der klassischen, grün-braunen Anden-Hochlandschaft mit wenig Pflanzen hin zu saftig-grünem tropischem Nebelwald. Hier wurde uns bewusst, wie sehr uns das Grüne fehlt. Die Touristenhorden wurden dann von Aguas Calientes aus mit einem Bus (17 US$ p.P) hoch nach Machu Picchu gekarrt. Dort angekommen begannen wir direkt mit dem Aufstieg auf alten Inka-Wegen durch den Dschungel auf den Montaña Machu Picchu, von wo aus wir einen herrlichen Ausblick auf die sagenhafte Landschaft mit den steilen Urwald-bewachsenen Bergen, deren Gipfel in weißen Wolken hingen, und Machu Picchu selbst genießen konnten. Im Hintergrund schaute hin und wieder ein schneebedeckter Berg raus. Schon beim ersten Aussichtspunkt standen wir ehrfürchtig vor dieser Landschaft und Christina musste dann doch tatsächlich weinen, weil der Anblick so überwältigend war. Schon allein die Berge sind wunderschön, und dann noch mit den Ruinen! Endlich war Christina an dem Ort, den sie schon als Kind in irgendwelchen Büchern bewundert hat. Die Inka hatten ein so schönes Plätzchen hier und die doofen, gierigen Spanier haben sie einfach vernichtet. Oben auf dem Montaña Machu Picchu angekommen haben wir die Aussicht bei einer kleinen Pause genossen und unsere Mini-Ration Proviant gegessen, weil wir gelesen hatten, dass eigentlich kein Essen auf dem Gelände erlaubt ist. Der Abstieg war fast so anstrengend wie der Aufstieg und als wir unten angekommen waren, waren wir total gerädert. Trotzdem haben wir uns natürlich noch die Ruinen angeschaut  und uns gewundert, wie unübersichtlich, groß und komplex sie sind, sobald man hindurchläuft. Von oben sah alles noch recht übersichtlich aus. Toll war auch, dass es während des Abstiegs ein Gewitter in den Bergen gab. Es donnerte und blitzte über den Gipfeln, während über uns die Sonne schien. Das gab dem ganzen noch eine mystische Atmosphäre und auf den Fotos kann man das auch teilweise sehen. Die Ruinen wurden erst 1911 von einem Engländer wiederentdeckt und waren zu diesem Zeitpunkt komplett von Pflanzen überwachsen. Welche Bedeutung bzw. Zweck Machu Picchu für die Inka hatte ist bis heute noch nicht geklärt. Als wir uns satt gesehen hatten, sind wir wieder zurück nach Aguas Calientes gefahren und haben erstmal gefuttert. Bis zur Abfahrt unseres Zuges hatten wir noch Zeit uns sind durch die Stadt geschlendert. Der Ort ist klein und natürlich seeehr touristisch, da jeder der täglich 2500 Machu Picchu Touristen hier durchkommt. Wie auch in Cusco wird man ständig angesprochen, ob man nicht hier essen oder dort was kaufen möchte. Sehr angenehm ist, dass es im Ort ja keine Autos gibt. Außerdem ist die Lage zwischen den grünen Berghängen sehr reizvoll. Total erschöpft von der Wanderung, den ganzen Emotionen und Eindrücken sind wir wieder im Zug zurück nach Ollantaytambo gefahren und haben im Zug schön geschlafen.

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Ollantaytambo – Im Heiligen Tal der Inka

Von Cusco sind wir im Minivan nach Ollantaytambo in „Valle Sagrado“ gefahren. Hier gibt es besonders viele Inka-Ruinen. In Ollantaytambon haben wir ein nettes Hostel (Hospendaje Calicanto, Av. Ferrocarril, 19 U$/DZ mit Privatbad, sauber!!) in der Nähe der dortigen Inka-Ruinen und des Bahnhofs gefunden. Am Nachmittag haben wir gleich die Ruinen besichtigt und ca. 48 U$ für da Boleto turistico ausgegeben, mit dem man alle Ruinen im Heiligen Tal besichtigen kann. Wir waren uns zunächst unschlüssig, ob wir uns einen Führer nehmen sollen und haben dann beschlossen zu warten, bis sich eine Gruppe gebildet hat und wir uns die Kosten teilen können. Als wir eine deutsche Gruppe ansprachen, ob sie auch einen Führer haben möchten, haben sie uns angeboten mit ihnen und ihrem Führer mitzugehen. Supiiiii, so haben wir eine gratis-Führung ergattert. Die Inka-Siedlung in Ollantaytambo diente hauptsächlich als Zwischenstopp für Reisende zwischen Cusco und Machu Picchu. Es gab Terrassen zum Anbau von Mais und Kartoffeln, Lagerhäuser für Lebensmittel, einen Königsthron, ein astronomisches Observatorium, Brunnen und auch einen Tempel zu Ehren der Pachamama, der Mutter Erde. Wir waren wieder beeindruckt von der Präzision, mit der die Inka die Steine aufeinander gesetzt haben. Außerdem ist es unvorstellbar, wie sie diese riesengroßen Steine aus dem 7km entfernten und wesentlich höher gelegenen Steinbruch bis zur eigentlichen Siedlung transportiert haben. Zum Transport der Steine über den Fluss haben sie diesen sogar umgeleitet – zuerst haben sie den Fluss rechts, dann links um die Steine herumgeleitet. Nach unserem Besuch haben wir festgestellt, dass das Boleto turistico nicht wie im Lonely planet angegeben 10 Tage gültig ist, sondern nur 2 Tage. Da wir am folgenden Tag nach Machu Picchu fahren wollten (und der Eintritt natürlich nicht im Boleto inklusive ist), bedeutete das also, dass wir gerade knapp 50 Dollar Eintritt für eine Inka-Ruine ausgegeben hatten. Uns ist es ein Rätsel, wie man die ganzen Ruinen im Heiligen Tal, die bis zu 3 Stunden auseinanderliegen, in einem Tag besichtigen soll. Wir finden das ganz schöne Abzocke. Sollen sie doch ihre 50 Dollar haben, aber dann muss man wenigstens die Zeit bekommen die Ruinen zu besichtigen. Da in Ollantaytambo die Endstation der Züge nach Machu Picchu ist, ist der kleine Ort sehr teuer und touristisch und tagsüber werden Busse-weise die Touristen durchgekarrt. Nichtsdestotrotz hat uns der alte Teil des Ortes mit seinen kleinen Kopfsteinpflaster-Gässchen sehr gut gefallen. Abends gingen wir etwas aufgeregt ins Bett, da die Erwartungen an den Machu Picchu-Besuch sehr groß waren. Man könnte ja noch krank werden, den Zug verpassen oder diesen berühmten Ort doch gar nicht so toll finden und das ganze Geld zum Fenster rausgeschmissen haben…

Cusco – eine Inka-Kolonial-Gringotouristen-peruanische Mischung

Das Wort Cusco (Quechua: qosq’o) bedeutet Nabel. Hier hat der Ur-Inka Manco Capac (sowas wie Adam für die Katholiken) eine Siedlung gegründet, nachdem er vom Sonnengott Inti den Auftrag bekommen hatte, die Menschen zu organisieren und eine Stadt zu gründen. Die Stadt sollte dort gegründet werden, wo Manco Capac den goldenen Stab, den er vom Sonnengott  bekommen hat, in den Boden senken kann. Manco Capac und die Ur-Inka-Frau Mama Ocllo wurden übrigens vom Sonnengott Inti auf der Insel Isla del Sol im Titicacasee auf mystische Weise zum Leben erweckt. Und so wurde Cusco zur Hauptstadt des damaligen Inka-Reiches. Die Farben des Regenbogens sind Grundlage der Inka-Fahne (s.Foto). Wir zwei haben Cusco als eine Stadt mit vielen Gesichtern kennengelernt. Kulturelles und architektonisches Fundament sind die Bräuche und Bauten der Inka. So haben die Spanier damals viele Inka-Gebäude und Tempel zerstört und ihre Häuser und Kirchen auf die hervorragend gearbeiteten Inka-Fundamente gebaut. Viele Gebäude werden also heute von den faszinierenden Grundmauern der Inka getragen, wo jeder Stein perfekt am anderen anliegt (s. Fotos) und an vielen Orten finden sich interessante Inka-Ruinen wie Sacsayhuaman, einem Komplex mit religiöser und militärischer Bedeutung. Außerdem glänzt Cusco mit vielen Kolonialbauten wie Kirchen oder Villen mit tollen Holzbalkonen in hervorragend gepflegtem Zustand. Dazwischen findet sich die Kultur des heutiges Perus, vermischt mit Fluch und Segen des Tourismus. Auf vielen Gebäuden weht die Fahne Perus und der Inka, und an den Hotels die Fahnen der „westlichen“ Touristanstaaten. Es gibt hier McDonalds und Starbucks (die ersten hier in Peru, die wir sehen), teure und schicke Restaurants, unzählige Hotels in allen Preisklassen und an jeder Ecke lauern Menschen, die einem eine Massage oder eine Handtasche aufschwätzen wollen. In der Innenstadt sieht man mindestens so viele Touristen wie Einheimische. Gäbe es nicht die Inka-Mauern, die Trittfallen in den Bordsteinen (die kennen wir ja schon seit Costa-Rica) und die Pipi-Gerüche in den Seitenstraßen, dann würde man fast vergessen, dass man nicht in Europa ist. Wir haben hier eine ganz nette Bustour gemacht, um das Stadtzentrum erstmal im Ganzen überschauen zu können. Außerdem waren wir im Inka-Museum, wo wir viele toll bemalte Gefäße bewundert haben. Ein Wachmann hat sich uns angenommen – da haben wir mal wieder Glück gehabt – und uns ein bisschen was zu den einzelnen Ausstellungen erzählt. Leider haben wir wieder nur die Hälfte verstanden. Außerdem haben wir auch einen Shopping-Ausflug zum Handwerksmarkt gemacht und anschließend direkt ein Päckchen mit den Einkäufen nach Deutschland geschickt. Wir hoffen, dass es unversehrt ankommt und sich kein peruanischer (oder deutscher) Postbeamte daran bedient (liebste Pamaguki, es müsste so um den 15.10. ankommen, also bitte Bescheid sagen wenn es da ist). Außerdem ist zu erwähnen, dass es hier das erste Mal seit langem ein bißchen geregnet hat. Komisch. Ansonsten haben wir uns um den Besuch von Machu Picchu gekümmert und teure Eintrittskarten (ca. 50US$ p.P) und Zugtickets (ca 100 $ p.P) gekauft, da es nach Aguas Calientes, dem an Machu Picchu nächstgelegenen Ort, keine Straßenverbindung gibt. Bus, Wandern oder der Helikopter sind die einzigen Möglichkeiten, um dorthin zu kommen. Nachdem wir genug von Cusco gesehen hatten sind wir nach Ollantaytambo ins Heilige Tal der Inka abgereist, von wo aus unser Zug nach Machu Picchu fährt.

Trekking im Colca Canyon

Um 3.30 Uhr morgens wurden wir zusammen mit Nils und Antje an unserem Hostel in Arequipa abgeholt, um im Minivan Richtung Colca Canyon zu fahren. Der Colca Canyon ist der zweittiefste Canyon der Welt (3000m tief), unser Ausflug führte uns aber durch einen relativ flachen Teil. Wir haben die ganze Fahrt gequatscht und sind damit wahrscheinlich unseren äußerst müden Mitreisenden (unsere Wandergruppe bestand aus 9 Personen) auf den Keks gegangen. Außerdem haben wir den wunderbaren Sternenhimmel bewundert, einen Pass auf 5000m überquert, so dass es empfindlich kalt im Bus wurde und die längste Sternschnuppe beobachtet, die wir je gesehen haben. Sie flog und flog und flog, so dass sie jeder von uns gesehen hat. „Irgendwann“ brach sie in mehrere Teile und der Schweif verschwand über dem Dach unseres Busses. Nach einem Zwischenstopp zum Frühstücken fuhren wir durch einen gruseligen, recht langen Tunnel, der natürlich nicht den deutschen Sicherheitsstandards entspricht. Er war eng, unbefestigt und unbeleuchtet und sehen konnte man auch nichts, da die Reisebusse vorher auf der trockenen Piste schon unheimlich viel Staub aufgewirbelt hatten. Besonders Christina war froh, aus dem stickigen Dunkel wieder herauszukommen. Kurze Zeit später erreichten wir den Aussichtspunkt Cruz del Condor, wo wir (zusammen mit unzähligen anderen Touristen) Condore beim Schweben über den Canyon beobachten konnten. Ein tolles Erlebnis. Und hier haben wir übrigens Nathan aus Mainz wiedergetroffen. Witzig. Um etwa 9 Uhr gelangten wir zum Ausgangspunkt für unsere Trekkingtour am Rande des Canyons nahe dem Ort Cabanaconde. Ab hier wanderten wir etwa vier Stunden lang und 1000 Höhenmeter auf Serpentinen-Pfaden in den Canyon hinab. Hierbei klafften auf der einen Seite immer wieder fiese Abgründe, es war richtig heiß und die Sonne brannte unerbittlich auf uns herab, da es hier auch keine Bäume gibt. Außerdem ging das Bergablaufen auf dem steinigen Boden ganz schön auf die Oberschenkel, aber die Aussicht hinauf zu den schneebedeckten Gipfeln und in den Canyon hinab auf die kleinen Dörfer, den smaragdfarbenen Fluss und die grünen Terrassen zum Anbau von Obst und Gemüse, die noch aus vor-Inka-Zeiten stammen, war brillant. Unser junger, motivierter Guide erzählte uns einiges über die Kultur und Natur der Gegend. Am frühen Nachmittag erreichten wir unsere erste Unterkunft. Sie hatte Zeltplatz-Standard, bestand aus kleinen Stein- und Bambushütten mit Bett, einer Gemeinschaftsdusche aus der fast kein Wasser kam und einem Klo innerhalb eines kleinen Metallverschlags und Strom gab es auch nicht. Gut, dass wir unsere Taschenlampen dabei hatten. Also alles recht einfach, aber charmant und authentisch. Gekocht wurde für uns ebenfalls in so einer kleinen Hütte auf offenem Feuer und hauptsächlich mit regionalen Produkten, da das Dorf keine Straßenverbindung hat und alles mit Mulis in den Canyon herabtransportiert werden muss. So kam es, dass wir zum Abendessen Alpaka probieren konnten. Schmeckt ganz okay, hat uns aber auch nicht umgehauen. Und eine Flasche Wasser kostet im Canyon das 4-fache wie normal- und das bei der Hitze. Den Nachmittag haben wir im netten Garten verbracht, die Ruhe (kein Hupen, juhuuu!), die gute Luft, das Rauschen des Flusses und die Aussicht auf die umliegenden Berge (oder besser Canyon-Wände) und die Feigen- und Avocado-Bäume genossen. Ein wunderschöner Ort. Uli ist dann noch zusammen mit unserem Guide, einem Dorfbewohner und Nils fischen gegangen. Die beiden Peruaner haben sich sehr bemüht, Nils und Uli das Auswerfen des Netzes näher zu bringen, allerdings ohne Erfolg. Der Dorfbewohner konnte dann doch noch einige Fische fangen, die wir dann am Abend frisch zum Abendessen bekamen. Uli hat es sich auch nicht nehmen lassen, in dem eiskalten Fluss (Gletscherwasser von den Bergen) zu baden – sehr erfrischend. Als es dunkel war, haben wir uns ein bisschen Zeit zum Sterne beobachten genommen. Das geht hier besonders gut, da es keinen Strom und dementsprechend kein Licht gibt, man relativ hoch ist und die Luft klar und trocken ist. Wir wussten gar nicht, dass es so viele Sterne gibt. Der ganze Himmel war voll, und wir konnten sogar die Milchstraße sehen. Nach einer kalten und doch etwas unbequemen Nacht führte uns unsere Wanderung zunächst durch die eben schon erwähnten Terrassen zum Anbau von Obst und Gemüse. Wir haben uns gefühlt wie im Garten Eden. Eben hatten wir noch Ausblick auf die trockenen, kargen Canyon-Wände und jetzt waren wir im üppigen Grün, umringt von exotischen Obst- und Gemüsebäumen und kleinen Kanälen zur Bewässerung der Terrassen. Irgendwann passierten wir das nächste Dorf und alles war so friedlich, da es keine Straßen gibt, nur kleine Pfade zwischen den Häusern durch. Schon am Mittag erreichten wir unsere nächste Unterkunft im Dorf Sangalle, das auch Oase genannt wird. Die Unterkunft hatte auch Zeltplatz-Stil und wir mussten sie mit anderen Wandergruppen teilen. Dafür war sie aber wesentlich luxuriöser: es gab Strom (aus Wasserkraft), einen Pool mit Fluss-Wasser und die Dusche funktionierte auch besser ;-). Der Nachmittag bestand wieder aus entspannen, baden und quatschen fernab von Lärm und Trubel. Herrlich. Am dritten Tag unseres Ausflugs hieß es wieder früh aufstehen, da wir den 1000-Höhenmeter-Aufstieg hinter uns bringen wollten, bevor die Sonne die Canyon-Wand erreicht. Der Aufstieg wäre sonst unerträglich geworden. Morgens um 5.15 Uhr ging es also los, und da Christina sportliche Anstrengung bei Hitze nicht gut verträgt, sind wir innerhalb von 2h 15 min die Wand „hochgespurtet“, um der Sonne zu entgehen. Hatte was Vampir-mäßiges. Hierbei konnten wir den den Sonnenaufgang beobachten. Nach und nach wurde es heller und dann wurden zunächst die Bergspitzen und dann die (zum Glück) gegenüberliegende Felswand in goldgelb angestrahlt. Nach dem Frühstück in Cabanaconde ging es im Minivan zurück Richtung Arequipa. Unterwegs stoppten wir noch bei heißen, vulkanischen Quellen, wo wir unsere wandergeplagten Muskeln etwas entspannen konnten. Im Dorf Chivay wurden wir zum Mittagessen an einem Touristen-Restaurant abgesetzt. Da das Mittagessen nicht im Tourpreis inklusive war und wir nicht das 4-fache wie üblich bezahlen wollten,­­ haben Uli und ich uns kurz abgeseilt… Weiter auf dem Weg nach Arequipa hielten wir noch an markanten Punkten, wie z.B. an dem schon auf dem Hinweg überquerten Pass, bei dem man einen guten Ausblick auf die umliegenden Berge hatte und an einer Stelle, wo man die hier wild lebenden Vicuñas (so was wie Alpakas oder Lamas) beobachten konnte. So jetzt dürft ihr mal raten, was uns die ganze Tour gekostet hat. Guide, 3 Frühstücke, 2 Mittagessen, 2 Abendessen, 2 einfache Unterkünfte, 6-7 Stunden Busfahrt mit einigen Stopps zum Tiere beobachten und baden usw….: pro Person 43 US$ für die Tour + 27 US$ Eintritt Nationalpark + 3,80 US$ für den Eintritt in die heißen Quellen. Dann noch ein paar Dollar für das Wasser im Canyon und das letzte Mittagessen. Sensatinonell! Am Abend erreichten wir unser Hostel in Arequipa, duschten noch schnell und nahmen anschließend zusammen mit Nils und Antje den Nachtbus nach Cusco.

Arequipa und unser erstes (christlich)-religiöses Gebäude

Früh morgens erreichte unser Nachtbus Arequipa, die zweitgrößte Stadt Perus. Als wir die Busvorhänge zur Seite zogen waren wir überrascht, da wir mit anderer Landschaft gerechnet hatten. Wir hatten erwartet, die karge Nasca-Wüste wieder hinter uns zu lassen und wieder die uns bisher bekannte Andenlandschaft zu sehen. Doch hier im Süden hat auch die Andenlandschaft etwas wüstenartiges: Steine und Sand weit und breit und immer wieder ein paar ebenfalls karge hohe Berge wie der El Misti (5800m), der aktive Haus-Vulkan Arequipas. Am Busterminal trafen wir dann Antje und Nils, ein deutsches Pärchen, wieder, mit denen wir am Vorabend vom gleichen Hostel aus – nur in anderen Bussen – nach Arequipa gestartet sind. Wir teilten uns ein überteuertes Taxi zum Hostel Home sweet home, wo wir ein Doppelzimmer mit Privatbad für ca 19 $ pro Nacht nahmen. Das Hostel war okay und sauber, doch das Beste  war das Frühstück mit Pfannkuchen, Ei, frischem Saft und den bei Christina mittlerweile verhassten Brötchen mit Marmelade. Den ersten Tag verbrachten wir damit uns in Arequipa zu orientieren, einzukaufen und eine Tour mit Nils und Antje in den Colca-Canyon zu buchen. Witzigerweise trafen wir im Supermarkt auch Nathan wieder, den Mainzer, mit dem wir in Huaraz zu der hübschen türkisfarbenen Lagune gewandert waren. Am nächsten Tag haben wir uns das Kloster Santa Catalina angeschaut, da es uns schon von einigen Reisenden unabhängig voneinander empfohlen wurde. Es ist das bedeutendste Kolonialgebäude Perus und bildete eine autarke Stadt in der Stadt. Wir sind ja eigentlich keine Besucher von religiösen Gebäuden, aber wir sollten nicht enttäuscht werden. Das Kloster ist extrem gepflegt und erhalten und die Wände waren in leuchtenden Farben gestrichen. Hinter jeder Ecke wartete eine kleine verwinkelte Straße mit hübschen Blumen, ein Innenhof mit Orangenbäumen oder ein kleiner Platz mit Brunnen. Auch innerhalb des Gebäudes war alles so hergerichtet, wie es damals ausgesehen haben muss. Wir haben uns eine Führerin mit einem älteren schweizerischen Paar geteilt und waren sehr überrascht darüber, wie sehr für die Schweitzer die Tatsachen, dass die Nonnen dort eingesperrt waren (jede 2. Tochter einer Familie wurde Nonne, ob sie wollte oder nicht) und die indigenen Dienerinnen schlecht behandelt wurden, im Vordergrund standen. Sie waren fast entsetzt darüber, dass wir das Gebäude so schön fanden. Anschließend gönnten wir uns einen Burger und ein Stück Schokoladen-Torte (Christina steht hier komischerweise auf Schoko-Torte) in einem überteuerten aber gemütlichen Straßencafé im schicken UNESCO-Weltkulturerbe-Zentrum von Arequipa. Den späten Nachmittag haben wir noch im Hostel verquatscht, da hier komischerweise wieder total viele Deutsche sind. Sowieso ist es ungewohnt, hier im Süden Perus auf so viele Touristen zu treffen und so schnell so viel Geld auf einmal ausgeben zu können 😉

Nasca-Wüstenmalerei

Nach einem 24-stündigen Busmarathon erreichten wir Nazca – Lima haben wir einfach ausgelassen-und sind in einem netten Hostel (Hospedaje Yenama – 19$ für ein Doppelzimmer mit Privatbad) gelandet. Vor allem der Besitzer war ein Highlight- ein supernetter Peruaner, der uns etwas des Nationalschnapses – Pisco (Traubenschnaps) – eingeflösst hat. Nazca kam auch schon wieder einem kleinen Kulturschock gleich, da es hier so viele Touristen gibt. So viele „Weiße“ auf einem Haufen haben wir lange nicht mehr gesehen. Und die Preise waren auch viel höher als im Norden Perus. Aber daran müssen wir uns hier in Südperu gewöhnen, weil hier einfach die meisten Touristenattraktionen sind. Gleich am nächsten Tag ging wieder (vor allem für Christina) ein kleiner Traum in Erfüllung: wir sind in einer Cessna über die mysteriösen Nasca-Linien geflogen.  Der Flug dauerte etwa 30 Minuten und kostete 90 Dollar (mit Transport zum/vom Flughafen). Unser Tagesbudget war damit komplett gesprengt, aber egal. Wir wollten den Flug nicht missen. Die Linien konnte man aus dem Flugzeug super sehen und es war einfach toll, mal einen Eindruck von deren Ausmaß zu bekommen.  Die Archäologen glauben heute, dass sie rituelle Orte waren, an denen Zeremonien zu Ehren des Wassers und der Fruchtbarkeit gefeiert wurden. Wir sind ja in der Wüste, macht also Sinn, nicht? Gegen Ende des Fluges wurde uns zwar noch ziemlich schlecht, aber die Kotztüte brauchten wir zum Glück nicht. Am Nachmittag hat Christina ihren ersten Haarschnitt bekommen- von einem schwulen Frisör in Frauenklamotten für umgerechnet 2,50 Euro. Ein bisschen schief geworden ist es schon, aber egal. Hier kennt mich ja keiner, gelle? Den restlichen Nachmittag haben wir auf der Dachterrasse des Hostels verbracht, die größte Sanddüne der Welt (Cerro Blanco, ca 1500 m hoher Sandhaufen) geskypt und verschwätzt. So viele Deutsche wie hier haben wir noch nie getroffen… sehr ungewohnt, aber nett.

Wir spielen Archäologe!

Zurück in Huaraz haben wir den Ansprechpartner für die Ausgrabungen in Chavin ausfindig gemacht. Er sagte uns, dass wir einfach nach Chavin fahren sollen und dort den verantwortlichen Professor fragen sollen, ob wir helfen können. Er klang sehr zuversichtlich und so haben wir uns wieder in den Bus nach Chavin gesetzt, um über die viele vielen Serpentinen über die Bergkette zu fahren. Während der Hotelsuche hatten wir auch wieder ein typisch peruanisches Erlebnis: manchmal hat man das Gefühl, die Leute hier wollen gar kein Geld verdienen. Wir haben in einem Gasthaus nach einem Zimmer gefragt und auf die Frage hin, ob wir das Zimmer denn auch sehen könnten, sagte uns die etwas forsche Besitzerin, dass die Zimmer schön seien. Wir haben nochmal wiederholt, dass wir das Zimmer gerne sehen wollen, da wir natürlich nicht die Katze im Sack kaufen wollen. Sie sagte wieder  nur, dass die Zimmer schön seien. Daraufhin sind wir dann einfach gegangen, auf sowas haben wir auch keinen Bock. Im nächsten Hotel fanden wir´s richtig nett, wir waren nur sehr verzweifelt, da die Besitzerin uns sagte, dass das Archäologen-Team aus Stanford gestern abgereist sei, weil die Semesterferien in den USA zu Ende gehen. Wir konnten unser Pech nicht fassen! Da sind wir extra dahingefahren um herauszufinden, dass das Archäologen-Team einen Tag vorher abgereist ist. Beim Abendessen im Lokal entdeckten wir dann zwei junge Männer an einem Tisch, die eine Weste mit „Archäologie-Projekt Chavin“-Aufdruck getragen haben. Wir packten die Gelegenheit beim Schopf und erzählten ihnen, dass wir extra nach Chavin gekommen waren, weil wir gerne mal bei den Ausgrabungen helfen wollten. Sie sagten, dass dies bestimmt möglich sei und rieten uns am nächsten Morgen bei Augusto, dem Leiter des Projekts vor Ort, nachzufragen. Augusto nahm uns tatsächlich mit aufs Gelände- diesmal hinter die Absperrungen, wo wir drei Tage vorher noch mit Neid auf die buddelnden Menschen geschaut hatten. Jippie, geschafft. An einer der vielen Ausgrabungsstellen trafen wir den jungen Archäologen Dante und sein Team von 3 peruanischen Hilfsarbeitern, die sich uns annahmen und soooo freundlich waren. Dante hatte überraschend viel Vertrauen in uns, so dass wir mit Hacke und Besen Mauern freilegen durften, Erde sieben und nach Scherben und Knochen durchsuchen konnten, den Kram in Tüten sortierten. Wir waren wirklich so überrascht, dass wir wie die Leute dort auch einfach mitarbeiten durften. Das Ganze ist ja auch nicht irgendeine Ausgrabungsstelle- es ist UNESCO Weltkulturerbe!  So hackten, siebten und sortierten wir den lieben langen Tag und waren glücklich. In Gedanken waren wir oft bei meiner Schwester Birgit, die hier wahrscheinlich das ganze Jahr geblieben wäre, um glücklich mitzugraben. Wir haben schon Pläne geschmiedet, wann und wie wir sie am besten hierherkriegen. Uli hatte am Abend zwei richtig fiese Blasen an den Händen. Wir waren komplett eingestaubt und wenn wir zu Hause sind, brauchen wir erstmal eine Ohrenspülung…. So viel Dreck kam da noch nie raus 😉 Am nächsten Tag durften wir dann wieder richtige Archäologen-Arbeit machen und eine Mauer im Maßstab 1:20 auf Millimeter-Papier übertragen. Man musste sich ganz schön konzentrieren, vor allem wenn man keine Übung hat. Den Abstand der Eckpunkte der Mauer-Steine hat Christina zusammen mit zwei der Hilfsarbeiter mit Lineal, Zollstock und einem knapp über dem Boden gespannten Seil anhand von Fixpunkten bestimmt  und dann die Steine auf dem Papier eingezeichnet. Toll! Und mit unseren schicken Hüten und eingestaubt wie wir waren sahen wir ja auch schon fast aus wie richtige Archäologen. Mittags waren wir dann noch mit Dante was essen, haben aber schweren Herzens beschlossen weiterzureisen. Unseren anderen peruanischen „Kollegen“ haben wir dann noch als Dankeschön ein Bier vorbeigebracht, worüber sie sich sichtlich gefreut haben. Die Entscheidung weiterzureisen fiel uns wirklich schwer, da wir noch so viel hätten Buddeln können und die vier so nett waren. Man merkt auch, dass man es hier in der Fremde vermisst, sich mal irgendwo zugehörig zu fühlen. Da wir aber durch Höhenakklimatisation und meine Krankheit schon so viel Zeit „verloren“ hatten und Uli eh schon offene Blasen an den Händen hatte, zog es uns weiter und wir nahmen den Nachtbus nach Lima.

Zwei Amis in Peru

Wir sind morgens um 5 Uhr aufgestanden, um von Huaraz aus mit dem Bus über die Cordillera Blanco in eine Andenlodge zu fahren. Und dann, nach dem Aufstehen fiel uns auf, dass wir von der Idee doch nicht so richtig überzeugt sind. Spontan haben wir dann versucht herauszufinden, ob es möglich ist in Chavin de Huantar bei den Ausgrabungen zu helfen. Unseren Hostelpapa haben wir gefragt, wie wir das wohl anstellen könnten. Er hat uns zum Ministerium für Kultur in Huaraz geschickt. Dort angekommen fiel uns auf, dass Samstag ist und der Ansprechpartner natürlich nicht arbeitet. Damit waren Plan A und B ist Wasser gefallen und Plan C wurde ins Leben gerufen, bei dem Jim eine wichtige Rolle spielte. Jim ist US-Amerikaner, etwa Anfang 60 Jahre alt und nach Peru ausgewandert. Er wohnt dauerhaft im Caroline Hostel und wir konnten ihn während unseres längeren Aufenthaltes (der ja durch die Krankheit unfreiwillig verlängert wurde) in dem Hostel kennenlernen. Jim hat einen ebenfalls US-amerikanischen Freund, der ebenfalls ausgewandert ist und im Nachbarort Caraz wohnt. Er hat eine „Hilfsorganisation“, bei der es darum geht peruanischen Lehrern das Lehren beizubringen. Das Problem der peruanischen Lehrer ist, dass sie eben schlecht ausgebildet sind. Jim meinte, dass Mac sich freuen würde, wenn wir mal vorbeischauen da Uli ja Lehrer ist und er sich gerne austauschen würde. Wir sind also noch am Samstag nach Caraz gefahren und zu Jim nach Hause gegangen. Wir hatten einen netten Nachmittag, haben viel gequatscht und er hat abends noch für uns gekocht. Es war so angenehm, mal wieder in einem „westlich“ eingerichteten Haus mit westlichem Standard zu sein, wo man einfach alles anpacken kann und die Küchenutensilien bedenkenlos benutzen kann. Außerdem haben wir Salat aus seinem Garten bekommen. Welch ein Highlight-wir sind ja eigentlich keine Salat-Fans- da wir hier ja aus hygienischen Gründen keinen essen können… Mac ist wie Jim auch ein unheimlich interessanter Mensch, der viel zu berichten hat. Spannend war auch, dass er angerufen wurde und aus seinem quasi Ruhestand geholt wurde, um nochmal nach Afghanistan zu gehen, weil er ein wichtiges Tier zu sein scheint. Das Geld für die Zeit in Afghanistan hat er genommen, um es in sein Lehrer-Ausbildungsprojekt zu investieren. Sehr beeindruckend. Falls euch die Projekte von Jim und Mac interessieren und ihr vielleicht sogar was spenden wollt (hier geht kaum ein Cent an Bürokratie verloren): teachateacher.org und changesfornewhope.org. Wir haben ausgemacht, dass wir uns am Montag in der Dorfschule treffen und wir beim Unterricht einer Lehrerin zuschauen, so dass Uli ihr danach feedback geben kann. Den Sonntag haben wir dann in unserem netten Hotelhof auf dem Liegestuhl verbracht und haben viel gelesen. Auf dem Foto seht ihr uns im Hotelhof mit unseren äußerst angenehm zu tragenden Smartwool T-Shirts, die wir von outdoorworks (s.Sponsoren). Und wir können bestätigen, dass man Merino-Wolle lange tragen kann, bis sie stinkt! Eigentlich wollten wir auch skypen und im Internet was erledigen, aber natürlich war mal wieder der Strom weg. Montag morgen haben wir dann eine email von Mac gelesen, dass sich die betreffende Lehrerin krank gemeldet hat. Mmmh, ob sie wohl Angst hatte? Wir haben beschlossen nicht noch einen Tag zu warten, sondern zurück nach Huaraz zu fahren, um unseren Plan, in Chavin bei den Ausgrabungen zu helfen, weiterzuverfolgen.