Wieder Zuhause!

Von Bangkok flogen wir mit Air India und einer Zwischenlandung in Neu Dehli zurück nach Frankfurt. Zurück ins Heimatland, ein Begriff, der nun, wo wir so lange in fremden Kulturen unterwegs waren, mit Inhalt gefüllt wurde. Dank Monitoren im Vordersitz mit vielen, vielen Filmen verging die Zeit „wie im Flug“. Als wir in Deutschland gelandet waren, waren wir froh, dass es nicht bitterkalt draußen war. Richtige Winterklamotten hatten wir nämlich nicht im Gepäck. Ziemlich geschafft kamen wir bei Julia und Frank in Mainz (Vielen Dank für das Asyl!) an, wo wir die ersten beiden Nächte verbrachten. Wieder in einer richtigen Wohnung angekommen, freuten wir uns über Kleinigkeiten wie warmes Wasser am Waschbecken, saubere Klos und den Wasserkocher. Und die Dusche erst! Am nächsten Morgen ging Christina ersteinmal zum Frisör, um sich ihren vergrützten Schnitt und die herausgewachsenen Strähnchen wieder in Ordnung bringen zu lassen. Wir wollten ja niemanden verschrecken. Dann startete unser „Überraschungsfeldzug“, denn niemand wusste von unserer Heimkehr. Uli überraschte seine ehemaligen Arbeitskolleginnen in Wiesbaden und Christina in Mainz. Die Wiedersehensfreude war sehr groß und es bereitete uns sehr viel Spaß, die verdutzten Gesichter zu sehen. Nach der langen, abendlichen Fotosession mit Frank und Julia fuhren wir am nächsten Morgen mit der Bahn bis in unser Heimatstädtchen, wo wir schon vor 7 Monaten unser großes Abenteuer begonnen hatten. Die gut 3-stündige Fahrt dorthin, die uns früher immer wie eine Ewigkeit vorkam, war jetzt ein Katzensprung. Genauso hat sich unsere Beziehung zu den Zug-Toiletten verschoben: man kann dort ja fast vom Fußboden essen! Als erstes überraschten wir Christinas Eltern, die wirklich baff und voller Freude und Glück waren, als wir plötzlich vor ihrer Haustür standen. Christinas Papa hat für gefühlte 30 Sekunden kein Wort herausgebracht und sah eher so aus, als wollten seine Beine versagen. Auch der Rest der Familie freute sich immens über unsere Rückkehr. Am Nachmittag fuhren wir zu Ulis Eltern, die uns erst für „Klingelmänchen“ hielten. Als Ulis Mama um die Ecke schlinste und plötzlich Christina erkannte, war die Überraschung perfekt. Es ist ein tolles Gefühl wieder Zuhause zu sein!
Unser erster Eindruck von Deutschland war überraschend positiv ausgefallen. Dachten wir früher doch immer, dass die Menschen in Deutschland häufig grummelig sind, so wurde die Freundlichkeit der Menschen hier fast zum Kulturschock. Die Preise, z.B. für Lebensmittel, sind – im Verhältnis dazu was die Menschen hier verdienen – sehr niedrig. Wir werden uns wohl so schnell nicht mehr über „zu teuer“ beschweren. Nun wohnen wir schon ein paar Tage bei unseren Eltern und am meisten vermissen wir das baumreife, richtig leckere Obst, die kleinen und großen Abenteuer und die spektakulären Landschaften Lateinamerikas. Am wenigsten vermissen wir die finanzielle Knappheit, die vielen Stunden im Bus, die Suche nach vernünftigen Unterkünften und die Nächte in schlechten Betten. Genießen tun wir die Unbeschwertheit, mit der man hier in Deutschland leben kann. Man kann das Wasser aus der Leitung trinken, hat nicht ständig das Gefühl, dass überall Wurmeier kleben könnten, kann eine Orange auch mal schälen, ohne sie vorher mit Seife gewaschen zu haben. Noch ungewohnt für uns ist der geregelte Alltag.
Nun fangen wir an, in die Zukunft zu blicken. Wir freuen uns darauf, alle Freunde wieder zu sehen, eine schöne Wohnung und neue berufliche Herausforderungen.
Wir danken unseren Sponsoren für die Unterstützung. Wir danken allen, die mit uns  unserer Reise entgegengefiebert und uns bei der Planung und ideell und mit Rat und Tat unterstützt haben. Wir danken allen, die unsere Reise verfolgt und fleißig lustige und aufbauende Kommentare geschrieben haben. Und wir danken unseren Familien, deren Nerven in dieser Zeit sicherlich übermäßig strapaziert wurden und die uns für die Übergangszeit ein gemütliches zu Hause geben.

1 Hochzeitsreise
—3 Kontinente
——7 Monate
——–10 Länder
———-12 höchste Windstärke
————13kg Gewichtsverlust Uli
————–14 Nachtbusfahrten
—————–32h längste Busfahrt
——————-33kg Gepäck
———————74 Unterkünfte
———————–81 Blogartikel
————————-219 Tage on Tour
—————————500 Blog-Kommentare
——————————4900m höchste Übernachtung
——————————–5400m höchster Punkt
———————————-12.000 Fotos
————————————-25.000 km in öffentlichen Verkehrsmitteln
—————————————-42.000 km im Flugzeug
——————————————–80.000 Clicks im Blog
————————————————-unendlich viele Eindrücke

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Alle Wege führen nach Bangkok

In den frühen Morgenstunden erreichten wir nach unserer Nachtfahrt das nördliche Busterminal Bangkoks. Es war unglaublich zu sehen welchen Treiben schon um diese Uhrzeit dort herrscht. Massenweise Busse kamen gleichzeitig an und es gab an der Einfahrt zum Terminal sogar einen Stau. Überall standen Leute herum, die die Busse eingewiesen haben. Anschließend versuchten wir ein Taxi zu bekommen. Am „Taxistand“, also einem Bereich wo ein Taxi am anderen auf 4 Spuren einfährt, herrschte großer Andrang. Jeder versuchte eines der Taxen zu erwischen und es herrscht ein ziemliches Durcheinander. Eine Schlange gab es nicht und nachdem wir schon einige Zeit versucht hatten ein Taxi zu bekommen, entschieden wir, dass wir nun härter durchgreifen müssen. Wir teilten uns auf und gingen entschlossen auf die Taxis zu. Leider hatten die Taxifahrer auch noch bestimmte Zielwünsche (am liebsten zum Flughafen) oder wollten uns nur zu weit überhöhten Preisen zu unserem Hotel fahren. Nach einigen Fehlversuchen erbarmte sich ein Taxifahrer und fuhr uns zur Shanti-Lodge, wo wir schon vor einigen Wochen mal gewohnt hatten. Den Großteil des Tages verbrachten wir auf dem riesengroßen Wochenendmarkt, wo man allerlei Krimskrams, Kleidung, Souvenirs und Haushaltsartikel kaufen kann. Wir haben versucht ein Damast-Messer, die es dort günstig geben soll, zu kaufen, haben aber irgendwann müde aufgegeben. Dieser Markt ist einfach zu unübersichtlich und groß. Da wir Internet im Zimmer hatten haben wir abends mal wieder Tatort geschaut und sind früh ins Bett gegangen, da wir ziemlich müde von der Nachtfahrt waren. Am darauffolgenden Tag sind wir mit dem Taxi-Boot den Fluss herunter gefahren, um Bangkok vom Wasser aus anzuschauen. Danach fuhren wir mit dem Skytrain, einer Art Hochbahn, mit guter Aussicht von oben auf die Stadt zwischen den Hochhäusern hindurch zum Siam Square, dem Zentrum Bangkoks. Hier sind wir durch ein Einkaufszentrum gestreift, haben ein paar Souvenirs gekauft und sind ins Kino gegangen. Die Werbung vor Filmbeginn war noch länger als in Deutschland und wurde von einem kurzen „Propagandafilm“ zu Ehren des Königs, der bei seinen volksnahen Taten gezeigt wird und mit heroischer Musik unterlegt war, unterbrochen. Während dieser Vorführung standen auch alle Thailänder auf und sahen sich andächtig den Film an. Wir sind lieber auch einfach mal mit aufgestanden – zu Ehren des Königs. Der Film namens Parker war recht unterhaltsam, aber kein Highlight. Abends aßen wir noch gut im Restaurant der Shanti-Lodge, wohlwissend, dass es unser letztes Abendessen unserer Reise ist. Den Abend verbrachten wir mit Packen, da wir am nächsten Morgen um 5 Uhr abgeholt und zum Flughafen gefahren wurden.

Schräger Skulpturenpark

Den gesamten Tag verbrachten wir im Schüttel-Bus, da wir für die 380 km nach Vientiane 11 Stunden brauchten. Bus fahren grenzt hier wirklich an eine sportliche Leistung, da alle Muskeln zum Stabilisieren des Körpers benötigt werden. Würde man wegen Turbulenzen im Flugzeug so in seinem Sitz herumgeworfen werden, dann müsste man sich anschnallen.  Abends kamen wir also in Vientinane an und nahmen uns ein Zimmer für 17 Euro im echt gemütlichen Souphanaphone Guesthouse. Wir hatten sogar einen Duschvorhang! Unser Aufenthalt in Vientiane war kurz und wir haben nur einen kurzen Spaziergang zum Mekong und durch unser Viertel gemacht.  Das Flussbett des Mekong war halb leer und ansonsten scheint Vientiane eine ruhige, kleine Hauptstadt mit ein paar Kolonial-Holzhäusern zu sein. Mittags fuhren wir dann über die Freundschaftsbrücke über den Mekong nach Nong Khai, wo wir im  Mut Mee Guesthouse landeten.  Hier bekamen wir ein nettes Zimmer mit Gemeinschaftsbad für knapp 10 Euro. Besonders toll war das schöne Gartenrestaurant am Mekong mit leckerem Essen und freundlichem Personal, wo wir dann den Rest des Tages verbracht haben und unter anderem Christinas neuen Lieblingsnachtisch, nämlich Mango mit Klebreis, gegessen haben. Hierbei wird Klebreis mit Palmzucker und Kokosmilch verrührt und über die hier stets reifen, äußerst leckeren Mangos wird noch eine süße Kokossoße, die auch leicht salzig ist, gegossen. Ein Traum! Wir haben euch auch noch nicht berichtet, dass es hier in Thailand (auch in Laos) so lustige Geisterhäuser gibt. Vor jedem Haus steht ein mehr oder weniger kleines, kitschiges, exzessiv verziertes Häuschen (s. Foto) für die bösen Geister. So soll verhindert werden, dass sie in das Wohnhaus mit einziehen. Und um ganz sicher zu gehen, dass ihnen das Geisterhaus auch gefällt, liegen dort häufig auch kleine Gaben vor, wie z.B. Obst, Schnaps, Blumen oder Fanta.  Am nächsten Tag schlenderten wir zunächst über den Markt und fanden wieder allerlei Interessantes und Kuriositäten. Anschließend fuhren wir zum Salakaewkoo Skulpturenpark, wo ein laotischer Künstler, der vor vielen Jahren aus seinem Heimatland geflüchtet ist, teilweise exzentrisch anmutende, bis zu 30 m hohe Figuren aus Beton geformt hat. Alle Figuren sind buddhistisch oder hinduistischen Ursprungs und sehen dementsprechend „fantastisch“ aus. Am Abend nahmen wir dann einen Nachtbus nach Bangkok, um von dort aus unseren Flug nach Frankfurt zu nehmen.

BeMöncht und verWatet

Mit dem Boot fuhren wir von Muang Ngoi zum nächstgrößeren Ort, der an das Straßensystem angeschlossen ist. Dort stiegen wir in einen Minivan um, wo wir uns zu viert auf die Rückbank quetschen, die nur für 3 Personen gedacht ist. Busfahren ist hier auf jeden Fall immer eine kuschelige und langwierige Angelegenheit. Unsere Fahrt führte uns nach Luang Prabang, die zweitgrößte Stadt Laos. Sie ist bekannt für die Überbleibsel der französischen „Kolonialzeit“, die vielen alten Tempel und Mönche. Wir haben uns für 13 Euro ein superschönes Zimmer (Soutikone Guesthouse) in einem alten Kolonialhaus genommen – natürlich im unmuffigen ersten Stock und herzliche Besitzerin inklusive. Abends sind wir auf den Nachtmarkt gegangen, wo vor allem Souvenirs zu Schnäppchenpreisen und Essen angeboten werden. Unter anderem wurde auch aus Bomben gefertigter Schmuck angeboten, von dem Uli ganz fasziniert war. Am folgenden Tag besichtigten wir nach einem leckeren Frühstück – wir (auch Uli!) essen meistens frisches, reifes Obst (Ananas, Mango, Papaya, Banane) mit Joghurt und Müsli – besichtigten wir das älteste Wat (Tempel) der Stadt.  Und tatsächlich laufen im Stadtzentrum unheimlich viele Mönche in ihren orangefarbenen Kutten herum. Mittags fuhren wir zu einem beliebten Ausflugsziel nahe Luang Prabang namens Tad Kuang Xi. Hierbei handelt es sich um einen Wasserfall, der über mehrere kleine Sinterterrassen hinabfließt. Das Wasser in den Becken hat eine tolle, milchig-hellblaue Farbe. Den nächsten Tag verbrachten wir mit unserer weiteren Reiseplanung und Faulenzen. Zum Abendessen gönnten wir uns ein typisch laotisches „Barbecue“, eine Mischung aus Tischgrill (Fleisch) und Fondue (Gemüsesuppe), das am Tisch auf einem Kohlefeuer erhitzt wird. Hierbei aßen wir auch Wasserbüffelfleisch – das erste rote Fleisch seit Argentinien, was auch sehr lecker war. Am folgenden Morgen mussten wir wegen unseres Busses nach Vientiane sehr früh aufstehen. Wir frühstückten also etwa um 7 Uhr im Straßencafé und freuten uns, dass wir zu unserer Überraschung den morgendlichen Almosengang der Mönche beobachten konnten. Der Almosengang zählt zu den wichtigsten religiösen Handlungen im Theravada-Buddhismus. Die Mönche laufen in Gruppen und in einer Reihe mit Töpfen zu den an der Straße stehenden Gläubigen, die ihnen gekochten Reis, Obst und auch Süßigkeiten in die Töpfe geben. Aus Respekt vor der Bedeutung dieses Rituals, das auch meditative Züge hat, haben wir davon abgesehen zu fotografieren. Beschämt beobachteten wir die Touristen, welche in die Privatsphäre der Mönche eindrangen und sie wie im Zoo fotografierten und gar nicht genug Fotos bekommen konnten. Obwohl überall (Schilder, Reiseführer) dazu aufgerufen wird, das morgendliche Ritual nicht zu stören –erst Recht nicht durch Blitzlichtgewitter – finden sich überall in den Straßen Touristen-Paparazzis, die von jeder einzelnen Mönchs-Gruppe Fotos macht…. Statt das man sich in diesem Falle mal mit einem Bild begnügt.  Den gesamten Tag verbrachten wir im Schüttel-Bus, da wir für die 380 km nach Vientiane 11 Stunden brauchten. Bus fahren grenzt hier wirklich an eine sportliche Leistung, da alle Muskeln zum Stabilisieren des Körpers benötigt werden. Bei solchen Turbulenzen müsste man sich im Flugzeug anschnallen.  In Vientiane nahmen wir uns für 17 Euro ein total gemütliches und ruhiges Zimmer (sogar Duschvorhang!) im Souphaphone Guesthouse.

Endlich mal wieder „spektakulär“

Muang Ngoi ist ein kleiner, beschaulicher Ort, der sich schon gut auf den Tourismus eingestellt hat. Die Hauptstraße“ (also ein Feldweg) ist sehr gepflegt, doch sobald man von dieser abbiegt wird alles wieder sehr ursprünglich. Und der Ort ist nur mit dem Boot zu erreichen, so dass die großen Touristenschwärme noch ausbleiben. Im Dorf werden auch Bomben aus dem Vietnam-Krieg präsentiert (diese Region wurde heftig bombardiert) und die Einheimischen verwenden sie teilweise auch als Bauteile für ihre Hütten. Wir fanden einen tollen Bungalow im Ning-Ning Guesthouse für nur 7 Euro pro Tag. Nachdem wir uns frisch gemacht (Warmwasser gibt’s nur zwischen 16 und 18 Uhr) hatten, gingen wir hungrig zum schönen Schweden (einer der schönsten Männer, den Christina jemals in Echt gesehen hat) und trafen uns dort mit Kamala und Maja, um einen Happy Hour-Cocktail und ein Hähnchen-Suzy (eine Art Kokosnuss-Suppe mit Gemüse und Hähnchen) mit Reis auf der Terrasse am Fluss zu schlemmen. Da es abends doch recht kalt wurde und Christina trotz langer Unterhose, 2 T-Shirts,  2 Pullovern und einer Decke gefroren hat, beendete die Kälte irgendwann den Abend. Wir kehrten in unseren Bungalow zurück und mussten erstmal nach der Taschenlampe suchen, da es im Dorf nur zwischen 18 und 21.30 Uhr Strom durch Dieselmotoren gibt. Einige Gasthäuser nutzen auch kleine Dynamos, die am Fluss durch die Strömung betrieben werden. Der nächste Morgen wurde schon früh durch das durchdringende, unermüdliche Krähen der vielen Hähne eingeläutet. Auch die Nacht hindurch haben sie immer wieder das ganze Dorf terrorisiert und unter den Touristen sind sie ein beliebtes Gesprächsthema und Inspiration für hinterlistige Mordpläne. Einer davon wohnt auch zwischen unseren Bungalows, besonders gut gefällt es ihm auch genau darunter (Stelzenbungalow), und Christina hat durchaus mehr als einmal eine Morddrohung ausgesprochen. Am nächsten Morgen trafen wir uns mit Kamala und Maja am Frühstücksbüffet, dass an der Straße vor einem Restaurant aufgebaut wird. Es gab Porridge, verschiedenes Obst, Baguette (das allerdings nach verschimmeltem Mehl geschmeckt hat und daher für uns ungenießbar war), frittierte Nudeln, Pfannkuchen mit Schokosoße, Waffeln, Obstsalat mit Joghurt und Müsli, gebackene Bananen, Marmelade und Margarine, Omelette, Spiegeleier, Muffins, Saft, Kaffee und Tee, French Toast, laotische Kokos-Süßigkeiten, frittierten Reis, und noch vieles mehr – und das für nur 2 Euro pro Person, natürlich „all you can eat“.  Leicht überfressen zogen wir los, um ein kleine Wanderung ins Landesinnere zu machen. Während der Wanderung stellten wir entsetzt fest, dass auch hier viele Flächen abgeholzt sind und es auch hier gar keine Tiere gibt. Hier wird anscheinend Alles was kreucht und fleucht erschossen und gegessen. Auch während unserer Wanderung hörten wir einige Gewehrschüsse durch das Tal hallen. Auf hubbeligen Pfaden, die gerade breit genug für einen Roller sind, gelangten wir zu 2 Dörfern, wo es sogar kleine Touristen-Imbisse gab, wo man schön sitzen und etwas trinken oder essen kann.  Da es in Laos (auch Thailand) nicht üblich ist, mit kurzen Hosen (unter knielang) und schulterfreien Oberteilen vor die Tür zu gehen,  musste sich Christina trotz Hitze wieder mal noch ein T-Shirt überwerfen.  Neugierig  schlenderten wir durchs Dorf, wo wieder die schon bekannten auf Stelzen stehenden Holzhäuser, viele Kinder, Hühner, die auch ins Haus rennen, eine kleine Schule (@ Lena und Mika: 1x pro Woche Unterricht) und der Dorfbrunnen zum Duschen zu finden waren. Ein wenig Elektrizität wird auch hier vielleicht für ein, zwei privilegierte Hütten mithilfe eines kleinen „Wasserkraftwerks“ gewonnen, aber generell wird auf kleinen Feuerstellen vor dem Haus gekocht, so dass wir einen geräucherten Minztee hatten.  In der Nachmittagshitze spazierten wir wieder zurück nach Muang Ngoi und überfraßen uns nochmal beim 2-Euro-Abendbüffet. Daraufhin haben wir beschlossen am nächsten Tag zumindest abends wieder a la carte zu bestellen.  In den frühen Morgenstunden – es war noch dunkel draußen – wurden wir durch ein lautes, durchdringendes Getrommel wach, das sich nun mit den Hahnenkonzert vermischte. Wir dachten es wären betrunkene Falangs (das südostasische Wort für Gringo) und uns sehr für unsere Gattung geschämt. Später haben wir erfahren, dass die zwei letzten Mönche im Wat eine buddhistische Zeremonie abhielten und dieses Trommeln regelmäßig vorkommt – Tag wie Nacht. Den Tag verbrachten wir entspannt auf der Terrasse unseres Gasthauses, genossen die Aussicht auf den Fluss und die tollen Berge, beobachteten das Treiben am Fluss und die Dorfbewohner, die sich dort in Tücher gehüllt waschen, lasen und lösten Sudokus. Internet gab es hier natürlich nicht. Außerdem stellten wir fest, dass in Laos extrem viele Franzosen unterwegs sind. Schön hierbei war, dass auch die älteren Franzosen (so in ihren 50ern und 60ern) so wie wir auf eigene Faust durch das Land reisen. Viele Europäer, jung und alt, sind auch zum Radwandern hier. Am darauffolgenden Tag brachen wir nochmal zu einer schönen Wanderung zu einem der abgelegenen Dörfer auf. Leider wurde Uli abends etwas krank und von Durchfall, Übelkeit und leichtem Fieber geplagt, so dass wir nicht wie geplant am nächsten Morgen in Richtung Luang Prabang abreisen konnten. Zum Glück hatte er das Schlimmste innerhalb eines Tages überstanden und unserer Abreise stand nichts mehr im Wege.

Ölsardinen in der Achterbahn

Als wir im Bus von Luang Nam Tha nach Oudomxai fuhren, wurden wir bezüglich der Qualität laotischer Straßen eines besseren (oder eher schlechteren) belehrt. Wir zuckelten bergauf und bergab über schmale, löcherige und kurvige Straßen und genossen wieder den Ausblick auf die bewaldeten Hügel, die schönen großen Weihnachtssterne und die kleinen, ursprünglichen Dörfer. Wir sahen Kinder, die am Straßenrand spielten oder mit dem Fahrrad in Gruppen von der Schule heimfuhren. Und immer wieder liegen an den Straßenrändern Bündel länglicher Gräser, die von einem herumfahrenden Wagen eingesammelt und aus denen anscheinend Besen gemacht werden. In Oudomxai erwischen wir gerade noch unseren Anschlussbus nach Muang Khua am Nam Ou. Als wir losfuhren war er eigentlich schon rappelvoll. Der Gang wurde noch mit Plastik-Hockern für die „überschüssigen“ Fahrgäste vollgestellt, und hinter dem Fahrer auf dem Boden lagen Kissen und Säcke um auch den ganzen Platz auszunutzen. Uli hatte leider das Pech unsere vierstündige, holprige und kurvige Fahrt auf einem Plastik-Hocker verbringen zu müssen und er litt aufgrund des fehlenden Sitzfleisches besonders. Hierbei sei zu erwähnen, dass wir in den 4 Stunden 94 Kilometer gefahren sind. Obwohl der Bus bei der Abfahrt schon überfüllt war, stiegen immer wieder Leute zu und wundersamerweise tat sich auch immer noch ein Platz für sie auf. Und gerade als wir dachten, jetzt ist der Bus aber wirklich voll, stiegen noch 3 weitere Fahrgäste ein (die dann aber stehen mussten). Hier in Laos scheint ein Bus nie voll zu sein. Am späten Nachmittag erreichten wir Muang Khua und landeten in der wohl ungemütlichsten Absteige (Nam Ou Guesthouse, 4,50 Euro fürs DZ) unserer Reise. Da es nur für eine Nacht war und wir keine Lust hatten wieder hoch in den Ort zu laufen, fanden wir uns mit dem Zimmer ab. Das Essen im angeschlossenen „Restaurant“ mit schönem Flussblick war vielleicht auch das schlechteste, was wir in Asien hatten. Gekrönt wurde das Ganze vom Tee zum Frühstück, bei dem anscheinend ein schon einmal verwendeter Teebeutel genommen wurde – er war ungenießbar (wahrscheinlich haben sie einfach Kamalas Teetasse vom Vorabend wieder aufgeschüttet). Während des Frühstücks beobachteten wir das Treiben am Ufer, die Frauen, die im Fluss ihre Wäsche wuschen und die Kinder, die sich mit  Hahnenkämpfen die Zeit vertrieben. Nach dem Frühstück gingen wir herunter zum Bootsanleger. Die Bootsfahrt auf dem Nam Ou wird in unserem Reiseführer als eines der Highlights Laos beschrieben  und demenentsprechend gespannt und vorfreudig bestiegen wir ein kleines Boot in Richtung Muang Ngoi, wo wir übernachten wollten. Die ersten Stunden der Bootsfahrt haben wir ziemlich gefroren,  obwohl wir warm eingepackt waren. Wir fuhren und fuhren und fielen nach einiger Zeit in eine von Langeweile und Poschmerzen (wieder nur Holzplanken) hervorgerufene Trance, bei der wir beide unabhängig voneinander dachten, dass eine Bootsfahrt auf der Eder ja auch schön ist. Spielende, eifrig winkende Kinder, Wäsche-waschende und Flussalgen-sammelnde Frauen (Flussalgen werden hier zum Kochen verwendet) und Fischer waren die Highlights während der Fahrt und wir waren gedanklich schon auf der Internetseite, auf der wir Flugpreise nachschauen, um möglichst schnell aus Laos wegzukommen. Tiere scheint es hier nicht zu geben, nicht einmal Vögel, da hier stark gewildert wird. Und die Hügel entlang des Flusses waren meist gerodet und mit monotonen Kautschukplantagen und unschönem Sekundärwald bewachsen. Das soll ein Highlight Laos sein? Während der letzten Stunde unserer vierstündigen Fahrt änderte sich die Landschaft jedoch dramatisch und endlich kamen die steilen Karstberge, die noch mit Urwald bewachsen sind, in Sicht. Erleichtert genossen wir die schöne Aussicht vom Boot aus und freuten uns, dass der Wald hier noch in Takt ist und der Reiseführer doch nicht zu viel versprochen hatte. Am frühen Nachmittag gingen wir im 900 Seelen-Dörfchen Muang Ngoi an Land und waren sofort begeistert von seiner idyllischen Lage und der guten Mischung aus Ursprünglichkeit und touristischer Infrastruktur.

Kein-Trekking-Tour

Um nach Laos zu kommen, fuhren wir mit einem Boot über den Mekong nach Houay Xai und beäugten die lange Schlange am Immigrations-Büro an. Anscheinend sind alle Touristen gleichzeitig dort angekommen und es ging leider gar nicht voran. Nachdem wir die Visa-Unterlagen ausgefüllt hatten warteten wir geduldig darauf, dass wir sie zusammen mit unserem Pass abgeben können. Dann stellte Uli sich in eine neue Schlange, um 20 Euro pro Person zu zahlen und unseren Pass mit Visum zurückzubekommen. Währenddessen hat Christina sich in der Gelwechsel-Stube-Schlange angestellt, um thailändische Baht zu einem äußerst erfreulichen Kurs in laotische Kip zu tauschen. Hier wurden wir auch Millionär, da man für einen Euro 10.000 Kip bekommt. In Houay Xai buchten wir einen Platz in einem Minivan, um durch die schöne hügelige Landschaft mit Urwald über Kötzchen-erregende kurvige Straßen nach Luang Nam Tha zu fahren.  Wir durchfuhren viele kleine Dörfchen und bewunderten die leuchtend grünen Reisfelder, großen WeihnachtsSTERN-Bäume, Hibiskusse und Bougainvilles. Die Straße auf der wir fuhren war überraschend gut, perfekt geteert und sogar manchmal dreispurig. Eigentlich waren sie so gut wie in Deutschland und wir haben uns gefragt, wie sich ein so armes Land so gute Straßen leisten kann – zumal die Straßen völlig leer sind, da sich hier sowieso niemand ein Auto leisten kann. Auf den Straßen befinden sich nur ein paar wenige Busse und Roller, thailändische LKWs – eigentlich gehört sie den Enten, Hühnern und Schweinen. Häufig sieht man minutenlang keine anderen Fahrzeuge. Wir vermuteten, dass die guten Straßen ein kommunistisches Prestige-Objekt sind, haben aber dann erfahren, dass China Straßen in Laos finanziert, um die Versorgung Chinas mit Lebensmitteln, Kautschuk usw. zu sichern.  Über unseren Fahrer haben wir auch viel gelacht, da wir mit einem relativ neuen Minivan über leere, gut geteerte, wenn auch kurvige Straßen gefahren sind und für 190 km 4 Stunden gebraucht haben. Wir sind quasi geschlichen und bergauf sind wir häufig nur 20 gefahren, obwohl man mit dem neuen Van wirklich mit 80 hätte hochfahren können. Ein interessantes Erlebnis. Wir haben uns schon gefragt, wie er sich wohl auf einer vergleichbaren deutschen Bundesstraße fühlen würde, wenn ihn alle überholen. Am Busterminal nahmen wir ein Tuk-Tuk ins 10 km entfernte Luang Nam Tha. Hier wurden wir gleich – wir befanden uns noch keine 7 Stunden in Laos – übers Ohr gehauen. Wir dachten wir wären nach Lateinamerika mit allen Wassern gewaschen, aber da hatten wir falsch gedacht. Der laotische Tuk-Tuk-Fahrer sprach natürlich kein Englisch, konnte uns aber immerhin sagen, dass die Fahrt pro Person 10.000 Kip kostet. Uli hat ihm 50.000 Kip gegeben, woraufhin der Fahrer sich weggedreht hat. Auf die Nachfrage nach den 30.000 Kip Wechselgeld hat der Fahrer behauptet, dass wir ihm einen 20.000 Kip-Schein gegeben haben bzw. gar nicht versteht was wir von ihm wollen. Das Wechselgeld haben wir natürlich nicht mehr bekommen. Natürlich ist es nicht schlimm, 3 Euro zu viel bezahlt zu haben, aber man fühlt sich einfach so hilflos, verarscht und wie eine Weihnachtsgans zum Ausnehmen, wenn jemand einem kackendreist ins Gesicht lügt und dann einfach so tut, als würde er gar nix verstehen. In Luang Nam Tha war es gar nicht so einfach eine Unterkunft zu finden, da sie entweder schon voll waren oder nur noch die verschimmelten Erdgeschoss-Zimmer frei waren. Das ist hier in Laos ein Phänomen: die Hotels können noch so schön und sauber sein, die EG-Zimmer riechen meist richtig muffig, so dass wir mittlerweile immer gleich nach einem Zimmer oben fragen, die dann richtig toll sind. Nachdem wir ewig lange mit unseren schweren Rucksäcken die Dorfstraße auf und ab gelaufen sind haben wir völlig entnervt ein ganz nettes Hotel am Dorfende gefunden, wo wir als einzige Gäste freundlich empfangen wurden. Trotzdem haben wir uns dazu entschieden am nächsten Tag in das schöne Zuela Guesthouse (7 Euro pro Zimmer) umzuziehen, da es dort viele andere Gäste gab und es immer ein bisschen komisch ist, in einem „toten“ Hotel zu wohnen. Im zugehörigen Restaurant haben wir für 2,50 Euro richtig gutes, typisch laotisches Essen (z.B. vegetarisches Erdnuss-Jeow mit Klebereis) bekommen und uns schon immer auf das Essen am nächsten Tag gefreut. Am ersten Tag nach unserer Ankunft haben wir uns wieder einen Roller gemietet und sind durch die Dörfer gefahren, was wieder wirklich sehr interessant war. Die Leute hier Leben in einfachsten Stelzen-Holzhäusern, die von staubigen Wegen umgeben sind. Zwischen und unter den Häusern laufen die Hühner, Enten und Schweine herum und waschen tut man sich am Dorfbrunnen. Und vor allem die Kinder und jungen Leute begrüßen einen immer mit einem freundlichen Sabai-Dee (in Thailand wurden wir interessantereweise noch in „unserer“ Sprache, also „hello“ begrüßt). Dafür, dass Luang Nam Tha ein beliebtes Trekking-Ziel ist, war die Landschaft recht unspektakulär und hat uns nicht so recht zum Aufbruch in den Wald motiviert. Daher haben wir den nächsten Tag in Luang Nam Tha entspannt und noch vor dem Frühstück im Bett einen Tatort geschaut (ja, auch sogar hier hat man Internet im Zimmer). An diesem Tag haben wir auch die deutschen Schwestern Kamala und Maja wiedergetroffen, mit denen wir schon über die Tempelanlagen von Sukothai in Thailand geradelt sind und mit denen wir uns gut verstanden haben.  Als wir hörten, dass wir für den Folgetag die gleiche Reiseroute haben, war die Freude groß. Am nächsten Morgen ging es also gegen 8 Uhr mit dem Tuk-Tuk zum Busterminal. Wir waren froh, als die etwa 15-minütige Fahr vorüber war, da es nachts und morgens hier in Nordlaos doch ganz schön kalt wird. Man kann sogar seinen Atem sehen und Uli hat sich schon geärgert, dass er Maik und Irina einen Teil der warmen Klamotten mit nach Deutschland gegeben hat. Es wird Zeit, dass wir bald wieder Richtung Süden reisen. Aber zunächst ging es erstmal nach nach Muang Khua am Fluss Nam Ou, um von dort nach Süden Richtung Luang Prabang zu fahren.

Mekong oder Eder?

Mit einem Stinke-Klimaanlagen-Bus kamen wir am späten Nachmittag in Chiang Khong an der Grenze zwischen Thailand und Laos an. Wir fanden ein günstiges und schönes Zimmer in einem großen, aus Holz gebauten und verwinkelten Gasthaus direkt am Mekong. Später erfuhren wir, dass es sich um das erste Gasthaus in Chiang Khong handelt. Das Schöne an Chiang Khong ist, dass es die meisten Touristen  nur durchqueren und im laotischen Dorf auf der anderen Flussseite übernachten. Dadurch gibt es zwar einige Gasthäuser und Restaurants, die aber nie überlaufen sind und nicht das Stadtbild prägen. Am Abend haben wir nur noch etwas gegessen, einen Roller für den nächsten Tag gemietet und die Aussicht auf den Mekong genossen, der, zumindest hier in Chiang Khong, wesentlich kleiner ist als wir erwartet hatten. Von der laotischen Uferseite schallten laute Musik und Nachrichten (?) bis zu uns herüber – hier wird anscheinend mit einem riesengroßen Lautsprecher gleich der ganze Ort beschallt.
Am nächsten Morgen starteten wir unseren Ausflug mit dem Roller entlang des Mekongs. Dafür, dass wir das Gefühl hatten wir fuhren zu den „letzten“ Dörfern war die Straße relativ gut, auch wenn Uli häufig etwas Slalom fahren musste. Die Landschaft war hügelig und immer wieder hatten wir einen schönen Blick auf den Fluss, der hier in der Trockenzeit gerade mal so groß ist wie die Lahn oder die Eder. Für uns war das sehr komisch, da wir beim berühmten Mekong einen großen Fluss erwartet hatten.  Bei unserem Ausflug bewegten wir uns auf sehr untouristischen Pfaden und vor allem für die Kinder in den Dörfern, die häufig aus einer Ansammlung von auf Pfählen stehenden Holzhäusern bestanden,  waren wir ein kleines Highlight und wurden immer mit freundlichem Winken und Hello-Rufen begrüßt. Interessant waren auch die Goldsucher am Mekong, die Bananen- und Papaya-Plantagen und die nette Kobra, die wir fast überfahren haben.  Gerne wären wir noch einen weiteren Tag in Chiang Khong geblieben, um den Mekong stromabwärts zu erkunden, doch leider war unser Visum, das wir zwei Wochen zuvor durch Überquerung der birmanischen Grenze erworben hatten, abgelaufen und wir mussten am nächsten Tag nach Laos ausreisen.